Kranke Klänge


 
Interpret/Komponist: Katze
Titel: ... von hinten!
Tracks: 13
Label: Zick Zack (Indigo)


Klaus Cornfield, dürfte manchen Comicleuten bekannt sein, ist so'n ganz kultiger Charakter, kleiner Typ mit dicker Brille, seit langem aktiv an der Elektro-Gitarre und am Zeichenstift. Mir wurde der Kerl geläufig als ich Anfang der 00r auf dessen damals noch bei dem guten Verlag "Jochen Enterprises" (der dann ziemlich genau zu der Zeit Pleite machte) erscheinenden Underground-Comic-Serie "Kranke Comics" stieß. In Kranke Comics ging es mehr oder weniger "krank" zu, eher schmutzig und obszön, bevölkert wurde die kleinen Heftchen von süßen Plüschtieren und tier- oder mensch-ähnlichen Wesen, die meist sehr heruntergekommen waren und irgendwas im Pornogeschäft zu tun hatten. Die waren detailliert gezeichnet und zeugten von einem charmanten eigenen Stil, vor allem die Porno-DarstellerINNEN kamen gut rüber ;).
 
    
 

Doch Cornfield machte AUCH schon immer - bislang englische - Musik, von der ICH noch nix gehört habe und beschloss dann kürzlich "seiner Liebe zur schmutzigen Popmusik" nachzugehen und wollte auch mal Deutschsprachig musizieren, scheinbar um auf der neuen, neuen deutschen Welle mitzureiten und gründete die Band "Katze". Das Debut Album heißt "...von hinten!" (2005) und will wohl irgendwas sein zwischen "schmutzigem Pop" und Fun(?)-Punk. Das von Cornfield liebevoll mit vielen, vielen kleinen Zeichnungen versehene Inlay verspricht doch Spaß, hört man sich die CD dann aber an, wird man ziemlich enttäuscht. All die Lobeshymnen die diese CD priesen, kann ich nicht verstehen, man hat scheinbar keine Ansprüche mehr, ICH jedenfalls erwarte von einer guten deutschen Pop-CD gute Texte mit witzigen Reime und schöne Melodien, oder wenigstens EINS von beidem. Hier kriegt man nix davon und wird ehrlich gesagt von Anfang an ziemlich gelangweilt/genervt.

Der Sound wird bestimmt durch eine dreckige, oft verzerrte aber nicht viel zu sagen habende E-Gitarre, das Schlagzeug scheppert im Hintergrund dazu, und manchmal spielen Synthies eine kleine Rolle. Ab und zu spielt Cornfields Partnerin Minki Warhol auf dem Glockenspiel drei Töne dazu, aber bestimmt nicht mehr und macht die ganz Angelegenheit nicht viel bedeutender als sie eh schon nicht ist. Am markantesten noch die penetrante Stimme: Klaus Cornfield klingt genau so wie ich ihn mir auch vorgestellt habe, nämlich wie eins seiner verdorbenen, kleinen Comic-Tierchen, bzw. die Katze mit der Brille die er hier sein will und quengelt, quäkt oder krächzt sehr hoch herum. Mich erinnert er dabei an den gemeinen Sänger der bekannten und berüchtigten Punkband WIZO -- wer aber wie bei WIZO Gemeinheiten, Ausfallendes, Schmutziges oder Schwarzhumoriges aus Klaus' Mundwerk zu hören wähnt, was man, wenn er "Kranke Comics" zeichnet, durchaus erwarten könnte, der befindet sich auf dem Holzweg. Cornfield hält sich sehr, sehr zurück leider textlich und musikalisch. "Wenn ich eine Katze wär, dann gings hier ab!", heißt es im ersten Lied, aber ab geht es leider überhaupt nicht, denn die meisten Lieder sind vom Tempo her dermaßen langsam gehalten, dass da einfach nichts mit oder abgehen kann und wenig Spaß macht. Ich habe auf der CD keinen einzigen guten musikalischen Einfall gehört, Melodien gibt es kaum, eher Melodie-Fragmente und die wiederholen sich nach dem dritten Lied eigentlich nur.

"Wir machen Lärm" Track 5 ist auch nur eben das, nämlich Lärm, Track 7 "Menschen springen von Hochhäusern", gab es von Cornfield wohl auch schon mal auf englisch und klingt dagegen recht vielversprechend, es hat auch einen guter Refrain, die Zeile "Menschen springen von Hochhäusern" wird wiederholt und rhythmisch betont, leider hält sich das nur sehr kurz. Eine kleine Ausnahme auf der CD ist dann noch Track 8, "Größter Anhänger", denn hier singt, kreischt und quietscht ausnahmsweise Klaus' Partnerin Minki Warhol zu einer typischen Fun-Punk-Melodie. Ich finde, noch das beste Lied. Ansonsten wollte Cornfield auf dieser Platte scheinbar eher philophisch sein als witzig oder ausfallend. Leider wird hier auch diesbezüglich kaum was geboten - wenig Text und wenig Inhalt. Fad. Nach kurzer Zeit kann man sich das Gequängele dann iregndwie gar nicht mehr antun. Weil es MIR von Anfang an keinen großen Spaß gemacht hat die CD anzuhören, habe ich der CD mehrere Chancen gegeben, geben müssen, weil ich einfach mehrere Durchgänge brauchte um sie anzuhören. Noch mal anhören will ich sie mir nicht mehr.

Niko Burger

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