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Das vollständige Kompendium des fragwürdigen Wissens


 
Autor: Ulrich Dopatka
Titel: Die große Erich von Däniken Enzyklopädie
Originaltitel: -
Umfang: 462 Seiten
Format: Hardcover
Preis: EUR 26,-
Verlag: Zytglogge
ISBN: 3729606743
Website: www.zytglogge.ch/  


Was kommt heraus, wenn man einen diplomierten Bibliothekar in den Verwaltungsrat des Erlebnisparks "Mystery Park" in der Schweiz setzt? Genau, ein vorbildlich gestaltetes Lexikon aller Kopfgeburten, die Erich von Däniken, Begründer des Parks, jemals zu Papier gebracht hat. Die "grosse Erich von Däniken Enzyklopädie" bietet aber noch mehr. Es ist eine wahrhaft umfängliche und reichhaltige Übersicht über jeden Menschen, der auch nur am Rande dafür bekannt war/ist, daran zu glauben, dass in der Frühzeit der Erde bzw. der Menschheit außerirdische Astronauten auf der Erde gelandet sind (Paläo-SETI-Theorien, Prä-Astronautik).
 
    
 

Ach, Teufel auch, warum so bescheiden! Fast jeder, der jemals ein Wort über Leben auf anderen Planeten verfasst hat, ist in diesem Handbuch des nutzlosen Wissens vertreten. Selbst Cyrano de Bergerac, der Dichter und Musketier mit der langen Nase wird in Dopatkas Werk als Quelle benannt. Vertrat er doch die Überzeugung, man würde eines Tages zu den Sternen reisen! Das beweist natürlich unumstößlich, dass die sogenannten "Götter" in Wirklichkeit Astronauten waren! Denn darum geht es der Paläo-SETI-Forschung (SETI= Search for ExtraTerrestrial Intelligence), und "Die Däniken-Enzyklopädie" versteht sich als wichtiger Beitrag.

Ich muss zugeben, das Buch beeindruckt in Aufbau und Klarheit der Organisation. Es ist ein wahrhaft vollständig zu nennendes Lexikon. Klassisch, bis hin zur Zusammenlegung von I und J, da beide im Lateinischen identisch sind und abgesehen von einigen Rechtschreibfehlern, bei denen das Lektorat wohl geschlafen hat. Vor allem bei Zehnerpotenzen wirkt sich dies lachhaft sinnentstellend aus. So behauptet man z.B. hier, der Radius unserer Galaxis betrüge 105 Lichtjahre. Es sind aber 105 oder 100000 Lichtjahre.

Däniken-gläubige Freunde von mir versicherten mir darüber hinaus, die Theorien seien falsch wiedergegeben. Ich kann das nicht glauben. Der Unsinn, der sich hier über 464 Seiten vor mir ergießt, klingt für mich nur zu vertraut. Nicht, dass ich die Möglichkeit frühzeitlicher Astronauten ausschließe. Aber von von Däniken habe ich nie den Hauch eines Beweises gehört.

Entsprechend argumentieren die meisten Artikel des Buches so, dass bestimmte archäologische Funde oder Literaturfundstücke herbeizitiert werden, die man durchaus mit außerirdischen Besuchern erklären könnte. Ebenso aber auch ohne sie. Womit in dem Buch fast nichts steht, das irgendwie aussagekräftig wäre, und daher der ernsthaften Paläo-SETI-Forschung mehr schadet als nützt. Ein Beispiel: Aus der Tatsache, dass Jehova auch Elohim gerufen wird, was in etwa "Oh Götter!" bedeutet, wird gefolgert, dass der Monotheismus also nicht gegen die Landung mehrerer außerirdischer Astronauten spricht, die sich als Götter ausgaben. Ich vermisse den Hinweis, dass meine Rechnung vom letzten Einkauf dem auch nicht widerspricht. Das Buch ist voll von solchen sinnlosen Anmerkungen. Und von an den Haaren herbeigezogenen Schlussfolgerungen.

Apropos "Haare". Unter H finde ich hier folgenden Eintrag ganz oben: "Haarausfall -> Waffen der Götter". Da frage ich mich, meine Glatze reibend, was ich wohl verbrochen haben mag, dass die Götter - nein, die frühzeitlichen Astronauten - mich bereits im Alter von 25 Jahren mit ihren schrecklichen Waffen bestrahlt haben? Gut, das ist unfair. Es geht um Haarausfall nach Atomexplosionen, prähistorischen, versteht sich.

Meine Meinung? Dopatka und seine Vorbilder unterschätzen die Leistungsfähigkeit des menschlichen Verstandes. Vieles Wissen, das wir heute haben, gab es schon viel früher einmal. Die Römer kannten Beton. Als die Barbaren aus Deutschland kamen und Rom abfackelten, ging das Wissen unter. Und mit der Bibliothek von Alexandria ging fast alles antike Wissen verloren. Verbrannt von den Römern. Erziehungswissenschaftliche Erkenntnisse der Neuzeit gab es schon 1920. Verbrannt von den Deutschen. Was die vorliegende Enzyklopädie angeht: Ich bin trotzdem gegen das Verbrennen von Büchern. Immerhin hat dieses Machwerk einen gewissen Unterhaltungswert. Die Vorstellung, die Zyklopen der griechischen Mythologie könnten ihren Namen der Tatsache verdanken, dass sie Brillen trugen, finde ich zumindest höchst amüsant.

Samar Ertsey

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