Der lustigste Beatle


 
Interpret/Komponist: Ringo Starr
Titel: Ringo´s Rotogravure
Tracks: 10 + 1
Spieldauer: mittellang
Label: Atlantic
Website: www.ringostarr.com


Ringo´s Soloplatten stellen immer den Spass-an-der-Sache-Aspekt vor kommerzielle Überlegungen. Weder geht es um musikalische Meilensteine, noch um unsterbliches Songwriting oder andere Superlative. Sei es sein "Sentimental Journey" Album mit den Stücken, "die in seiner Jugend zuhause in der Familie gesungen wurden", sei es seine All Star Band und deren Alben. Auch die aktuelleren Scheiben wie RINGORAMA lassen das ganz offenkundig erkennen. Und sein typischer Humor spielt immer mit.
 
    
 

Hätte Zappa damals Ringo gefragt "Does humor belong to music?", hätte dieser wahrscheinlich geantwortet: Dumme Frage. (Naja, Amerikaner.) Gut, er kann sich das als Beatle vermutlich leisten, aber vergessen wir nicht, dass der Lennon/McCartney-Katalog einst an einen "Afro-Amerikaner" verscherbelt wurde, dass von Ringo auch schon Zeiten persönlicher Schwierigkeiten bekannt waren und es jede Menge Leute gibt, deren Geldvermögen durchaus Freiraum für wertvolle Kultur unabhängig von Profitstreben ließe, welche es aber trotzdem vorziehen die Welt und ihr Bankkonto mit billigem Schund zu beglücken, der kurzfristig höhere Erlöse über Massenverdummung zu erzielen verspricht.

Die Legende berichtet allerdings, dass die Belegschaft des eher auf gelinde gesagt einheimische Vertreter von Volkskultur spezialisierten KOCH-Music Labels im kosmopolitisch zentral gelegenen Martinsried noch heute wöchentlich einen rituellen Freudentanz zum Vertragsschluss mit einem Beatle über die Veröffentlichung von RINGORAMA aufführen. Unabhängig vom kommerziellen Erfolg, nur auf Grund von Ruhm und Ehre. Sie singen dabei angeblich sich an den Händen haltend im eliptischen Kreise hüpfend: "Man glaubt es nicht, doch ist es wahr, bei uns erscheint der Ringo Starr. Nach jahrelangem Humpapaa , erscheint bei uns der Ringo Starr. Entgegen jeder Algebra, belastet es auch den Etat von Afri- bis Amerika erscheint bei uns der Ringo Starr. Zum Glanz und dazu Gloria singen tralla und halleluja gemeinsam mit Victoria wir, dass das Schicksal sich begab und es schließlich uns geschah. Daher ganz laut dreifach HURRA ! bei uns erscheint der Ringo Starr."

Ich gebe zu ein RINGO-Fan zu sein. Auch wenn ich kein Schlagzeuger war oder werden wollte, identifizierte ich mich doch spontan mit diesem fast zwangsläufig als Nicht-Frontmann weniger gehuldigten Bandmitglied. Und das blieb so. Lennon wurde zu sehr als übernatürliches Genie angepriesen. Auch mit dem anderen Schönling Paul konkurrierte das Selbstverständnis des Heranwachsenden wahrscheinlich zu sehr. Ohne natürlich eigentlich ihnen abgeneigt zu sein, schienen sie einfach einer abgehobenen Unerreichbarkeit anzugehören, welche dem Jungen aus einfachen Verhältnissen kein ausreichendes Identifikationspotential auf freundschaftlicher Ebene bot. George hätte dies möglich gemacht, entbehrte aber irgendwie des Bezuges und es lag wahrscheinlich an seiner selbst von den Mitgliedern erlebten Sonderstellung in der Gruppe, die ihn ein wenig seltsam wirken lies. Er war etwas tiefgründig. Schließlich war RINGO mit seinen Ringen ein Kumpeltyp und in seiner Art so entspannt locker und unprätentiös. Er strahlte ein empfindsames Selbstbewusstsein aus, das familiär und aufrichtig bodenständig wirkte, schien rebellisch genug ohne sich selbst wichtig zu nehmen oder zu überhöhen. RINGO war einfach der Lustigste.

Auf der aus seinen Scheiben zusätzlich herausragenden ROTOGRAVURE sind es nun seine Freunde aus der vormaligen Viererbande mit Käferköpfen (John lebte damals noch und hatte sicher Riesenspaß) und andere , weniger bekannte Kollegen, wie Erich Klappton und Klaus Voorman (guter Freund und Bassist, nebst anderen Arbeiten für die Gruppe verantwortlich für das REVOLVER und das Antology Cover), die jeweils einen Song beisteuerten und natürlich auch mitspielen.

Nach dem höchst gelungenen Einstieg mit dem alten Rock´n´Roll-Schlager "A Dose of Rock´n´ Roll" nimmt der Frohsinn seinen Lauf. Gleich darauf eine erfreuliche Cover-Version des ebenso alten Rock´n´Roll-Schlagers "Hey Baby!" lange bevor die wirklich coole Nummer von untoten, österreichischen Gletschermumien durch Affengeschrei gemeuchelt und impotenten Trunkenbolden zum Frasse vorgeworfen wurde. (siehe oben: kurzfristig höhere Erlöse etc auf Kosten der Kultur.) Verständlicherweise möchte man wissen, ob das hübsche, feine Mädchen, welches die Strasse hinuntergeht, das meinige, seinige jeweilige werden möchte. Das hat Carl Grossman, der Songschreiber, welchem wir die Mios von der Mumie deshalb trotz Primatengrunz herzlichst gönnen (Menschen, die geile Nummern schreiben, genießen in unseren Augen/Ohren außergewöhnliche Privilegien.) genau erkannt. Dann folgen die extra für das Alben verfassten Nummern der Jungs und andere. Sind sie auch weniger hitverdächtig, so gehen sie einem doch gut ins Blut und bieten verschiedene Stilistiken und lebensnahe, intelligente Verse.

Die Platte ist angenehm zu hören. Wirkliche Musik von wirklichen Musikern macht wirklich Laune. Die Bilder im Booklet bilden den Spass der Beteiligten bei den Sessions zusätzlich ab und vermutlich weil Ringo es 1976 zu ersten Mal seit der Trennung der Fab Four geschafft hat sie auf einer Platte wiederzuvereinigen ist auf der Rückseite das legendäre Bild der Tür mit den Kritzeleien drauf.

Keinesfalls handelt es sich hier um ein irgendwie aalglattes Medienprodukt für eine Zielgruppe, sondern ein spezifisches Kleinod der Rock´n´Roll Welt. RINGO ist RINGO. Wozu sich verstellen. Aber nicht etwa wegen des Geldes. Wie? Voller queren Humor wie er es auf RINGORAMA sagt: "If you can´t laugh. What´s the Problem?"

Besser: Take a dose of Rock´n´Roll and wash it down with cool clear soul. Nicht zu vergessen: Shu bab du wau wauh!

bernhard r.c.faaß www.empyreal.de

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