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Country?
Alter Mann? Amerikanische Autobahnen? Kann es schlimmer werden?
Dieses letzte Album vor seinem Ableben, er wollte ihm noch selbst
den letzten Schliff verpassen als sein Produzent Rick Rubin die
Nachricht von seinem Tod erhält, ist vielleicht nicht besser als
"American IV: The Man Comes Around", das Album davor und
logischerweise vorletzte. Vieleicht hat es etwas damit zu tun, wenn
der Tod so nahe bevorsteht. Vielleicht nicht und es ist nur die
Reife eines Künstlers, der längst Gelegenheit hatte alles zu schaffen,
was erstrebenswert gewesen sein könnte. Und dies bekanntlich nicht
ohne gehörigen Erfolg. Vielleicht ist es die Situation, Nichts,
aber auch gar nichts mehr beweisen zu müssen und hat deshalb trotzdem
mit dem so absehbar bevorstehenden Tod zu tun oder nur mit der Reife
des Alters.
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Es
sind auch keine "neuen" Lieder. Es sind amerikanische Songs. Aus
dem sprichwörtlichen Great American Songbook. (Zwei von ihm selbst.)
Von einem gesungen und gespielt, der das seit Jahrzehnten tut und
außerdem scheißalt ist. Er tut dies mit den einfachsten Mitteln
und unspektakulär produziert. Da ist nichts, das jemand aufregend
finden könnte, womit man Aufmerksamkeit zu erwecken sich bemühen
wollte. Ja, ich kannte Johnny Cash vorher. Nein ich bin kein Country
Fan, obwohl ich hier und da einiges sehr gut finde und gerne höre.
Neues und Altes. Jeder weiß von seinen ganz großen Nummern: "Ring
of Fire" oder"Folsom Prison Blues". Man hat den Hollywood-Film
"Walk the Line"
gesehen, in dem eine June Carter einen Mann mit den gleichen Initialen
ehelicht, der sie seit jeher anhimmelt: Ein wahrhaftiges Märchen
.
Aber
dann: Ein alter Mann singt alte Lieder. Na und schon? Noch dazu
auf für unsere Zeit fast verwerflich medien- und marktuntaugliche
Weise, nämlich einfach so mit Gitarre und eben singt der dazu. Ja
mei ? Wen soll das denn locken? Alt ist er, müde. Am Ende jammert
der wie wer weiß nicht was. Es geht schon los, dass in der chromblitzenden
Welt der vielleicht nicht grundlos sogenannten Neuzeit wahrscheinlich
niemand wüsste, wo man die CD hinstellen kann. Ich wollte nur herausfinden,
was dieser legendäre Mann ans Ende setzt. Sein Ende. Das Ende dessen,
was "Johnny Cash" war, ist. Die Marke "Johnny Cash", das Produkt
"Johnny Cash". Die Legende.“
Zu
oft schmieren große Stars nach einer gewissen Zeit und vor allem
gerne zum Schluss ab. Besonders, wenn irgendein Kommerzheini auf
die Idee kommt, noch mal richtig Gage mit dem ehemals großen Namen
abzugreifen und sich das Opfer zu einer aufwendigen Produktion mit
womöglich bergeweise unterstützenden "Freunden" des Stars, selber
Stars, aufheizen lässt. Alter schützt vor Torheit nicht. Ich wollte
nicht durchhören. Ich wollte nur anspielen. Ich hatte eigentlich
nicht viel Zeit. Ja, er beginnt von Schwäche zu singen. Bittet um
Hilfe. Lieder über den Tod kommen vor. "But I´m not the whining
kind." Man kann nicht abschalten. Will nicht aufhören. Zu seiner
Gitarre kommt einmal nur ein tiefes Cello. Bald Stampfen und Klatschen.
Dann ein wenig Piano, zusätzliche Gitarren. Eine Orgel. Alles sehr
spartanisch. Eine unsägliche Ruhe geht aus von den in allemal extrem
zurückhaltenden Tempi wunderbar empfindsam gespielten Instrumenten
und seiner einzelnen Stimme. Irgendwie manchmal porös, rau, wie
wir sie kennen, doch sanft und sicher, mild auf den Tönen segelnd.
Johnny Cash Stimme. Alt und jung zugleich.
Schlichter
Charme der Harmonien und volkstümlicher Melodik, Texte herzlicher
Menschlichkeit getragen auf ihrem eigenen Fluss dessen Geschehen
an Wellen, Strudeln und Windungen sich souveräne Musiker hingebungsvoll
entlang treiben lassen können. Leichte Akzente, hübsche Verzierungen
entstehen wie im Vorbeigehen eingeflochtene Glückwünsche und schmücken
wie Sonnenstrahlen Morgentau auf Rosenblättern in den Spektralfarben
gleich himmlischen Edelsteinen blitzen lässt. Die eigene, bewährte
Kraft der Songs gepaart und verstärkt mit der Stimme purer Authenzität
und einfach gekonntem Spiel. Cash singt über die Liebe. Nicht wie
ein Teenager. Über eine Frau, die dunkle Wolken weglachen konnte...
Diese
Musik ist von einer absoluten Intensität. Direkt. Die Stimme spricht
zu dir. Die Töne der schlichten Arrangements kommen in dein Leben,
wie die Luft deines Atems und die Sonnenstrahlen des Morgens. Da
sind sie, unaufdringlich, fast alltäglich, wie wenn sie immer schon
da gewesen wären. Sie stören nicht. Sie schaffen sofort eine Stimmung,
der man sich hingibt, weil sie gleich dazugehört, wie ein alter
Freund. Vertraut ist. Unmittelbar und intensiv. Vollständig. Vielleicht
kommt das vom Bewusstsein des nahen Todes. Es ist dies eine besondere,
bedingungslose Form der Freiheit. Alles Vorherige ist Wert im Vergessen
zurückgelassen zu sein, ob der strahlenden Zukunft. Nichts hält
einen mehr, wenn in Aussicht steht, durch das grosse Tor zur Freiheit
zu schreiten.
"I
got rid of the shackles that bound me and the guards that were always
around me There were tears on the mail mother sent me in jail But
I'm free from the chain gang now."
So
kann man gehen. Schlicht, schön. Frei und ganz. J.C. sei gegrüsst.
Danke, dass du bei uns warst und für die Musik, die du uns geschenkt
hast. Das Vergnügen ist auf unserer Seite .
bernhard
r.c.faaß www.empyreal.de
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