Sich selbst treu


 
Interpret/Komponist: Prince
Titel: 20TEN
Tracks: 10
Spieldauer: 47:11 min
Label: Beilage des Rolling Stones Magazin vom August 2010
Website: www.rollingstone.de      


Das neueste Album von Prince, der sich seit 2001 wieder so nennen darf, liegt der aktuellen - sehr schnell vergriffenen - Ausgabe des Rolling Stone Magazins bei. Quasi kostenlos, bei einem Verkaufspreis von 6,99 Euro. Seine Veröffentlichungen gehen schon seit einiger Zeit nicht mehr unbedingt in den regulären CD-Einzelhandel. Dies sei auch bei diesem Album nicht gesichert. Womöglich findet es später seinen Weg dorthin und/oder wird als Download angeboten. Damit liegt der Künstler offenbar vollkommen richtig betreffend der Marktsituation: CD Verkäufe rückläufig seit über zehn Jahren, Kompensation durch Downloads nicht annähernd ausreichend .
 
    
 

Die Vergütung, die er durch die Beilage zum RS Magazin erhält mag gering, jedoch sicher sein. Vor allem, da Prince durch seine früheren Erfolge wohlhabend genug sein dürfte und inzwischen nicht mehr - wir kennen die Geschichte alle - an eine Plattenfirma gebunden ist, sondern unter seinem Label NPG veröffentlicht, ein sinnvolles, wie einfaches Konzept. Dazu kommt, dass er - die goldenen Fünfzig überschritten - noch immer und logischerweise zu den Veröffentlichungszeiten erst recht LIVE auftritt. Diese Konzerte sind bekanntlich noch immer von hervorragender Qualität. Vielleicht kommt es von der Verwirrung, die wegen des bereits erwähnten Streits um seine Namensrechte entstand oder er freut sich einfach immer noch, letztlich gesiegt zu haben, dass er bei diesen Gelegenheiten das Publikum gerne mehrmals nach seinem Namen befragt: "What is my name ?" und die Antwortrufe: "PRINCE" so genießt.

Zum Album:

Die Kartonstecktasche ist psychedelisch bunt, sehr typisch Prince mit fließenden Formen und seinem Konterfei. Seine Lieblingsfarben und die geschmackliche Ausrichtung seiner Imagepersönlichkeit wird teilweise als kitschig bis schwülstig bewertet, ist aber sicher harmlos und in seiner individuellen Authentizität vielmehr eine Wunderkind-Buntheit. Der Titel 20Ten nicht spektakulär originell, aber wenigstens geschickt grafisch mit dem LoveSymbol verquickt. Tatsächlich steht auf dem Cover nicht: Prince. Es sieht aus wie eine Promotion-CD und so steht auch "For Promotion Use only. Not for Resale" auf dem Cover. Das entspannt die Tantiemen Situation... Sehr hübsch und aufwendig der vielfarbige Labeldruck auf dem CD-Spiegel selbst.

 
    
 

Außer den Titeln der Songs Minimalinfo. (Dafür stehen im Heft blumige Beschreibungen der Songs von der Redaktion mit inhaltlicher Hilfestellung bei Act of God.) Wie früher heißt es jetzt hier einmal mehr und wieder Produced, Arranged, Composed & Performed by Prince. Liegt es daran oder an dem gesetzten Alter, das die Scheibe in fast jeder Beziehung auch genauso klingt wie schon seit jeher und sogar an den Sound seiner allerersten eigenen Vinylplatten erinnert, als wirklich innovativ zu werden.

Dies muss man nicht als Kritik verstehen. Persönlich bin ich nicht der fordernden Einstellung verfallen einem Künstler menschlich verständliche Reaktionen anzulasten, weil er eine wie auch immer geartete Gier nach Befriedigung durch Neues, Herausragendes oder was weiß man eigentlich nicht erfüllt. Dazu ist die Kunst nicht da. Das nennt man Kommerz. Wenn jemand noch dazu seine Sporen verdient und sogar den Olymp bestiegen hat, kann man auch entspannen. Also macht Prince jetzt und wieder, was er gerne tut.

Wahrscheinlich hockt er in seinem, wenn auch opulenten HomeOffice und nimmt die Nummern in einem lockeren Zeitrahmen eben wie früher auf. Wann und wie ihm danach ist. Die praktisch optimale Version für einen Künstler. Es klingt nach Prince. Prince Fans kommen auf ihre Kosten. Fraglich ob er neues Publikum anzusprechen versucht. Hätte er den Namen, das Renommee nicht schon, läge nicht dem Rolling Stone bei, er würde wohl kaum Aufmerksamkeit erhalten. Zu Recht nicht. Keine der Nummer reißt einen vom Hocker. Sind aber im Sinne absolut eindeutig Prince.

Wie gesagt, nichts weiter als was man von ihm erwartet. Besonders deutlich fallen das "Vollplastik"-Computerschlagzeug und diverse überkommene Synth-Sounds, die elektronische Funkbässe und dergleichen auf. Das macht man heutzutage sogar im HomeRecordingStudio von Abiturient besser. Vielleicht liegt es daran, dass Prince das gar nicht anders wollte. (Was sich im Interview erklärt.) Ja, die Songs erinnern an Songs von ihm, die es schon gibt. Sagte ich schon? Alles schon da gewesen. Egal. Prince ist nicht an Drogen- oder Alkoholexzessen zugrunde gegangen, oder durch Sexskandale oder Dümmeres ruiniert worden. Er lebt auch noch. Wäre es nicht viel blöder und zweifellos kindisch in seinem Alter die Welt noch mal neu erfinden zu wollen, als sich an sich selbst zu erfreuen? Prince Interview im Heft schön gehaltvoll. Thumbs up for Prince! Hope to see you on stage as long as it means fun to everybody.

P.S.: Erst später entdeckte ich eine weitere CD (das nimmt ja überhand) "New Noises 101" mit Titeln aktueller Veröffentlichungen diverser Künstler. Es ist auch zu einem Teil reine Geschmackssache, und die Topnummern wird man nicht auf so Beilage-CDs finden, aber alle diese Werke sind weit vom Genie eines Prince entfernt. Die deutschen Künstler leiden unter der schon ein Klischée begründeten Krankheit: hölzern. Bei allen Arrangements hat man den Eindruck es wird peinlichst darauf geachtet Hörerwartungen zu erfüllen. Industrieware ohne den kreativen Funken. Es funktioniert zu gut, als dass es funkt.

Deshalb Prince laut Titel der Ausgabe: SEX, GOTT, FUNK.

bernhard r.c.faaß www.empyreal.de

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