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Mit
dieser Platte wäre George Harrison wahrscheinlich nicht zu weltweiter
Berühmtheit gelangt, würde ihm nicht seine Vergangenheit als Beatle
eine positive Voreingenommenheit beim Publikum und damit besseren
Zugang, aufgeschlossene Herangehensweise und offene Ohren bescheren.
Selbst die unterstützende Öffentlichkeitsarbeit würde im Wust der
Veröffentlichungen leichter untergehen. Viel zu unprätentiös ist
schon die ganze Aufmachung. Vielleicht hatten sie einfach keine
Lust auf das ganze Brimborium und natürlich muss man sich als Beatle
nicht hinter überirdisch wirkenden Hochglanzfassaden verbergen.
Kommerzielle Megaerfolge braucht man nicht mehr beweisen und so
treten die elf Songs ein wenig wie die Erstlingsscheibe einer jungen
Bande in Erscheinung. Beatle zum Anfassen.
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Auffallend vollverspiegelt ist Harrison´s Brille auf dem nur ihn vor schlichten Wolken zeigenden Cover. Die haben da Alufolie aufgeklebt. Ganz in Schwarz, lässt man das geschmacklich streitbare Linienmuster auf dem schwarzen, dem Anschein nach einem fernostasiatischen Touristenmarkt entsprungenem Hemd beiseite (Qualität: Hawaii-Hemd in S/W), schwarze Gretsch-Gitarre, Hose: schwarz und irgendwie wirkt Harrison mit dem unrasierten Grinsen unter den Wuschelhaaren selbst leicht höhnisch. Ein Wolkenbalken unterstreicht seinen Namen vor den eigentlichen Wolken als einzige gestalterische Raffinesse. Innen geht es ebenso schlicht weiter. Bilder internationaler Musikidole in familiärer Studiosession-Atmosphäre: Eric, Elton, Ringo, Gary Wright, Jeff Lyne…special thanks im Alltagsdress.
Elf
Titel (zehn offenbar von George, denn es fehlen undurchsichtigerweise
Urheberinfos, und eine alte Rock´n´Roll-Nummer zum Schluss) bringen
abwechslungsreiches Songerlebnis nach Hause. Gehaltvolle Texte geben
Georges Gedanken Preis, charakterstarke Musik kleidet die Themen
erfreulich und farbig. Nicht zu kompliziert, doch mit menschlichem
Tiefgang Gemütszustände und Dinge des Lebens behandelnd. Vordergründig
deutlich wird das an der reflektierenden Nummer "When We Was Fab“,
welche sehr geklärt die Situation der Beatle- Boys zur Ruhmeszeit
darlegt und dies auch im Arrangement ironisch unterschreibt. Langsame,
lustige und Liebeslieder. Beschwingter Rock und Metaphysik. Solche
Platten macht der Harrison, wenn er reif und frei ist. Kein Beatle
sein muss, trotzdem sich das nicht ändern lässt. Hätten sie sich
nicht aufgelöst, wäre es wohl in diese Richtung gegangen. Kommerziell
ist das zu eigensinnig. Eigenständig. Die Alufolienaugengläser zu
wohnzimmerkreativ. Die Platte sagt: "Wir kochen alle nur mit Wasser.
Manche haben einfach mehr Talent, mehr Möglichkeiten oder mehr Glück.
Wichtig ist, echt zu sein. Das kannst du auch. Besser als die Seele
mit Hochglanzchromplastik verklebt zu bekommen, damit es blinden
Massen als toll angedreht werden kann.“
Lässt
man sich auf die etwas queren Nummern ein, findet man ein Weise
der Kunst als menschlichen Ausdruck normaler Leute, facettenreich,
wie der Alltag mit der ebenso profanen , wie unglaublichen Schönheit
der Gänseblümchen und Buchfinken und wird mit dem vielleicht auch
zynischen, aber sehr Spaß bringenden und tanzbaren "I got my mind
set on you“ belohnt. Wenn man eine Platte des Niveaus von Beatles
sucht, kauft man am besten eine Platte eines Beatles. Wolke
neun ist zwei Stufen über Wolke sieben.
bernhard
r.c.faaß www.empyreal.de
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