Vor Jahren las ich in einer Die-Hundert-Besten-Rock-Alben-Liste, das beste Studio-Album von “Deep Purple“ sei “Fireball“ und keineswegs das allseits so beliebte “Machine Head“. Ich aber sage Euch: Es lief ab, wie es allzu oft in Deutschland abläuft. Um etwas zu erhöhen, ziehen die lieben Rezensenten-Kollegen etwas anderes polemisch runter. Nun werdet Ihr in mir den Letzten finden, der “Fireball“ auch nur ansatzweise kritisiert. Eines der besten Alben einer Gruppe, die wie keine andere den Rock be- und ergründete, ihn zu Höhen führte, von denen zumindest mir noch heute schwindelt. Aber “Machine Head“ enthält, ganz objektiv, die größere Anzahl an Spitzensongs, die zeitlos aus jenen Tagen rüberdröhnen, als man noch große fette Meilensteine setzen konnte.
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Wer
noch niemals im alten R4, oder heutzutage Fiesta, über ramponierte
Bundesstraßen bretterte und mit Maximum-Volume “Highway
Star“ aus defekten Boxen mitkreischte, dabei das Gaspedal
bestialisch folternd … na gut, auch wer das nicht erlebte,
ist natürlich trotzdem fähig, die omnipräsente Power
dieser ironischen Raser-Hymne zu erfassen. “Maybe I`m A Leo”
ist das einzige Lied der Scheibe, das ich “nur“ gut
finde, “Pictures of Home” und “Never Before”
sind weitere grandiose Beispiele für die Fähigkeit der
Band, sich immer wieder neu zu erfinden. Ihre geradlinigen Songstrukturen,
erweitert um die kreative Verspieltheit der einzelnen Instrumente
und die immense musikalische Kommunikationsfreude machte “Deep
Purple“ zur herausragenden Band, die wirklich zusammen
spielte.
“Smoke
On The Water“ ist vermutlich der bekannteste Hardrock-Song,
und obwohl ich ihn schon bis zur Vergasung hörte, steht er
auf meiner Besten-Liste nach wie vor ganz oben. Inzwischen überspringe
ich ihn meist - aus Achtung, um ein Überhören zu vermeiden.
Denn mein Respekt gilt nach wie vor dem eingebildeten, hochnäsig
genialen Gitarristen Ritchie Blackmore, der mit nur diesen vier
Tönen bereits Eingang in die Hall of Fame gefunden hätte.
Übrigens überlegte sich die Gruppe lange, “Smoke
On The Water“ einen anderen Titel zu geben, um sich gegen
die Hippie-Assoziation von Rauch und Rausch abzugrenzen (Arbeitstitel
war “Durh Durh Durh“).
Schließlich “Lazy“, eine nervöse Sinfonie (nebst Gesang) aus Kraft und Trägheit, in die sich beständige Lebenslust schleicht, gefolgt vom Beginn an rhythmischen “Space Truckin`“, einer flockig rockigen Weise über den Spaß beim Planeten-Hopping. Echt - ohne solche Musik könnte ich nicht existieren! Auf heutigen CDs findet sich abschließend “When A Blind Man Cries“, zur damaligen Zeit nur als Single-B-Seite erhältlich und ein selten zartes Pflänzchen im Werk der Meisterrocker.
Gute
Musiker und fähige Songwriter finden sich in vielen Gruppen,
ohne dass der Funke viel zum Leuchten brächte. Wenn die Chemie
jedoch stimmt, und das setzt Spannungen fast schon voraus, kann
das Gemisch explosive Blüten treiben und die Musiker in Sphären
tragen, die jenseits von Wollen und Können liegen. Wie sehr
die Briten über lange Jahre diese schwierige Mischung im richtigen
Verhältnis hielten, ist mehr als nur erstaunlich und macht
sie zur einflussreichsten Rockgruppe nicht nur der Siebziger. Die
Spielfreude der herausragenden Musiker mündete bisweilen in
legendär hemmungslose Duelle, vor allem zwischen Blackmore
und dem Sänger Ian Gillan, bei der immer das Publikum gewann.
Dokumentiert sind solch musikalischen Exzesse im besten Live-Rock-Album
aller Zeiten, “Made in Japan“, dessen Großteil
mit Material von “Machine Head“ bestritten wurde. Als
der Sängergott Gillan, nur noch mit Orpheus selbst zu vergleichen,
darauf angesprochen wurde, was ihn ohne Ausbildung zu solchen Weihen
befähige, meinte er, dass er keine Ahnung habe, aber vielleicht
läge es an seinen geilen Schlaghosen.
Rainer
Schneider
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