Die Kunst des waffenlosen Kriegs

 

 

Filmtitel:

Der bayerische Rebell

Originaltitel:

-

Land, Jahr:

D 2004

Regie:

Andi Stiglmayr

Buch:

Andi Stiglmayr

Produzent:

Filmförderung Baden-Württemberg

Musik:

Hans Söllner

Darsteller:

Hans Söllner

Website:

www.trikont.de      



Der Film:
Hans Söllner ("Owei-I") hören, wenn er singt, ist eine Sache. Ihn zu sehen und einfach reden zu hören, ist eine andere. Man wirft Hans Söllner vor, seine Auftritte seien skandalös und beleidigend. Man hat ihn als einzigen Deutschen zu einer aberwitzig hohen Geldstrafe (75.000 DM) wegen Beleidigung verurteilt. Man spielt seine Musik nicht im Radio. Trotzdem gibt der Mann nicht auf.

 

    

 


Wenn man Andi Stiglmayers Dokumentarfilm aus dem Jahr 2003 ansieht und dem Söllner Hans zuhört, ihm die Gelegenheit gibt, sich zu den Vorwürfen gegen ihn zu stellen, dann kann man - ob nun im Guten oder im Bösen - nicht anders, als ihm Respekt zu zollen. Denn egal, ob man nun auf seiner Seite steht oder nicht, einen Mann, der weiß, was er tut, und worauf er sich einlässt, muss man ernstnehmen.


Hans Söllner der Mensch macht einen weit weniger aggressiven Eindruck als Hans Söllner der Musiker. Was klar ist, wenn man das Wesen der WAHREN bayrischen Volksmusik kennt, und begreift, dass sie ein scharfes Messer ist, das uns den Schleier vor unseren Augen zerschneiden soll. Dass es hier nicht ums "Querulieren" geht, sondern um den - manchmal möchte man meinen verzweifelten - Versuch, andere sehen zu lassen, ihre verhärteten Standpunkte für einen Moment verlassen zu machen, mag mancher nicht begreifen - bis er den Film gesehen hat.


Andi Stiglmayer begleitet Hans Söllner durch sein Leben und seine Arbeit, interviewt Freunde, Fremde und natürlich den Künstler selbst, bis zu dem Tag, an dem sich Hans Söllner selbst bei der Polizei wegen Drogenbesitzes anzeigte. Man sollte meinen, die Tage, in denen man sich selbst ans Kreuz schlagen lassen musste, um seine Botschaft in die Welt hinauszutragen, seien seit etwa zwei Jahrtausenden vorbei. Hans Söllners Weg ist ein einsamer, der Weg eines Kriegers. Wenn man mit ansieht, wie er die Zeugen bei seiner Selbstanzeige davon abhält, es ihm gleichzutun, begreift man, dass es dem Mann nicht darum geht, einfach nur Ärger zu machen. Ganz im Gegenteil. "Der bayerische Rebell" ist ein lebendiges Zeugnis eines Mannes, der seinen Weg geht, einfach, weil dieser Weg nun einmal vor ihm liegt. Unbeeindruckt von Hindernissen, und ohne andere mit auf seinen Weg ziehen zu wollen. Ein ergreifender Film um eine Persönlichkeit, vor der ich persönlich den größten Respekt hege.

Samar Ertsey



Die DVD:

Anbieter:

Trikont

Länge:

94 min

Format:

Vollbild

Sprachen und Ton:

Deutsch (Dolby 2.0)

Untertitel:

-

Ländercode:

0

Extras:

  • Kino-Trailer
  • 16 Minuten zusätzliche Szenen


Mankos:

Ein paar mehr Extras, z.B. ein paar Lieder als Zugabe, oder ein kurzes Update darüber, was aus der Selbstanzeige wurde, in den eineinhalb Jahren seit Drehschluss, wären schön. Nicht unbedingt nötig, aber schön. Die 16 Minuten zusätzliche Interviews sind nett, aber nicht weltbewegend anders als der Film.

Fazit:
Eine DVD, die im besten bayrischen Sinn "g'radaus" ist. Eine klare Aussage, schnörkellos, ehrlich und unterhaltsam zum Besten gegeben. Wem dem Söllner Hans seine Sache wichtig ist, den stört nicht, dass die DVD hinter den technischen Möglichkeiten zurückbleibt.

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