Fernab der manchmal
etwas ausgetretenen Pfaden der Comicszene arbeitet Jimmy Stepanoff schon seit
nahezu 20 Jahren an einer visuellen Umsetzung des Mythos um die Nibelungen. Als
er 1984 Entwurfszeichnungen für Wolfgang Petersens Verfilmung von Michael Endes
"Die unendliche Geschichte" landete er in einer "Landschaft des
fantastischen Genres" und empfand diese Herausforderung als erfrischend und
beschäftigte sich parallel mit der Nibelungensage.
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Weitere
Inspiration fand er als er Arbeiter beim Fällen eines uralten Baumes
auf dem Bavaria Filmgelände zusah: "Der Baum war weder krank
noch morsch noch sonst drohte er umzufallen, als dass er Menschen
hätte gefährden können. Der Baum stand einfach da - dem Menschen
dort im Wege, wo dieser sein neues Haus und einen Parkplatz bauen
wollte." War es nicht ähnlich mit Siegfried und dem Drachen:
"Der Drachen stand da. Standhaft , naturgemäß ... Es hätte
gewiss Wege gegeben, ein Umkehren ohne Zwist zu erreichen. Doch
Siegfried tötet den Drachen...! Der Mensch bezwingt die Natur, bevor
er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen."
So entstand eine sehr eigene
Sicht der alten deutschen Volkssage, die nur zu circa 5 % auf den
Inhalt des Nibelungenliedes zurückgreift und vom Verlag "Artenvielfalt"
als "szenografisch-künstlerische Neubearbeitung" bezeichnet
wird. Stepanoff, der ganz kurz bei Rolf Kauka als Zeichner beschäftigt
war, hat nichts dagegen, wenn sein Werk als Comic bezeichnet wird.
Er kennt die Klassiker des Genres und fühlt sich inspiriert bei
seinen Gemälden von Frank Frazetta und bei seinen Zeichnungen von
Alex Raymonds "Flash Gordon" und von Hal Fosters "Prinz
Eisenherz"(er war übrigens als "Eisenherz"-Nachfolgezeichner
für Cullen-Murphy im Gespräch).
Die nun erschienen ersten zwei Nibelungen-Alben dienen auch zugleich
als Ausstellungskatalog, denn mit Stationen in Xanten, Worms, Pasau,
Pöchlarn, Wien und in Ungarn wird bis Ende 2003 eine Ausstellungsreise
auf den historischen Spuren des Nibelungenliedes durchgeführt. Die
beiden Alben sind sehr unterschiedlich gestaltet. Der erste Band
"Das geheime Königreich 1" besticht vor allem durch das
sich ergänzende Miteinander von gelungen ausgeführten schwarzweißen
Comicseiten und stimmungsvollen Gemälden und findet auch dadurch
tatsächlich eine komplett eigene Sicht des Mythos. "Das geheime
Königreich 2" hingegen überzeugt im "Comicteil" noch
mehr durch die deutlich größere Reproduktion der Einzelzeichnungen.
Allerdings fehlt diesmal gänzlich die Einbindung der zugehörigen
Gemälde, die nun komplett im hinteren Teil des Bandes untergebracht
sind. Es bleibt spannend, wie sich diese faszinierende Serie weiter
entwickelt, denn bis jetzt ist nach zwei Alben gerade mal der Drachen
tot.
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