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Zwischen 1887 und 1927 verfasste Arthur Conan Doyle insgesamt vier Romane und 56 Kurzgeschichten mit seinem Meisterdetektiv Sherlock Holmes. Eigentlich eine eher schmale Ausbeute, vor allem wenn bedacht wird, dass Conan Doyle zuletzt ein eher gestörtes Verhältnis zum Ruhm seiner Schöpfung hatte. Er schätze seine übrigen historischen und spiritistischen Werke (zu denen immerhin der klassische Dinosaurier-Roman "The Lost World" gehört) weit höher ein und versuchte zwischendrin schon einmal Holmes sterben zu lassen. Auf Druck seiner Leser musste Conan Doyle seinen Held jedoch wieder auferstehen lassen.

 

    

 

Da ist es natürlich auch nicht weiter verwunderlich, dass auch nach dem Tode von Sir Arthur Conan im Jahre 1930 der Meisterdetektiv noch lange nicht gestorben war. Sein Sohn Adrian verfasste weitere Kurzgeschichten und zahlreiche Romane folgten, die Holmes oft mit berühmten Zeitgenossen wie Siegmund Freud oder Karl Marx oder mit dem Phantom der Oper zusammenbrachten. In letzter Zeit hat der Bastei Verlag einige höchst interessante Bücher mit Sherlock Holmes Geschichten veröffentlicht, die nicht aus der Feder von Sir Arthur Conan stammten.

 

Das ambitionierteste und voluminöseste dieser Werke trägt den Titel “Sherlock Holmes und der Fluch von Addleton“ (764 Seite, 10,- EUR). Diese Anthologie enthält 25 neue höchst lesenswert Geschichten von verschiedenenAutoren, die meist auf kleinen Andeutungen über weitere Fälle beruhen, die Conan Doyle in sein Holmes-Stories einbaute. Einen besonderen Reiz hat das Buch noch dadurch, dass der Herausgeber Mike Asheley zu allen Stories ein paar einführende Worte geschrieben hat und sie auch noch streng chronologisch angeordnet hat. So sind auch zwei Fälle enthalten, die Holmes in seiner Jugend (und noch vor seiner Bekanntschaft mit Dr. Watson) löste sowie “sein wirklich letzter Fall“.

 

Höchst empfehlenswert (auch für Holmes-Freunde, die nur die Originalgeschichten schätzen) ist auch der Anhang, der eine ausführliche Chronologie aller Fälle des Meisterdetektivs enthält.

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Eine weitere Anthologie trägt den Titel “Sherlock Holmes – Schatten über Baker Street“ (542 Seiten, 8,- EUR). Hier tritt der Meisterdetektiv in 18 Geschichten an zu einer “Mörderjagd in Lovecrafts Welten“. Unter den Verfassern befinden sind bekannte Autoren wie Brian Stableford oder Neil Gaiman, die Holmes mit den Prophezeiungen des wahnsinnigen Arabers Abdul Alhazred, dem Tentakelgott Cthulhu und weiteren Schöpfungen des amerikanischen Pulpautoren H. P. Lovecraft konfrontieren.

 

Längst nicht alle Geschichten wollen so recht zünden, aber sehr lesenswert ist Steven-Elliot Altmans “Ein Fall von königlichem Blut“. Hier fungiert H. G. Wells als Vertreter von Dr. Watson und ermittelt gemeinsam mit Sherlock Holmes in einer seltsamen Angelegenheit am niederländischen Hofe.

 

 

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Mit der von Doyle nicht genauer beschriebenen Zeit nach seinem vermeintlichen Tod bei den Schweizer Reichenbach-Wasserfällen beschäftigt sich “Sherlock Holmes – Das Mandala des Dalai Lama“ (334 Seiten, 7,90 EUR). In der Kurzgeschichte “Das leere Haus“ handelt Conan Doyle diese Zeit äußerst kurz ab und lässt Holmes sagen: “Ich reiste zwei Jahre durch Tibet, besuchte Lhasa und verbrachte ein paar Tage mit dem Groß-Lama. Vielleicht mein lieber Watson, haben Sie von der bemerkenswerten Forschungsreise eines Norwegers namens Sigerson gelesen, aber Sie haben sicher nie vermutet, dass es sich dabei um Neuigkeiten von einem Freund handelt…“

 

 

Der indische Autor Jamyang Norbu hat sich in seinem ersten Roman dieser Zeit sehr ausführlich gewidmet und Holmes außerdem noch mit Figuren aus dem Werken von Rudyard Kipling (“Das Dschungelbuch“) konfrontiert. Das nicht ganz leicht zugängliche Buch soll den Leser auch mit der tragischen Geschichte Tibets vertraut machen und ist mit umfangreichen Anhängen und Erklärungen versehen.

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Außerdem gibt es noch “Sherlock Holmes und der Fall Houdini“ (220 Seiten, 6,95 EUR). Hier ist der Titel Programm und Daniel Stashower, der auch eine Biografie über Sir Arthur Conan Doyle schrieb, konfrontiert den Meisterdetektiv und den Entfesslungskünstler im Stile eines Superhelden-Team-Ups: Zunächst sind sich die Beiden herzlich unsympathisch, doch schließlich bündeln sie ihre Talente und lösen den Fall.

 

Bald noch interessanter als der manchmal etwas formelhafte Roman ist das Nachwort von Michael Ross (“Sherlock Holmes in Film und Fernsehen“), dass darauf hinweist, dass Holmes bereits im Jahre 1908 in dem deutschen Groschenheft “Aus den Geheimakten des Welt-Detektivs“ auf den “Handschellenkönig“ Harry Houdini traf.

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