Liebhabern
des Genres muss man Thin Lizzy kaum ans Herz legen. Zwar
erhielten sie nicht den Rang von Namen wie Sabbath, Purple
oder Zep, aber wenn man
Rockmusik schätzt und von der Band noch nichts gehört hat, werdet
ihr mit diesem Album eine helle Freude haben. Die irische Band um
den trotz virtuoser Gitarrenarbeit dominierenden Bassisten und Sänger
Phil Lynott gilt zu recht als hervorragende, wenn nicht eine der
besten Live-Rock-Bands. Und was ist Rock anderes als Livemusik?
Dieser reichlich legendäre Zusammenschnitt verschiedener Konzerte
der "Johny the Fox"- und "Bad Reputation"-Touren
(1976 + 1977) vermittelt wirklich gutes Live-Feeling.
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Der
Bandname erinnert zuerst an das erste Serienautomobil der Welt,
die berühmte Tin Lizzy, die blecherne Elizabeth von
Ford, ist aber aus einem Comic namens “Beano“,
dessen weiblicher Roboter mit Namen Tin Lizzie wohl auch
auf dem Fahrzeug beruht. Mit dem zusätzlichen H im
Thin, welches der irische Akzent wie Tin ausspricht,
gewinnt er einen zusätzlich erotischen Aspekt der Deutung und
ist gleichzeitig frei von der Gefahr Marken- und Urheberrechte zu
verletzen.
Schon
lange vor Metallica hatte die Band mit "Whiskey
in the Jar" 1973 und 1976 mit "The Boys are Back
in Town" (auch auf diesem Album) große Hits. Die
Wiederbegründung der Band 1999 bietet leider nicht mehr das
Original-Line-Up. Angesichts des Todes der zentralen Figur Phil
Lynott (bereits 1986), welcher seinem Drogenkonsum angelastet wird,
ist das spezielle Flair einer ausnahmsweise nicht englischen und
ausnahmsweise von einem höchst charismatischen, noch dazu schwarzen
Bassisten irischer Herkunft mit erstklassiger Stimme geführten
Band nun Rockgeschichte.
Rockgeschichte
ist auch "Live & Dangerous". Fantastisch
zu hören ohne Lows oder schwachen Nummern bietet es hervorragend
gespielten Rock mit immer wieder schönen Gitarren-Unisono und
Doppelsolos. Nennt es Hard-Rock oder 70ies-Rock, ist diese Musik
nicht so progressiv wie andere Rockgruppen dieser Zeit, sondern
bodenständig, klar, harmonisch und melodisch. Wie es sich damals
gehörte, fehlt hier weder Schlagzeugsolo noch der Publikumspart.
Phil spricht mit den Leuten und sie antworten ihm. Tanzen und Mitsingen.
Einfluss irischer Folklore hat auch anderen Rock- und Popgrössen
nie geschadet. Nutzlos wäre es einzelne Höhepunkte hervorzuheben
oder bestimmten Songs wie "Rosalie" (Bob Seeger),
"Jailbreak", "Emerald" oder
"The Rocker" den Vorzug zu geben. Die können
spielen. Da rumst der Fels. Dieses Album ist rundherum klasse .
Die
Coverbilder vermitteln eine schönen und bunten Eindruck der
wirklichen Livesituation bei Konzerten der 70er. Farbige Les
Paul Gitarren über die Türme der Marshall Full
Stacks
gespielt, lange Haare, große Bühne, glitzernde Jacken
und eine noch von Hand gesteuerte Lightshow ohne Abstriche. Die
Klangqualität ist die eines remastert Analog-Albums und bringt
den Vinylklang von 1978 bestens rüber.
Es
ist nicht leicht ein Album zu besprechen, welches trotz allgegenwärtigem
Vergessen in kompetentem Kreis Kultstatus besitzt. Wenn man Thin
Lizzy noch nicht kennt, einen guten Zusammenschnitt ihrer Arbeit
möchte oder einfach auf Rockmusik steht, gibt es mit "Live
& Dangerous" ein originelles, ja , originäres,
authentisches und dabei voll massenkompatibles Dokument aufrechter
Musik vollster Hingabe.
bernhard
r.c.faaß www.empyreal.de
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