Was kommt heraus,
wenn man einen diplomierten Bibliothekar in den Verwaltungsrat des Erlebnisparks
"Mystery Park" in der Schweiz setzt? Genau, ein vorbildlich
gestaltetes Lexikon aller Kopfgeburten, die Erich von Däniken, Begründer des
Parks, jemals zu Papier gebracht hat. Die "grosse Erich von Däniken
Enzyklopädie" bietet aber noch mehr. Es ist eine wahrhaft umfängliche und
reichhaltige Übersicht über jeden Menschen, der auch nur am Rande dafür
bekannt war/ist, daran zu glauben, dass in der Frühzeit der Erde bzw. der
Menschheit außerirdische Astronauten auf der Erde gelandet sind (Paläo-SETI-Theorien,
Prä-Astronautik).
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Ach, Teufel auch, warum so bescheiden! Fast jeder, der jemals ein Wort über
Leben auf anderen Planeten verfasst hat, ist in diesem Handbuch des nutzlosen
Wissens vertreten. Selbst Cyrano de Bergerac, der Dichter und Musketier mit
der langen Nase wird in Dopatkas Werk als Quelle benannt. Vertrat er doch die
Überzeugung, man würde eines Tages zu den Sternen reisen! Das beweist
natürlich unumstößlich, dass die sogenannten "Götter" in
Wirklichkeit Astronauten waren! Denn darum geht es der Paläo-SETI-Forschung (SETI=
Search for ExtraTerrestrial Intelligence), und "Die
Däniken-Enzyklopädie" versteht sich als wichtiger Beitrag.
Ich muss zugeben, das Buch beeindruckt in
Aufbau und Klarheit der Organisation. Es ist ein wahrhaft vollständig zu
nennendes Lexikon. Klassisch, bis hin zur Zusammenlegung von I und J, da beide
im Lateinischen identisch sind und abgesehen von einigen Rechtschreibfehlern,
bei denen das Lektorat wohl geschlafen hat. Vor allem bei Zehnerpotenzen wirkt
sich dies lachhaft sinnentstellend aus. So behauptet man z.B. hier, der Radius
unserer Galaxis betrüge 105 Lichtjahre. Es sind aber 105 oder 100000
Lichtjahre.
Däniken-gläubige Freunde von mir
versicherten mir darüber hinaus, die Theorien seien falsch wiedergegeben. Ich
kann das nicht glauben. Der Unsinn, der sich hier über 464 Seiten vor mir
ergießt, klingt für mich nur zu vertraut. Nicht, dass ich die Möglichkeit
frühzeitlicher Astronauten ausschließe. Aber von von Däniken habe ich nie
den Hauch eines Beweises gehört.
Entsprechend argumentieren die meisten
Artikel des Buches so, dass bestimmte archäologische Funde oder
Literaturfundstücke herbeizitiert werden, die man durchaus mit
außerirdischen Besuchern erklären könnte. Ebenso aber auch ohne sie. Womit
in dem Buch fast nichts steht, das irgendwie aussagekräftig wäre, und daher
der ernsthaften Paläo-SETI-Forschung mehr schadet als nützt. Ein Beispiel:
Aus der Tatsache, dass Jehova auch Elohim gerufen wird, was in etwa "Oh
Götter!" bedeutet, wird gefolgert, dass der Monotheismus also nicht
gegen die Landung mehrerer außerirdischer Astronauten spricht, die sich als
Götter ausgaben. Ich vermisse den Hinweis, dass meine Rechnung vom letzten
Einkauf dem auch nicht widerspricht. Das Buch ist voll von solchen sinnlosen
Anmerkungen. Und von an den Haaren herbeigezogenen Schlussfolgerungen.
Apropos "Haare". Unter H finde ich
hier folgenden Eintrag ganz oben: "Haarausfall -> Waffen der
Götter". Da frage ich mich, meine Glatze reibend, was ich wohl
verbrochen haben mag, dass die Götter - nein, die frühzeitlichen Astronauten
- mich bereits im Alter von 25 Jahren mit ihren schrecklichen Waffen bestrahlt
haben? Gut, das ist unfair. Es geht um Haarausfall nach Atomexplosionen,
prähistorischen, versteht sich.
Meine Meinung? Dopatka und seine Vorbilder
unterschätzen die Leistungsfähigkeit des menschlichen Verstandes. Vieles
Wissen, das wir heute haben, gab es schon viel früher einmal. Die Römer
kannten Beton. Als die Barbaren aus Deutschland kamen und Rom abfackelten,
ging das Wissen unter. Und mit der Bibliothek von Alexandria ging fast alles
antike Wissen verloren. Verbrannt von den Römern. Erziehungswissenschaftliche
Erkenntnisse der Neuzeit gab es schon 1920. Verbrannt von den Deutschen. Was
die vorliegende Enzyklopädie angeht: Ich bin trotzdem gegen das Verbrennen
von Büchern. Immerhin hat dieses Machwerk einen gewissen Unterhaltungswert.
Die Vorstellung, die Zyklopen der griechischen Mythologie könnten ihren Namen
der Tatsache verdanken, dass sie Brillen trugen, finde ich zumindest höchst
amüsant.
Samar Ertsey
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