Als im
August 1999 J. Michael Stracynski mit "Rising Stars" in
der Comicbranche wie eine Bombe einschlug, wurde ziemlich vernachlässigt,
dass er bereits vor (und auch noch während) seiner erfolgreichen Zeit
als Produzent und Autor der SF-Serie "Babylon
5" Comics getextet hatte. Neben den Geschichten für DCs "Teen
Titans" schrieb er sogar einen "Star Trek"-Comic, bevor
er schließlich TV-Autor wurde. Hier startete er zunächst bei den Trickfilmserien
"He-Man" und
"Real Ghostbusters". Weiter ging es mit der Neuauflage der
"Twighlight Zone" und der unterschätzten Serie "Captain
Power and the Soldier of the Future". Mit vielen Mitarbeitern
dieser apocalyptischen Action-Show produzierte Stracynski fünf Jahre
später auch "Babylon 5". Diese Serie überzeugte vor allem
dadurch, dass nicht nur spannende Einzelepisoden erzählt wurden, sondern
diese auch noch eine gewaltige epische Geschichte bildeten, die nach
fünf Jahren ihr Ende finden sollte. Die Zuschauerbeteiligung bei "Babylon
5" war zwar solide aber nicht sensationell. Daher gab es Jahr
für Jahr eine Zitterpartie ob die Serie nun fort- oder abgesetzt werden
sollte. Im vierten Jahr brachte Stracynski daher seine Geschichte
um galaktische Machtkämpfe etwas hastig zu Ende. Als "Babylon
5" dann doch noch fortgesetzt wurde, folgen nur noch auf der
Stelle tretende Einzelgeschichten (einmal sogar vom Comicautor Neil
Gaiman). Auch mit der Folgeserie "Crusade" hatte Stracynski
keinen rechten Erfolg und lag immer wieder im Clinch mit den TV-Verantwortlichen.
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Wieviel
idyllischer ging es dagegen in der Comicwelt zu. Als Stracynski ein
Konzept für eine abgeschlossene Miniserie um Superhelden entwickelte,
wurde er recht schnell mit "Top Cow" einig. Bei diesem Verlag,
dessen Comics wie "Witchblade"
oder "Fathom" ganz gewiss nicht
wegen der tollen Stories gelesen wurden, wusste man um die Zugkraft
Stracynski und garantierte ihm völlige Freiheit. Darunter verstand
dieser nicht mehr (aber auch nicht weniger!) als dass seine Texte
unantastbar blieben und auch genauso in die Sprechblasen gepackt wurden,
wie er sie zu Papier brachte. Stracynski genoss ganz offensichtlich
die angenehme Zusammenarbeit mit "Top Cow" und fragte daher
dort auch ganz brav um Erlaubnis als ihm dann später ein Job als Texter
für "Spider-Man"
angeboten wurde, aber dass ist eine andere Geschichte...
Wie bereits erwähnt schlug im
Sommer 1999 J. Michael Straczynskis Serie "Rising Stars"
genauso heftig ein, wie gleich im ersten Heft ein mysteriöse Komet
mitten in die Kleinstadt Pederson, Illinois. Hierdurch wurden 113
Kinder, die sich zum Zeitpunkt des Aufpralls noch im Uterus ihrer
Mütter befinden, mit den unterschiedlichsten Superkräften ausgestattet.
Gleich im ersten Heft ist zu erfahren, dass nur eine Person dieser
sogenannten Specials die folgende Serie überleben wird: John Simmons
alias Poet. Straczynskis hat "Rising Stars" genau wie "Babylon
5" nicht als Endlosserie angelegt, sondern nach 24 Heften ist
alles vorbei. Der erste Zyklus zeigt Straczynskis als souveränen Erzähler,
der sich sogar neue Tricks für das Medium Comic ausdenkt. Gerade der
Auftakt beschert den Lesern etliche tolle Episoden, die auch ohne
Kenntnis des Gesamtzusammenhangs genossen werden können. Unterstützt
wird Straczynski dabei von Keu Cha, dem amtierenden "Witchblade"-Zeichner.
Dieser verließ die Serie leider bereits nach drei Heften und wurde
(zunächst) durch Christian Zanier ersetzt.
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Das
neunte "Rising Stars"-Heft läutete ein Jahr nach
dem Start der Serie nicht nur den zweiten leider deutlich wirreren
Zyklus ein. Auf dem Cover war unter dem "Top Cow"-Euter
in der selben Größe auch noch eine Diner-Uhr mit der
Aufschrift "Joe´s Comics" plaziert. Straczynskis
hatte jetzt also sein eigenes Label und somit war klar, dass es
nicht bei einer Serie bleiben konnte. Folglich wurde zeitgleich
Straczynskis "Midnight Nation" gestartet. Diese Serie
ist auf zwölf Ausgaben ausgelegt. Held ist ein gewisser David
Grey, der bei der Mordkommission in Los Angeles arbeitet. Mitten
in den Ermittlungen zu einem extrem mysteriösen Fall kommt
er zu Tode und landet in einer Zwischenwelt. Hier erfährt er
von der ebenfalls verstorbenen Laurel, dass er sich schleunigst
auf die Suche nach seiner Seele machen sollte, weil er sonst unweigerlich
auch zu einem dieser unheimlichen Seelenjäger wird. Bei dieser
ebenfalls sehr lesenswerten Serie fand Straczynski Unterstützung
bei Gary Frank ("Kin"), dessen Zeichnungen Keu Cha in
Sachen Realismus noch übertreffen. Mit Frank arbeitete Straczynski
danach auch bei seiner genialen Marvel-Serie "Supreme
Power" zusammen.
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