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Schwierige Sachverhalte leicht verständlich gemacht


 
Titel: Die Kinder zuerst
Text: Juan Acevedo
Zeichnungen/Inking/Farben: Juan Acevedo / - / María Elena Sialer
Umfang: 74 Seiten
Format: Softcover, farbig
Preis: EUR 5,-
Verlag: Nord Süd Forum München e.V.
Website: www.nordsuedforum.de 


Kinderarmut ist ein Problem der sogenannten Dritten Welt. Und die betroffenen Entwicklungsländer sind weit weg von Deutschland ... möchte man meinen, aber die Realität sieht anders aus. In Deutschland gibt es Kinderarmut in großem Ausmaß und sie nimmt Jahr für Jahr zu. Je nachdem welche Institution die Zahlen ermittelt, schwanken die Angaben, doch im Durchschnitt leidet in Deutschland jedes fünfte Kind materielle Not. Viele schauen weg und wollen es nicht wahrhaben. Kann man den Kindern und ihren Eltern helfen, in dem man den Kopf in den Stand steckt?
 
    
 

Wenn die jetzigen Entscheidungsträger in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft das Problem Kinderarmut nicht lösen können oder wollen, dann vielleicht ihre Nachfolger, die jetzt noch die Schulbank drücken.
Kinder sind die Zukunft unseres Landes, Kinder sind die Zukunft unserer Erde“, so heißt es. Damit diese Zukunft sich positiv entwickelt, brauchen Kinder Bildung. Bildung ist eine Schlüsselkompetenz für eine nachhaltige Entwicklung - eine Entwicklung auf lokaler, nationaler wie auch globaler Ebene. Was sollten Kinder lernen? Hier geht es nicht nur um die klassischen Lernfächer wie Sprachen und Naturwissenschaften. Auch Toleranz, Kompromiss- und Friedensfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt, Ehrfurcht vor allem Lebendigen, Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft, Gerechtigkeitssinn und die Fähigkeit zu solidarischem Handeln sollten neben anderen sozialen Kompetenzen zu den Lernzielen gehören.

Für den Einsatz als Lernmittel an Schulen in Peru zeichnete der Comic-Künstler Juan Acevedo im Auftrag der internationalen Hilfsorganisation "Save the Children“ den Comic "Los Ninos primero“ (Die Kinder zuerst). Die Bildergeschichte dient als pädagogisches Material, mit dem Kinder auf unterhaltsame Art jene wichtigen sozialen Werte und Fähigkeiten lernen und ein Bewusstsein dafür entwickeln können.

Inhalt: Die Kinder Chutín, Barbara, Bruna und Julian wollen wissen, warum bei ihnen in Peru so viele Menschen arm sind und arm bleiben. Der junge Lehrer Miranda erklärt es ihnen: Arme Kinder leiden oft an Unterernährung. Daher ist ihre Lernfähigkeit geschwächt. Dies wirkt sich negativ auf ihre Ausbildung aus. Die Konsequenz sind schlecht bezahlte Arbeitsstellen. So aber fehlt es immer noch an Geld für eine gesunde Ernährung … auch für die Kinder, die sie bekommen. Der Teufelskreis beginnt von neuem.
Es könnte aber auch anders laufen: Die Bedürftigen bekommen Unterstützung. Eine gesunde Ernährung und ein gutes familiäres Umfeld könnten die Lernfähigkeit der Kinder steigern, zu einer besseren Ausbildung und besser bezahlter Arbeit führen, wodurch Entwicklungen wie Produktivitätssteigerung, Wirtschaftswachstum, mehr Steuereinnahmen und damit auch mehr Sozialausgaben zur Unterstützung von Armen möglich wären
.

 
    
 

So einfach ist es aber nicht. In Peru wurde das staatliche Kinderhilfsprogramm "Ein Glas Milch“ ins Leben gerufen. Das Ziel war armen Kindern ein Frühstück zu garantieren. Doch Korruption und Betrug sabotieren das Hilfsprojekt. Auch im Bildungssektor gibt es Probleme, nämlich schlecht ausgebildete und unterbezahlte Lehrer. Als die Kinder die Zusammenhänge verstehen, ist für sie klar, sie werden Korruption bekämpfen und sich für die Armen engagieren.

Die Geschichte entwickelte Juan Aceveo auf Grundlage einer Untersuchung des Sozialwissenschaftlers Enrique Vásques über Kinder in Peru, und dank vieler Gespräche mit engagierten Frauen und Männern in und außerhalb von Sozialorganisationen. Dieser fundierten Recherche verdankt der Comic den hohen Grad an überzeugender Authentizität.

Ob es die Beschreibung des Bruttoinlandsprodukt oder der Wechselwirkungen zwischen ökologischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Prozessen ist, dem Comic gelingt, woran abstrakte Texte meist scheitern. Was sich hier kompliziert anhört, wird von Juan Acevedo gekonnt in ansprechende Bilder übersetzt und in eine kurzweilige Geschichte gekleidet. Schwierige Sachverhalte werden durch die Beispiele in Bild und Text für jeden leicht verständlich. So können Kinder ihre Sozial- und ihre Handlungskompetenz stärken.

Das die Umsetzung so gut gelungen ist, liegt sicher auch an den Erfahrungen, die Juan Acevedo als politischer Karikaturist zahlreicher Zeitungen sowie als Medienpädagoge in der Zusammenarbeit mit sozialschwachen Kindern und Erwachsenen sammeln konnte.

Dieser Comic ist jetzt mit dem Titel "Die Kinder zuerst“ auch auf Deutsch zu bekommen, für 5 Euro + Versandkosten über die Email-Adresse info@nordsuedforum.de. Der Herausgeber, der Verein Nord Süd Forum München, ist für sein entwicklungspolitisches und solidarisches Engagement schon mehrfach ausgezeichnet worden.

Über das Thema der Kinderarmut in Peru können Kinder an die Kinderarmut im eigenen Land herangeführt werden. Arme Kinder müssen sich nicht länger schämen, denn sie erfahren, dass es leider noch viele weitere Kinder gibt, die Armut erleiden müssen. Anstelle von "Ein Glas Milch“ in Peru versuchen hierzulande Hilfsorganisationen wie „Die Tafel“ die Not zu lindern. Arbeitslosigkeit und Niedriglöhne, Inflation, Gewalt … es ist der gleiche Teufelskreis, der auch hier zur Kinderarmut führt. Der gemeinsame Ausweg: gute Bildung für alle…

Ralf Palandt

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