Eigentlich
müsste der regierende Vampir von Berlinoir die Menschen hassen, zumal
diese auch noch dafür verantwortlich sind, dass sein Gesicht bei einem
Attentat grausam entstellt wurde. Doch Madocles ist nachsichtig: “Sie
sind alle so entsetzlich sterblich. Gönnt ihnen ihre kurze kindische
Zeit.“ Die ihm unterstellte Generalin Radra sieht dies keinesfalls
so und beschließt die Herrschaft über Südberlinoir zu übernehmen.
Fortan unterteilt eine Mauer die Stadt in einen kulturell-schillernden
Norden und einen industriell-grauen Süden.
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Nachdem
er in “Mord“, dem zweiten Teil von “Berlinoir“, eine vampirische
Hommage an Fritz Langs Film “M – eine Stadt sucht einen Mörder“
erzählte, hat sich Tobias O. Meissner im Abschlussband “Narbenstadt“
unverkennbar von der jüngeren Geschichte inspirieren lassen.
Doch zum Glück ist die Geschichte nicht nur eine politische
Parabel, sondern bietet neben allerlei Anspielungen auf Klassiker
des deutschen Filmexpressionismus auch noch – quasi als Blade meets
Nosferatu - eine äußerst solide konstruierte Schauermär
mit einen Helden, der selbst zum Vampir werden muss, um seine scheinbar
übermächtigen Gegner zu bezwingen.
Doch das alles wäre wahrscheinlich
kaum der Rede wert, wenn nicht Zeichnungen und Farben von Reinhard
Kleist (“Cash“) stammen würden. Dieser suchte
im ersten “Berlinoir“-Band “Scherbenmund“ noch einen passenden Zeichenstil,
fand diesen spätestens in der Mitte von Band 2 “Mord“ und inszeniert
in “Narbenstadt“ sehr souverän ein höllisches Finale, das eine Rückkehr
nach Berlinoir ebenso unmöglich wie wünschenswert erscheinen lässt.
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