Filmbiografie
geht auch ganz anders als z. B. in Uwe Bolls “Max
Schmeling“ oder Olivier Dahans “La
Vie en Rose“. Der bereits als Comickünstler voll ausgelastete
Joann Sfar (u. a. “Donjon“,
“Die Katze des
Rabbiners“, “Desmodus
der Vampir“) beschränkt sich in seinem ersten Kinofilm
nicht darauf ein Ensemble von Darstellern, die ihren realen Vorbildern
halbwegs ähnlich sehen, zusammenzutrommeln und dann markante Situationen
aus dem Leben eines Promis nachzustellen.
Sfar,
der es immer noch bedauert, dass er erst nach Paris kam als sein
Idol Serge Gainsbourg bereits tot war, hat mit Eric Elmosnino
zwar einen vielseitig talentierten Hauptdarsteller mit (ganz wichtig!)
einer markanten Nase. Doch in der ersten Hälfte des Filmes arbeitet
Sfar hauptsächlich mit allerlei Verfremdungseffekten. Während
er von Gainsbourgs Jugend als Jude im von deutschen Truppen besetzten
Paris erzählt, setzt er Zeichentrick und Puppenspiel ein. Doch
je weiter der halbwegs chronologisch erzählte Film auf seiner
Zeitachse voranschreitet, desto stärker fährt Sfar den Mummenschanz
zurück. Er schafft immer mehr Raum für seine Darsteller (darunter
Laetitia Casta als verblüffend ähnliches Brigitte-Bardot-Double)
aber auch für mitreißend in Szene gesetzte Musiknummern wie “Comic
Strip“ oder einer Reggae-Version der Marseillaise.
Sfar wollte keineswegs herausfinden wie Serge Gainsbourg
tatsächlich war: “Die Wahrheit könnte mir gar nicht gleichgültiger
sein. Ich liebe Gainsbourg viel zu sehr, um ihn ins Reich der
Realität zurückzuholen.“ Der nicht so sehr mit Serge Gainsbourg
vertraute Zuschauer, hauptsächlich dürfte er durch seinen wild
entfesselten Erotik-Song “Je t'aime ... moi non plus“
(den er zunächst mit Brigitte Bardot und danach mit Jane Birkin
aufnahm) bekannt sein, erlebt einen einzigartigen Crashkurs zum
französischen Popidol und Multitalent. Geboten wird ein Reigen
unglaublicher Bilder und Situationen, die überraschenderweise
meistens gar nicht so weit vom “Reich der Realität“ entfernt
sind.