Am 16. November 2001
trat Wolf Biermann im Berliner Ensemble auf und feierte dort quasi sein
silbernes Ausbürgerungsjubiläum. 25 Jahre zuvor durfte er am 13.11.1976 nach
einem Auftritt in Köln nicht mehr in die DDR zurückkehren. Er hatte sich dort
zwar ausgiebig über die Schwächen des Arbeiter- und Bauernstaates lustig
gemacht, diesen aber zugleich auch verteidigt und sogar gefordert: "Die BRD
braucht eine KP (Kommunistische Partei)". In DDR-Künstlerkreisen sorgte
diese Ausbürgerungsaktion für arge Verstimmung und führte schließlich dazu,
dass etwa Manfred Krug, Jurek Becker und Armin Müller-Stahl ihrer Heimat den
Rücken kehrten.
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Biermann
bringt nun im ersten Teil seines Jubiläumskonzerts jene Lieder,
die in der DDR entstanden. In der "Stasi-Ballade" beschreibt
er z. B. wie ihn die ständige Überwachung durch den DDR-Staatssicherheitsdienst
davon abhielt, seinem "sexuellen Freistil" nachzugehen
und die dadurch "aufgesparte Glut kommt seinem Werk zugut".
Der zweiten Teil des Konzerts besteht aus den Liedern, die nach
seiner Ausbürgerung entstanden.
Wer nun glaubt, diese nicht mehr ganz aktuellen Agitations-Lieder
hätten ihre Funktion erfüllt und Rost angesetzt, sollte sich einmal
die "Ballade von den verdorbenen Greisen" anhören. Wenn
Biermann zu seiner nervösen Gitarrenbegleitung davon singt, dass
die Ex-DDR-Oberen nicht ins Verderben gestoßen werden sollen, denn
sie sind schon verdorben genug ("Nicht Rache, nein Rente"),
dann hat das auch heute noch eine ungeheure Power. Und verdammt
nochmal, wenn jeder Schlagerfuzzi andauernd ungestraft seine alten
Gassenhauer schmettern darf, dann hat Wolf Biermann schon dreimal
das Recht dazu!
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