Kinderarmut
ist ein Problem der sogenannten Dritten Welt. Und die betroffenen
Entwicklungsländer sind weit weg von Deutschland ... möchte man meinen,
aber die Realität sieht anders aus. In Deutschland gibt es Kinderarmut
in großem Ausmaß und sie nimmt Jahr für Jahr zu. Je nachdem welche
Institution die Zahlen ermittelt, schwanken die Angaben, doch im Durchschnitt
leidet in Deutschland jedes fünfte Kind materielle Not. Viele schauen
weg und wollen es nicht wahrhaben. Kann man den Kindern und ihren
Eltern helfen, in dem man den Kopf in den Stand steckt?
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Wenn
die jetzigen Entscheidungsträger in Gesellschaft, Politik und
Wirtschaft das Problem Kinderarmut nicht lösen können
oder wollen, dann vielleicht ihre Nachfolger, die jetzt noch die
Schulbank drücken.
“Kinder sind die Zukunft unseres Landes, Kinder sind die Zukunft
unserer Erde“, so heißt es. Damit diese Zukunft sich
positiv entwickelt, brauchen Kinder Bildung. Bildung ist eine Schlüsselkompetenz
für eine nachhaltige Entwicklung - eine Entwicklung auf lokaler,
nationaler wie auch globaler Ebene. Was sollten Kinder lernen? Hier
geht es nicht nur um die klassischen Lernfächer wie Sprachen
und Naturwissenschaften. Auch Toleranz, Kompromiss- und Friedensfähigkeit,
Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt, Ehrfurcht vor
allem Lebendigen, Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft, Gerechtigkeitssinn
und die Fähigkeit zu solidarischem Handeln sollten neben anderen
sozialen Kompetenzen zu den Lernzielen gehören.
Für den Einsatz als Lernmittel
an Schulen in Peru zeichnete der Comic-Künstler Juan Acevedo
im Auftrag der internationalen Hilfsorganisation "Save
the Children“ den Comic "Los Ninos primero“ (Die Kinder
zuerst). Die Bildergeschichte dient als pädagogisches
Material, mit dem Kinder auf unterhaltsame Art jene wichtigen sozialen
Werte und Fähigkeiten lernen und ein Bewusstsein dafür
entwickeln können.
Inhalt: Die Kinder Chutín,
Barbara, Bruna und Julian wollen wissen, warum bei ihnen in Peru
so viele Menschen arm sind und arm bleiben. Der junge Lehrer Miranda
erklärt es ihnen: Arme Kinder leiden oft an Unterernährung.
Daher ist ihre Lernfähigkeit geschwächt. Dies wirkt sich
negativ auf ihre Ausbildung aus. Die Konsequenz sind schlecht bezahlte
Arbeitsstellen. So aber fehlt es immer noch an Geld für eine
gesunde Ernährung … auch für die Kinder, die sie bekommen.
Der Teufelskreis beginnt von neuem.
Es könnte aber auch anders laufen: Die Bedürftigen bekommen
Unterstützung. Eine gesunde Ernährung und ein gutes familiäres
Umfeld könnten die Lernfähigkeit der Kinder steigern,
zu einer besseren Ausbildung und besser bezahlter Arbeit führen,
wodurch Entwicklungen wie Produktivitätssteigerung, Wirtschaftswachstum,
mehr Steuereinnahmen und damit auch mehr Sozialausgaben zur Unterstützung
von Armen möglich wären.
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So
einfach ist es aber nicht. In Peru wurde das staatliche Kinderhilfsprogramm
"Ein Glas Milch“ ins Leben gerufen. Das Ziel war armen
Kindern ein Frühstück zu garantieren. Doch Korruption und Betrug
sabotieren das Hilfsprojekt. Auch im Bildungssektor gibt es Probleme,
nämlich schlecht ausgebildete und unterbezahlte Lehrer. Als die
Kinder die Zusammenhänge verstehen, ist für sie klar, sie werden
Korruption bekämpfen und sich für die Armen engagieren.
Die
Geschichte entwickelte Juan Aceveo auf Grundlage einer Untersuchung
des Sozialwissenschaftlers Enrique Vásques über Kinder in Peru,
und dank vieler Gespräche mit engagierten Frauen und Männern in
und außerhalb von Sozialorganisationen. Dieser fundierten Recherche
verdankt der Comic den hohen Grad an überzeugender Authentizität.
Ob
es die Beschreibung des Bruttoinlandsprodukt oder der Wechselwirkungen
zwischen ökologischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Prozessen
ist, dem Comic gelingt, woran abstrakte Texte meist scheitern. Was
sich hier kompliziert anhört, wird von Juan Acevedo gekonnt in ansprechende
Bilder übersetzt und in eine kurzweilige Geschichte gekleidet. Schwierige
Sachverhalte werden durch die Beispiele in Bild und Text für jeden
leicht verständlich. So können Kinder ihre Sozial- und ihre Handlungskompetenz
stärken.
Das
die Umsetzung so gut gelungen ist, liegt sicher auch an den Erfahrungen,
die Juan Acevedo als politischer Karikaturist zahlreicher Zeitungen
sowie als Medienpädagoge in der Zusammenarbeit mit sozialschwachen
Kindern und Erwachsenen sammeln konnte.
Dieser
Comic ist jetzt mit dem Titel "Die Kinder zuerst“
auch auf Deutsch zu bekommen, für 5 Euro + Versandkosten über die
Email-Adresse info@nordsuedforum.de.
Der Herausgeber, der Verein Nord Süd Forum München, ist für sein
entwicklungspolitisches und solidarisches Engagement schon mehrfach
ausgezeichnet worden.
Über
das Thema der Kinderarmut in Peru können Kinder an die Kinderarmut
im eigenen Land herangeführt werden. Arme Kinder müssen
sich nicht länger schämen, denn sie erfahren, dass es
leider noch viele weitere Kinder gibt, die Armut erleiden müssen.
Anstelle von "Ein Glas Milch“ in Peru versuchen hierzulande
Hilfsorganisationen wie „Die Tafel“ die Not zu lindern. Arbeitslosigkeit
und Niedriglöhne, Inflation, Gewalt … es ist der gleiche Teufelskreis,
der auch hier zur Kinderarmut führt. Der gemeinsame Ausweg:
gute Bildung für alle…
Ralf Palandt
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