1993 entdeckte der Künstler Oliver Croy in einem Wiener Trödelladen 387 Modellhäuschen, die fein säuberlich in Müllsäcke verpackt waren. Diese kleinen Bauwerke ungefähr im Maßstab einer H0-Modelleisenbahn waren sehr sorgfältig aus Zigarettenschachteln und Tapetenresten angefertigt. Croy erwarb nicht nur den kompletten Bestand an Modellhäuschen, sondern auch noch eine Diasammlung anhand derer er den Bastler dingfest machen konnte: Die Sammlung stammt aus dem Nachlass des 1992 im Alter von 76 Jahren verstorbenen Versicherungsbeamten Peter Fritz.
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So
weit, so gut. Doch anstelle der Frage nachzugehen, warum dieser
Fritz nicht besseres zu tun hatte, als ein Häuschen nach dem anderen
anzufertigen, verbündete sich Croy mit dem Architekturkritiker Oliver
Elser. Beide befanden die Häuschen für "echter als jedes Vorbild,
denn in ihnen verdichtet sich was man an Alltagsarchitektur beobachten
kann: merkwürdige Anbauten, Reklametafeln, alles sehr bunt und verwinkelt."
Daher wird die komplette Sammlung (auf den Dias ist zu ersehen,
dass es noch mindestens 35 weitere Modelle gibt) zunächst in Wien
und dann in Frankfurt ausgestellt.
Dazu gibt es jetzt einen sehr schön aufgemachten Ausstellungskatalog,
der jedes Modellhäuschen abbildet, sich aber zu fein ist die Herkunftsgeschichte
der Sammlung zu erzählen und statt dessen lieber hochtrabende Texte
veröffentlicht. Diese stehen in einem etwas seltsamen Kontrast zu
den immer wieder zwischen die Fotos der Modelle platzierten kleinen
Scherzbildchen. Ob es Croy und Elser auf diese Art gelingt ihren
Traum zu verwirklichen? Sie hätten es so gerne, wenn einige der
Fritzschen Häuser in Originalgröße entstehen würden. Ob sie auch
selbst in den bunten verwinkelten Anbauten wohnen wollen?
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