Musikalische Trostpflaster gegen den sozialen Abstieg


 
Interpret/Komponist: diverse
Titel: Hilfe! Mein Geld ist weg! - Songs zur aktuellen Lage der knappen Kassen
Tracks: 25
Spieldauer: 83:34 min
Label: Bear Family Records
Website: www.bear-family.de 


Nachdem Volker Kühn im schön gestalteten Booklet dieser CD die aktuelle Finanzlage zwischen Harz IV und Börsencrash unter dem Brechtschen Motto “Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie, was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank" so schwarz wie möglich gemalt hat, verbreitet er am Ende seines Textes doch noch etwas Hoffnung: “Und so legen wir hier alte und neue kleine musikalische Trostpflaster für unsere wundgescheuerten Seelen auf den Player. Große Interpreten der Unterhaltungsbranche helfen uns dabei, die miese Stimmung nach Noten und mit heiteren Sprüchen wieder aufzupäppeln."
 
    
 

Herr Kühn ist hierfür tief hinab in den Archivkeller der für Kuriositäten bekannten “Bear Family“ gestiegen und fand dort nicht nur die üblichen musikalischen Verdächtigen zum Thema “Hilfe! Mein Geld ist weg!“. Neben bekannten Gassenhauern wie etwa dem “Ba-ba-ba-Banküberfall" der EAV, dem Karnevalsschlager "Wer soll das bezahlen?", "Bruttosozialprodukt (jetzt wird wieder in die Hände gespuckt)" von Geiersturzflug oder Gunther Gabriels "Hey, Boss, ich brauch' mehr Geld" wird der Hörer mit allerlei zusätzlichen Seltsamkeiten erfreut. Dabei fällt auf, dass der Sampler sehr wenige Beispiele aus den letzten 20 Jahren enthält.

Neu zu entdecken gibt es einige Musikstücke aus den 70er Jahren bei denen die Politiker Helmut Schmidt (“Etwas lernen, etwas leisten") oder Franz Josef Strauß ("Wenn’s ums Geld geht") ihre Parolen zu einem erstaunlich gut passenden Bigband-Sound verbreiten, ja fast schon singen. Die (völlig zu Unrecht) vergessene Mördernummer "Ich steh' an der Bar und hab kein Geld" von Bobbejaan kommt zu neuen Ehren und Dieter Hallervorden zeigt als Mitglied der Kabarettgruppe "Die Wühlmäuse" durch dem Song "Glaubensbekenntnis (zu Dagobert Duck)", dass er einmal mehr als "Nonstop Nonsens" im Angebot hatte. Tröstlich ist auf jeden Fall, dass die Angst vor dem sozialen Abstieg schon seit ewigen Zeiten ein guter Vorwand für galgenhumorige Lieder war.


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