Mit dem
Doppelalbum Geräusch 3 Jahre nach "Runter
mit den Spendierhosen, Unsichtbarer" endlich mal wieder was
wirklich Neues von "Die Ärzte" erschienen. Da sind die Erwartungen
natürlich hoch. Beim Öffnen der CD wird man erst einmal für seinen
guten Geschmack belohnt, den man mit dem Kauf dieses Tonträgers bewiesen
hat, und erhält einen streng geheimen Zugangscode mit dem man sich
auf der offiziellen Ärzte-Homepage (www.bademeister.com) im Bereich
"Rockbar" anmelden und exklusives Bonusmaterial downloaden
kann. Wenn man dann die beiden, wie zwei kleine Mini-Vinyl-Schallplatten
aufgemachten Scheiben aus den Hüllen holt, weiß man, dass man nicht
viel falsch gemacht hat.
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Beim
ersten Hören kann man in dem Rockbrei keinerlei Highlights ausmachen
aber das kennt man ja schon von den vorherigen "Die Ärzte"-Alben.
Nach mehrmaligem Abspielen kristallisieren sich dann doch immer
ziemlich schnell eine ganze Reihe von Hits heraus, die man auch
so schnell nicht mehr aus dem Kopf bekommt. So ist auch diesmal.
Schon bald kann ich das mit Sinti-Musik-Versatzstücken spielende
Lied "Schneller leben", in dem aufgefordert wird doch
am besten schon vor der Pubertät zu sterben, gar nicht mehr oft
genug hören.
Auch "Jag älskar svercige!", eine gelungene Anti-Homage
an Schweden geht schnell ins Ohr und will dort auch nicht wieder
raus. Überhaupt ist auf Farin Urlaub Verlass. Fast alle Höhepunkte
der Scheiben stammen aus seiner Feder. Aber auch Bela B. sorgt mit
"Ruhig angehn" und dem zwar von Urlaub geschriebenen aber
von ihm gesungen "Als ich dem Punk erfand" für erstklassige
Unterhaltung. Ich sehe jedes Mal den blitzdurchzuckten Nachthimmel
vor mir, wenn er mit bebender Stimme den Jazz auffordert zu leben.
Nervig und platt ist leider so ziemlich alles was Rod Gonzales beigesteuert.
Er mag ja ein guter Gittareiro sein, aber auf seine Textbeiträge
kann die Welt nun wirklich gut verzichten. Das scheint sogar Kollege
Farin U. gedacht zu haben, denn er schiebt hinter Rods unsäglichen
"Anti-Zombie"-Song, quasi als Wiedergutmachung das Stück
"Pro-Zombie" hinterher, in dem er uns von einem gutaussehenden,
aufrechtgehenden Untoten erzählt, der sein Glück im Filmgeschäft
versuchen will.
"Geräusch" ist zwar nicht das "Weiße Album"
von "Die Ärzte", wie es in Anlehnung an die Beatles schon
mal genannt wurde aber wer die Hälfte der 26 Stücken ausblendet,
hat doch wieder sehr viel Spaß mit der besten Band der Welt.
Alfred Neuwald
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