Beim Lesen des
Booklets wurden in mir hohe Erwartungen erweckt, denn die Taubenschlag-Episode
wird zum humorvollsten gerechnet was Karl May je geschrieben hat. Der Komponist
bezeichnet sein Werk als "melodramatische Hörspiel-Symphonie". Von
solchen Superlativen neugierig gemacht, lege ich die CD in den Spieler und mich
in den Sessel. Das Vorspiel ist sehr vielversprechend. Doch dann erhebt der
Erzähler (Karl May / Kara Ben Nemsi) seine Stimme. Er ist klar und deutlich zu
verstehen, aber er betont das R sehr auffällig. Vielleicht bin ich aber auch
nur von Lex Barkers Synchronstimme G. G. Hoffmann verwöhnt. Mit der Zeit
gewöhne ich mich dann auch an Nikolaus Lechthaler, der seine Stimme sehr gut
den verschiedenen Rollen anpasst.
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Woran
ich mich jedoch nicht gewöhnen kann, ist die Musik. Der Komponist
schreibt im Booklet: "Kann einem europäischen Orchester zugemutet
werden, in arabischer Stimmung zu spielen? ... So habe ich mich
entschlossen, zu Gunsten einer präzisen Interpretation die gesamte
Komposition auf meinem Keyboard selbst zu spielen." Ach hätte
er doch nur ein Orchester benutzt, denn die Musik nach dem Vorspiel
hört sich an, als wäre sie auf einer Bontempi-Orgel aus dem 70er
Jahren gespielt worden. Trauriger Höhepunkt ist die Sebastian Bachsche
Fuge, in der quälende 6 ½ Minuten nur musikalische Nieser geboten
werden.
Der gute Ansatz Erzählung und
Musik zu einem Werk zu verbinden wird durch die schlechte Musikausführung
zunichte gemacht. Hätte ein richtiges Orchester mit lebenden Musikern
und richtigen Instrumenten die Musik gespielt, wäre das Hörbuch
auch zu einem Hörgenuss geworden.
Thomas Tiefelsdorf
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