Das neueste
Album von Prince, der sich seit 2001 wieder so nennen darf,
liegt der aktuellen - sehr schnell vergriffenen - Ausgabe des Rolling
Stone Magazins bei. Quasi kostenlos, bei einem Verkaufspreis
von 6,99 Euro. Seine Veröffentlichungen gehen schon seit einiger Zeit
nicht mehr unbedingt in den regulären CD-Einzelhandel. Dies sei auch
bei diesem Album nicht gesichert. Womöglich findet es später seinen
Weg dorthin und/oder wird als Download angeboten. Damit liegt der
Künstler offenbar vollkommen richtig betreffend der Marktsituation:
CD Verkäufe rückläufig seit über zehn Jahren, Kompensation durch Downloads
nicht annähernd ausreichend .
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Die Vergütung, die er durch die Beilage
zum RS Magazin erhält mag gering, jedoch sicher sein. Vor
allem, da Prince durch seine früheren Erfolge wohlhabend
genug sein dürfte und inzwischen nicht mehr - wir kennen die Geschichte
alle - an eine Plattenfirma gebunden ist, sondern unter seinem Label
NPG veröffentlicht, ein sinnvolles, wie einfaches Konzept. Dazu
kommt, dass er - die goldenen Fünfzig überschritten - noch immer
und logischerweise zu den Veröffentlichungszeiten erst recht LIVE
auftritt. Diese Konzerte sind bekanntlich noch immer von hervorragender
Qualität. Vielleicht kommt es von der Verwirrung, die wegen des
bereits erwähnten Streits um seine Namensrechte entstand oder er
freut sich einfach immer noch, letztlich gesiegt zu haben, dass
er bei diesen Gelegenheiten das Publikum gerne mehrmals nach seinem
Namen befragt: "What is my name ?" und die Antwortrufe: "PRINCE"
so genießt.
Zum
Album:
Die Kartonstecktasche ist psychedelisch
bunt, sehr typisch Prince mit fließenden Formen und seinem Konterfei.
Seine Lieblingsfarben und die geschmackliche Ausrichtung seiner
Imagepersönlichkeit wird teilweise als kitschig bis schwülstig bewertet,
ist aber sicher harmlos und in seiner individuellen Authentizität
vielmehr eine Wunderkind-Buntheit. Der Titel 20Ten nicht
spektakulär originell, aber wenigstens geschickt grafisch mit dem
LoveSymbol verquickt. Tatsächlich steht auf dem Cover nicht: Prince.
Es sieht aus wie eine Promotion-CD und so steht auch "For Promotion
Use only. Not for Resale" auf dem Cover. Das entspannt die Tantiemen
Situation... Sehr hübsch und aufwendig der vielfarbige Labeldruck
auf dem CD-Spiegel selbst.
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Außer den Titeln der Songs Minimalinfo.
(Dafür stehen im Heft blumige Beschreibungen der Songs von der Redaktion
mit inhaltlicher Hilfestellung bei Act of God.) Wie früher heißt
es jetzt hier einmal mehr und wieder Produced, Arranged, Composed
& Performed by Prince. Liegt es daran oder an dem gesetzten Alter,
das die Scheibe in fast jeder Beziehung auch genauso klingt wie
schon seit jeher und sogar an den Sound seiner allerersten eigenen
Vinylplatten erinnert, als wirklich innovativ zu werden.
Dies muss man nicht als Kritik verstehen.
Persönlich bin ich nicht der fordernden Einstellung verfallen einem
Künstler menschlich verständliche Reaktionen anzulasten, weil er
eine wie auch immer geartete Gier nach Befriedigung durch Neues,
Herausragendes oder was weiß man eigentlich nicht erfüllt. Dazu
ist die Kunst nicht da. Das nennt man Kommerz. Wenn jemand noch
dazu seine Sporen verdient und sogar den Olymp bestiegen hat, kann
man auch entspannen. Also macht Prince jetzt und wieder,
was er gerne tut.
Wahrscheinlich hockt er in seinem,
wenn auch opulenten HomeOffice und nimmt die Nummern in einem lockeren
Zeitrahmen eben wie früher auf. Wann und wie ihm danach ist. Die
praktisch optimale Version für einen Künstler. Es klingt nach Prince.
Prince Fans kommen auf ihre Kosten. Fraglich ob er neues
Publikum anzusprechen versucht. Hätte er den Namen, das Renommee
nicht schon, läge nicht dem Rolling Stone bei, er würde wohl kaum
Aufmerksamkeit erhalten. Zu Recht nicht. Keine der Nummer reißt
einen vom Hocker. Sind aber im Sinne absolut eindeutig Prince.
Wie gesagt, nichts weiter als was
man von ihm erwartet. Besonders deutlich fallen das "Vollplastik"-Computerschlagzeug
und diverse überkommene Synth-Sounds, die elektronische Funkbässe
und dergleichen auf. Das macht man heutzutage sogar im HomeRecordingStudio
von Abiturient besser. Vielleicht liegt es daran, dass Prince
das gar nicht anders wollte. (Was sich im Interview erklärt.) Ja,
die Songs erinnern an Songs von ihm, die es schon gibt. Sagte ich
schon? Alles schon da gewesen. Egal. Prince ist nicht an
Drogen- oder Alkoholexzessen zugrunde gegangen, oder durch Sexskandale
oder Dümmeres ruiniert worden. Er lebt auch noch. Wäre es nicht
viel blöder und zweifellos kindisch in seinem Alter die Welt noch
mal neu erfinden zu wollen, als sich an sich selbst zu erfreuen?
Prince Interview im Heft schön gehaltvoll. Thumbs up for Prince!
Hope to see you on stage as long as it means fun to everybody.
P.S.: Erst später entdeckte ich
eine weitere CD (das nimmt ja überhand) "New Noises 101" mit Titeln
aktueller Veröffentlichungen diverser Künstler. Es ist auch zu einem
Teil reine Geschmackssache, und die Topnummern wird man nicht auf
so Beilage-CDs finden, aber alle diese Werke sind weit vom Genie
eines Prince entfernt. Die deutschen Künstler leiden unter
der schon ein Klischée begründeten Krankheit: hölzern. Bei allen
Arrangements hat man den Eindruck es wird peinlichst darauf geachtet
Hörerwartungen zu erfüllen. Industrieware ohne den kreativen Funken.
Es funktioniert zu gut, als dass es funkt.
Deshalb Prince laut Titel
der Ausgabe: SEX, GOTT, FUNK.
bernhard
r.c.faaß www.empyreal.de
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