"Als
Gregor Samsa eines Morgens erwachte, fand er sich in seinem Bett zu
einem Ungeheuren Ungeziefer verwandelt.“ Gleich der erste Satz
gibt die Direktive vor, nach welcher der Text von Die Verwandlung
für diese Umsetzung bearbeitet wurde: Leichte Kürzungen zugunsten
der Bildsprache des Comics. Davon abgesehen blieb Szenarist Eric Corbeyran
möglichst nah an Kafkas Original. Hier und da wurde noch der Wortschatz
leicht modernisiert; allerdings so zurückhaltend, dass die Änderungen
ebenso gewollt, wie der Rückübersetzung aus dem Französischen geschuldet
sein könnten.
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Gelegenheit,
deshalb das Schlimmste zu befürchten – eine sich vor Respekt verschluckende
Nacherzählung aus zusammengekürzten Sätzen und lau nebenherlaufenden
Bildern –, bekommt man aber gar nicht, weil das Comic für seine
dichte Atmosphäre so gut wie keinen Anlauf braucht. Sobald man auf
der ersten Seite durch die Decke in Gregors Zimmer eingetaucht ist,
befindet man sich im Haus der Familie Samsa und kann die Geschichte
aus ständig marvelesk wechselnden Blickwinkeln verfolgen.
Das von Kafka beschriebene
"Ungeziefer“, Gregor, kommt im Comic als überproportionale
Küchenschabe daher, die von Zeichner Richard Horne detailreich
in Szene gesetzt wird. Durch diese Konkretisierung macht die Erzählung
noch einen kleinen, aber feinen Schritt in Richtung Gruselgeschichte.
Die wunderbar düsteren Zeichnungen passen deshalb auch ganz
besonders gut: Dynamisch, kantig, voller dramatischer Schattenwürfe
und großzügiger Schwarzflächen. Grau- und Brauntöne
sind häufig noch die hellsten Stellen im Bild, matte Farben
geben sich ab und an die Ehre. Der schaurig schöne Höhepunkt
schließlich, als Gregor dem Geigenspiel seiner Schwester lauscht.
Einzige Bedenken bei dieser hervorragenden
Umsetzung: Die zahlreichen Perspektivwechsel und häufig schräg gesetzten
Panels könnten Comicneulinge verwirren, oder zumindest abschrecken.
Vielleicht findet trotzdem der eine oder andere über diese Literaturadaption
zum Medium. Oder umgekehrt, über das Comic zur Literatur. Im Fall
von Die Verwandlung jedenfalls sind beide Richtungen gut und empfehlenswert.
Oskar Rauch
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