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Ja, wo bleibt denn das Positive?

Comicologischer Congress 2001


 


Zunächst war etwas Skepsis angebracht, als sich langsam aber sicher anbahnte, dass es in München eine zweite Großveranstaltung zum Thema Comic gibt, die nun und künftig um die selben Fleischtöpfe des Kulturreferates kämpfen würde. Das letztjährige Münchener Comicfest mit seinen immer noch eher notdürftig zusammengeschusterten Ausstellungen war zwar keine Offenbarung. Doch dank des guten Wetters und der durchgehend die Praterinsel belebenden Comicbörse wurden es doch vier sehr erfreuliche Tage, die deutlich lebendiger gerieten als dies zuvor im sterilen Veranstaltungszentrum Gasteig der Fall war. Daher gehört diese zarte Pflänzchen begossen, auf das es noch wilder wuchere.
 
    
 

Mit guten Wetter war nun beim vierwöchigen Comicologischen Congress im März und April natürlich weniger zu rechnen und wer eine Comicbörse wollte, der sollte doch einfach die Pasinger Fabrik verlassen und sich quer durch die Stadt in den Kunstpark Ost begeben, wo Mitveranstalter Stefan Riedl gleichzeitig seine Comic- Film- und Actionfigurenbörse abhielt. Auch die Themen des Congresses versprachen nicht gerade eine sonderlich sonnige Veranstaltung, denn die Ausstellungen und Vorträge drehten sich unter dem Motto "Ab 18!" um Zensur und zum Ausgleich ging es auch noch um "Holocaust im Comic".

Sicherlich wichtige Themen, die aufbereitet gehören, aber schon Erich Kästner wurde angesichts seiner etwas pessimistischeren Arbeiten oft gefragt, wo denn das Positive bleibe. Er antwortete stets mit der Gegenfrage: "Ja, wo bleibt es denn?" Ähnlich verhielt es sich mit den Ausstellungen des Congress. Die leider durchaus aktuellen Themen hatten zwar meist einen negativen und düsteren Touch, aber die Aufbereitung war positiv und anregend. So gab es immer wieder Dinge zu entdecken, die auch Comic-Insidern in dieser Form noch nicht geläufig waren. Dies galt jedoch leider nur sehr eingeschränkt für die Hauptausstellung "Ab 18 - zensiert, diskutiert, unterschlagen", die von den Veranstaltern eingekauft wurde und hauptsächlich aus unkommentierten Exponaten bestand.

Eine sehr viel bessere Annäherung an ein schwieriges Thema bot die Ausstellung "Holocaust im Comic - Die Abbildung unvorstellbarer Zeitgeschichte". Hier zeigte Ralf Palandt nicht nur Comics, die in Konzentrationslagern spielen, sondern er wies auch auf faschistoide Tendenzen in amerikanischen Trivialcomics der dreißiger Jahre (wie etwa "Flash Gordon", wo die Gegner des blonden Helden oft an die Judenkarikaturen der Nazi-Propaganda erinnerten) hin. Ebenfalls recht aussagekräftiger war die eher unauffällig präsentierte Ausstellung "Carl Barks - Zensur in Entenhausen", die aufzeigte, dass auch die Geschichten des Duckmans immer wieder bearbeitet wurden. So verschwand etwa bei der deutschen Veröffentlichung ein Exemplar von "Mein Kampf", das Tick, Trick und Track auf dem Entenhausener Müllplatz vorfanden.

Einen sehr erfreulichen Eindruck hinterließ die Präsentation des Comicgastlandes Schweiz, die hauptsächlich von den Machern des Magazins "Strapazin" bestritten wurde. Leider musste die sehr phantasievoll in der Form der Schweizer Flagge gestaltete Werkschau schon am zweiten Wochenende des Comicologischen Congresses wieder abgebaut werden, da die Räumlichkeiten für andere Zwecke benötigt wurden.

Auch die Vorträge kreisten um das Thema "Zensur" und da war ein Besuch von Achim Schnurrer natürlich recht passend. Dieser wollte eigentlich in erster Linie vom Schicksal seines Verlages erzählen. Er musste dann aber auf Wunsch der (am dritten Congresswochenende leider schon recht kleinen) Zuhörerschah, doch noch einige eher willkürlich zusammengestellte Dias über die Geschichte der zensierten Bildergeschichte erläutern. Zum Abschluss war dann noch zu erfahren, dass der Alpha Verlag sich künftig endlich wieder seinen verlegerischen Aufgaben zuwenden kann. Das unselige Gerichtsverfahren, dass sich letztendlich nur noch um ein von Alpha zwar nicht produziertes aber über deren Versand "Packwahn" vertriebenes Comic mit pornographischen Inhalt drehte, wurde gegen eine von Schnurrer und seinen beiden Partner zu entrichtende Geldbusse von 15.000,- DM eingestellt.

Zum Abschluss, bevor Jimmy Draht noch Hausmusik "irgendwo zwischen Breakbeats und Electro" präsentierte (das hab´ ich nur zwei Minuten durchgehalten, aber auch etliche deutlich jüngere Besucher verließen zu meiner Beruhigung erstaunlich schnell den Saal), gab es noch eine Podiumsdiskussion zum Thema "Quo vadis Münchener Comic-Kultur", die auch live im Radio zu hören war. Hier wurden die Vertreter des Münchener Comicfest und des Kulturreferats teilweise recht heftig angegriffen. Nicht zu unrecht wurde die mangelhafte Qualität der Ausstellungen des Comicfestes (vor allem im direkten Vergleich zum Comicologischen Congress) angeprangert. Ebenfalls recht umstritten war auch die Praxis des Comicfestes sich trotz der deutlich aufgestockten Fördermittel von der Münchener Zeichnerszene auch in diesem Jahr wieder für lau zusammenstellen zu lassen, auf das der "Wurzelkeller" voll werde.

Allem in allem wäre es erfreulich, wenn es in zwei Jahren wieder einen "Comicologischen Congress" geben würde. Noch schöner wäre es natürlich, wenn anstatt eines recht gut besuchten Comicfestes mit "Wischiwaschi"-Präsentationen in Konkurrenz zu einem deutlich schwächer frequentierten "Comicologischen Congress" mit sehr viel anspruchsvolleren Inhalten ein jährliches Event stattfände (der Name "Comicstadt München" tauchte immer wieder auf), in der die Vorteile beider Veranstaltungen vereint wären, also düstere Themen bei schönem Wetter oder so ähnlich.


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