Ringo´s
Soloplatten stellen immer den Spass-an-der-Sache-Aspekt vor kommerzielle
Überlegungen. Weder geht es um musikalische Meilensteine, noch um
unsterbliches Songwriting oder andere Superlative. Sei es sein "Sentimental
Journey" Album mit den Stücken, "die in seiner Jugend zuhause
in der Familie gesungen wurden", sei es seine All Star Band
und deren Alben. Auch die aktuelleren Scheiben wie RINGORAMA lassen
das ganz offenkundig erkennen. Und sein typischer Humor spielt immer
mit.
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Hätte
Zappa damals Ringo gefragt "Does humor belong to music?",
hätte dieser wahrscheinlich geantwortet: Dumme Frage. (Naja, Amerikaner.)
Gut, er kann sich das als Beatle vermutlich leisten, aber vergessen
wir nicht, dass der Lennon/McCartney-Katalog einst an einen "Afro-Amerikaner"
verscherbelt wurde, dass von Ringo auch schon Zeiten persönlicher
Schwierigkeiten bekannt waren und es jede Menge Leute gibt, deren
Geldvermögen durchaus Freiraum für wertvolle Kultur unabhängig von
Profitstreben ließe, welche es aber trotzdem vorziehen die Welt
und ihr Bankkonto mit billigem Schund zu beglücken, der kurzfristig
höhere Erlöse über Massenverdummung zu erzielen verspricht.
Die
Legende berichtet allerdings, dass die Belegschaft des eher auf
gelinde gesagt einheimische Vertreter von Volkskultur spezialisierten
KOCH-Music Labels im kosmopolitisch zentral gelegenen Martinsried
noch heute wöchentlich einen rituellen Freudentanz zum Vertragsschluss
mit einem Beatle über die Veröffentlichung von RINGORAMA aufführen.
Unabhängig vom kommerziellen Erfolg, nur auf Grund von Ruhm und
Ehre. Sie singen dabei angeblich sich an den Händen haltend im eliptischen
Kreise hüpfend: "Man glaubt es nicht, doch ist es wahr, bei
uns erscheint der Ringo Starr. Nach jahrelangem Humpapaa , erscheint
bei uns der Ringo Starr. Entgegen jeder Algebra, belastet es auch
den Etat von Afri- bis Amerika erscheint bei uns der Ringo Starr.
Zum Glanz und dazu Gloria singen tralla und halleluja gemeinsam
mit Victoria wir, dass das Schicksal sich begab und es schließlich
uns geschah. Daher ganz laut dreifach HURRA ! bei uns erscheint
der Ringo Starr."
Ich
gebe zu ein RINGO-Fan zu sein. Auch wenn ich kein Schlagzeuger war
oder werden wollte, identifizierte ich mich doch spontan mit diesem
fast zwangsläufig als Nicht-Frontmann weniger gehuldigten Bandmitglied.
Und das blieb so. Lennon wurde zu sehr als übernatürliches Genie
angepriesen. Auch mit dem anderen Schönling Paul konkurrierte das
Selbstverständnis des Heranwachsenden wahrscheinlich zu sehr. Ohne
natürlich eigentlich ihnen abgeneigt zu sein, schienen sie einfach
einer abgehobenen Unerreichbarkeit anzugehören, welche dem Jungen
aus einfachen Verhältnissen kein ausreichendes Identifikationspotential
auf freundschaftlicher Ebene bot. George hätte dies möglich gemacht,
entbehrte aber irgendwie des Bezuges und es lag wahrscheinlich an
seiner selbst von den Mitgliedern erlebten Sonderstellung in der
Gruppe, die ihn ein wenig seltsam wirken lies. Er war etwas tiefgründig.
Schließlich war RINGO mit seinen Ringen ein Kumpeltyp und in seiner
Art so entspannt locker und unprätentiös. Er strahlte ein empfindsames
Selbstbewusstsein aus, das familiär und aufrichtig bodenständig
wirkte, schien rebellisch genug ohne sich selbst wichtig zu nehmen
oder zu überhöhen. RINGO war einfach der Lustigste.
Auf
der aus seinen Scheiben zusätzlich herausragenden ROTOGRAVURE sind
es nun seine Freunde aus der vormaligen Viererbande mit Käferköpfen
(John lebte damals noch und hatte sicher Riesenspaß) und andere
, weniger bekannte Kollegen, wie Erich Klappton und Klaus Voorman
(guter Freund und Bassist, nebst anderen Arbeiten für die Gruppe
verantwortlich für das REVOLVER und das Antology Cover), die jeweils
einen Song beisteuerten und natürlich auch mitspielen.
Nach
dem höchst gelungenen Einstieg mit dem alten Rock´n´Roll-Schlager
"A Dose of Rock´n´ Roll" nimmt der Frohsinn seinen Lauf.
Gleich darauf eine erfreuliche Cover-Version des ebenso alten Rock´n´Roll-Schlagers
"Hey Baby!" lange bevor die wirklich coole Nummer von untoten,
österreichischen Gletschermumien durch Affengeschrei gemeuchelt
und impotenten Trunkenbolden zum Frasse vorgeworfen wurde. (siehe
oben: kurzfristig höhere Erlöse etc auf Kosten der Kultur.) Verständlicherweise
möchte man wissen, ob das hübsche, feine Mädchen, welches die Strasse
hinuntergeht, das meinige, seinige jeweilige werden möchte. Das
hat Carl Grossman, der Songschreiber, welchem wir die Mios von der
Mumie deshalb trotz Primatengrunz herzlichst gönnen (Menschen, die
geile Nummern schreiben, genießen in unseren Augen/Ohren außergewöhnliche
Privilegien.) genau erkannt. Dann folgen die extra für das Alben
verfassten Nummern der Jungs und andere. Sind sie auch weniger hitverdächtig,
so gehen sie einem doch gut ins Blut und bieten verschiedene Stilistiken
und lebensnahe, intelligente Verse.
Die
Platte ist angenehm zu hören. Wirkliche Musik von wirklichen Musikern
macht wirklich Laune. Die Bilder im Booklet bilden den Spass der
Beteiligten bei den Sessions zusätzlich ab und vermutlich weil Ringo
es 1976 zu ersten Mal seit der Trennung der Fab Four geschafft hat
sie auf einer Platte wiederzuvereinigen ist auf der Rückseite das
legendäre Bild der Tür mit den Kritzeleien drauf.
Keinesfalls
handelt es sich hier um ein irgendwie aalglattes Medienprodukt für
eine Zielgruppe, sondern ein spezifisches Kleinod der Rock´n´Roll
Welt. RINGO ist RINGO. Wozu sich verstellen. Aber nicht etwa wegen
des Geldes. Wie? Voller queren Humor wie er es auf RINGORAMA sagt:
"If you can´t laugh. What´s the Problem?"
Besser:
Take a dose of Rock´n´Roll and wash it down with cool clear
soul. Nicht zu vergessen: Shu bab du wau wauh!
bernhard
r.c.faaß www.empyreal.de
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