Klaus Cornfield, dürfte manchen Comicleuten bekannt sein, ist so'n ganz kultiger Charakter, kleiner Typ mit dicker Brille, seit langem aktiv an der Elektro-Gitarre und am Zeichenstift. Mir wurde der Kerl geläufig als ich Anfang der 00r auf dessen damals noch bei dem guten Verlag "Jochen Enterprises" (der dann ziemlich genau zu der Zeit Pleite machte) erscheinenden Underground-Comic-Serie "Kranke Comics" stieß. In Kranke Comics ging es mehr oder weniger "krank" zu, eher schmutzig und obszön, bevölkert wurde die kleinen Heftchen von süßen Plüschtieren und tier- oder mensch-ähnlichen Wesen, die meist sehr heruntergekommen waren und irgendwas im Pornogeschäft zu tun hatten. Die waren detailliert gezeichnet und zeugten von einem charmanten eigenen Stil, vor allem die Porno-DarstellerINNEN kamen gut rüber ;).
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Doch
Cornfield machte AUCH schon immer - bislang englische - Musik, von
der ICH noch nix gehört habe und beschloss dann kürzlich
"seiner Liebe zur schmutzigen Popmusik" nachzugehen und
wollte auch mal Deutschsprachig musizieren, scheinbar um auf der
neuen, neuen deutschen Welle mitzureiten und gründete die Band
"Katze". Das Debut Album heißt "...von hinten!"
(2005) und will wohl irgendwas sein zwischen "schmutzigem Pop"
und Fun(?)-Punk. Das von Cornfield liebevoll mit vielen, vielen
kleinen Zeichnungen versehene Inlay verspricht doch Spaß,
hört man sich die CD dann aber an, wird man ziemlich enttäuscht.
All die Lobeshymnen die diese CD priesen, kann ich nicht verstehen,
man hat scheinbar keine Ansprüche mehr, ICH jedenfalls erwarte
von einer guten deutschen Pop-CD gute Texte mit witzigen Reime und
schöne Melodien, oder wenigstens EINS von beidem. Hier kriegt
man nix davon und wird ehrlich gesagt von Anfang an ziemlich gelangweilt/genervt.
Der Sound wird bestimmt durch eine
dreckige, oft verzerrte aber nicht viel zu sagen habende E-Gitarre,
das Schlagzeug scheppert im Hintergrund dazu, und manchmal spielen
Synthies eine kleine Rolle. Ab und zu spielt Cornfields Partnerin
Minki Warhol auf dem Glockenspiel drei Töne dazu, aber bestimmt
nicht mehr und macht die ganz Angelegenheit nicht viel bedeutender
als sie eh schon nicht ist. Am markantesten noch die penetrante
Stimme: Klaus Cornfield klingt genau so wie ich ihn mir auch vorgestellt
habe, nämlich wie eins seiner verdorbenen, kleinen Comic-Tierchen,
bzw. die Katze mit der Brille die er hier sein will und quengelt,
quäkt oder krächzt sehr hoch herum. Mich erinnert er dabei
an den gemeinen Sänger der bekannten und berüchtigten
Punkband WIZO -- wer aber wie bei WIZO Gemeinheiten, Ausfallendes,
Schmutziges oder Schwarzhumoriges aus Klaus' Mundwerk zu hören
wähnt, was man, wenn er "Kranke Comics" zeichnet,
durchaus erwarten könnte, der befindet sich auf dem Holzweg.
Cornfield hält sich sehr, sehr zurück leider textlich
und musikalisch. "Wenn ich eine Katze wär, dann gings
hier ab!", heißt es im ersten Lied, aber ab geht es leider
überhaupt nicht, denn die meisten Lieder sind vom Tempo her
dermaßen langsam gehalten, dass da einfach nichts mit oder
abgehen kann und wenig Spaß macht. Ich habe auf der CD keinen
einzigen guten musikalischen Einfall gehört, Melodien gibt
es kaum, eher Melodie-Fragmente und die wiederholen sich nach dem
dritten Lied eigentlich nur.
"Wir machen Lärm" Track 5 ist
auch nur eben das, nämlich Lärm, Track 7 "Menschen springen von
Hochhäusern", gab es von Cornfield wohl auch schon mal auf englisch
und klingt dagegen recht vielversprechend, es hat auch einen guter
Refrain, die Zeile "Menschen springen von Hochhäusern" wird wiederholt
und rhythmisch betont, leider hält sich das nur sehr kurz. Eine
kleine Ausnahme auf der CD ist dann noch Track 8, "Größter Anhänger",
denn hier singt, kreischt und quietscht ausnahmsweise Klaus' Partnerin
Minki Warhol zu einer typischen Fun-Punk-Melodie. Ich finde, noch
das beste Lied. Ansonsten wollte Cornfield auf dieser Platte scheinbar
eher philophisch sein als witzig oder ausfallend. Leider wird hier
auch diesbezüglich kaum was geboten - wenig Text und wenig Inhalt.
Fad. Nach kurzer Zeit kann man sich das Gequängele dann iregndwie
gar nicht mehr antun. Weil es MIR von Anfang an keinen großen Spaß
gemacht hat die CD anzuhören, habe ich der CD mehrere Chancen gegeben,
geben müssen, weil ich einfach mehrere Durchgänge brauchte um sie
anzuhören. Noch mal anhören will ich sie mir nicht mehr.
Niko Burger
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