Krimis spiegeln
immer ein Stück Zeitgeschichte und sind, neben spannender Unterhaltung, auch
ein Quell von Information über Subkulturen die der Leser damit quasi gefahrlos
betreten kann. Was liegt da für Autoren näher, als in ihren Stories exotische
Schauplätze, wie z. B. die Comic-Branche zu Handlungsorten zu machen. Warum
sollte es in der Comic-Branche anders zu gehen, als in der Drogen- oder
Schutzgeld-Erpressungs-Branche? Eben! Das Böse ist schließlich immer und
überall.
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Der
japanische Comic, auch Manga genannt, boomt mittlerweile weltweit
und hat (Deutschland war da noch irgendwie der Nachzügler) mittlerweile
auch uns erreicht. Marktführer im Manga-Comic-Bereich dürfte der
Carlsen-Verlag in Hamburg sein. Alleine von seinem monatlichen Wälzer
BANZAI verkaufen sich ca. 85
- 90.000 Exemplare zum Preis von 5.- Euro. Längst hat der Manga
so auf dem Markt der führenden Kinder- und Jugendcomics für´s große
Aufräumen gesorgt. Produkte wie YPS oder Fix & Foxi sind längst
verschwunden, und ein Micky Maus - Magazin kämpft mit immer aufwändiger
produzierten Gimmicks um´s Taschengeld der Konsumenten. Aber alles
was nicht mit grossen Manga-Glubschaugen und einer begleitenden
Animee-Trickserie bei RTL 2 daherkommt, reizt die Kinder offensichtlich
nicht mehr so stark zum Kauf. Der aufwändig produzierte Gimmick
wird mit kleinkrimineller Energie von den Youngsters in den Supermärkten
einfach geklaut, das dazugehörige Micky Maus -Heft bleibt liegen.
Man darf gespannt sein, wann und wie der Ehapa-Verlag darauf reagieren
wird.
Was die Wenigsten wissen,
Manga-Marktführer Carlsen und der Piper-Verlag gehören schon seit
einigen Jahren zum gleichen Konzern. Da war es offensichtlich auch
starker Anreiz durch die Manga-Verkaufszahlen einen Krimi aus den
USA zu übernehmen, der im japanischen Manga-Produzenten-Umfeld spielt.
Die Halbjapanerin Rei Shimura verdient sich ihr Geld mit Antiquitätenhandel
und als Fachautorin über Antiquitäten in der "Gaijiin Times",
einem englischsprachigen Info-Magazin für in Japan lebende Ausländer.
Da die "Gaijiin Times" mit Verkaufsschwund zu kämpfen
hat, beschließt der Verleger das Magazin zugweise auf Artikel in
Manga-Comic-Form umzustellen. Anfangs nicht ganz begeistert von
dieser Comic-Unkultur begibt sich Rei auf Recherche zu einem Artikel
über die Dojinshi-Szene. Dojinshi heißen Mangas von Amateur-Zeichnern
die bekannte Serien-Figuren plagiieren. Anders als bei europäischen
Verlagen scheint es japanischen Verlagen egal zu sein, wenn ihre
Markenartikel kopiert werden, sind die Dojinshis so doch die beste
Werbung für die Originalserie (ob dem allerdings wirklich so ist,
kann ich nicht beurteilen, zumindest behauptet die Autorin Sujata
Massey das).
Womit wir auch schon beim Knackpunkt von "Tödliche Manga"
wären. Was spannende Handlung angeht, ist die Story nämlich eher
weniger interessant. Da liest man schon reichlich, zum Teil unlogische
Durchhänger. Wirklich spannend sind die zahlreichen Details zu japanischer
Lebensart und Kultur. Wobei auch die US-amerikanische Denkart nicht
zu kurz kommt. Für ein US-amerikanisches Lesepublikum gezielt konzipiert,
werden aus heiterem Romanhimmel, ohne Zusammenhang zur Handlung,
plötzlich die bösen Raucher oder (scheinbar) besonders übles Sexualverhalten
angeprangert. In den USA kann es frau nämlich schon mal passieren
das sie eine Nacht im Knast verbringt, wenn sie sich erdreistet
hat, barbusig am Strand zu sonnen und dabei vielleicht auch noch
ein Zigarettchen zu schmauchen. Was in den USA übrigens zu einem
völlig neuartigen Genre von Pin-Up-Motiven geführt hat. Besonders
beliebt sind dort nämlich mittlerweile Fotos von nackten Frauen
die Zigarette rauchend in der Pampa herumliegen. Aber das nur nebenbei.
G. N.
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