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Der
Film:
Wer sich vom bundesdeutschen Skandalfilm “Oswalt Kolle - Das
Wunder der Liebe“ feuchtfröhliches Schulmädchen-Entertainment
oder gar einen Hauch vom 68er-Freigeist seines Entstehungsjahres
erhofft, wird überrascht sein. Der im Vorspann erklingende ziemlich
gewöhnungsbedürftige Jazz-Soundtrack von Johannes Rediske dürfte
noch das Gewagteste an diesem vom Edgar-Wallace-Regisseur
Franz Josef Gottlieb (“Auf der Alm, da gibt's koa Sünd'“)
inszenierten Film sein.
Es dauert eine ganze Weile bis es wirklich “was zu sehen“ gibt. Die
ersten zehn Minuten sagt Oswald Kolle erschreckend holperig Zitate
aus seinen Büchern und “Neue Revue“-Artikeln auf
oder interviewt zwei verknöcherte Sexualforscher. Diese sagen
lustige Sachen wie: “Es kommt nicht nur darauf an, dass man
eine Geige hat, sondern wie man darauf spielt“ oder (besonders
schön): “Sexualität dient dem Spannungsausgleich
und ist damit psychohygienisch sogar notwendig.“
Erst nach diesem zähen Auftakt folgen gar nicht einmal so plump
in Szene gesetzte Spielszenen, die anfangs Vorurteile wie “Onanie
macht dumm“ oder “Das macht ein Junge nicht!“ entkräften
sollen und anschließend jungen Paaren sexuelle Knigge-Tipps
geben. “Das Wunder der Liebe: Teil 1“ sahen seinerzeit
über 6 Millionen Kinobesucher und eröffnet die DVD-Reihe
“Das sexuelle Universum des Oswald Kolle“. Hier verwundert
nicht nur was für - aus heutiger Sicht - harmlose Szenen
damals für Skandale sorgten, sondern wie viel Aufklärungsbedarf
anscheinend tatsächlich bestand.
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