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Träume zwischen bunten Buchdeckeln

 

 

Autor:

Heinz J. Galle

Titel:

Wie die Science Fiction Deutschland eroberte – Erinnerungen an die miterlebte Vergangenheit der Zukunft

Originaltitel:

-

Umfang:

228 Seiten

Format:

Hardcover

Preis:

EUR 39,-

Verlag:

Dieter von Reeken

ISBN:

9783940679208

Website:

www.dieter-von-reeken.de   



Die Anfänge eines breiteren Spektrums an phantastischer Literatur in Deutschland finden sich zwar bereits im 19. Jahrhundert, eine SF-Szene wie in den USA und eine kommerziell "massentaugliche“ Verbreitung utopischer Lesestoffe entwickelten sich erst in den 50er Jahren – mit Leihbüchern, Romanheften und später auch im Taschenbuchformat. Trotz unzähliger Sekundärpublikationen zur Science Fiction wurden die Anfangsjahre des SF-Fandoms bislang recht stiefmütterlich behandelt, von diversen Beiträgen in einschlägigen Fanzines einmal abgesehen gab es kaum Fachliteratur zum Thema. Neben Rainer Eisfelds "Die Zukunft in der Tasche. Science Fiction und SF-Fandom in der Bundesrepublik – Die Pionierjahre 1955-1960“ (ebenfalls bei DvR) meldet sich mit Heinz J. Galle ein weiterer "Zeitzeuge“ zu Wort.

 

    

 

K. H. Scheer, P. A. Müller, W.D. Rohr, Clark Darlton… auch viele jüngere Fans bekommen bei Nennung dieser Namen aus dem deutschen „Golden Age“ leuchtende Augen, denn durch zahlreiche Nachdrucke sind viele der "klassischen“ Autoren heute noch ein Begriff. Und der Vergleich macht den Leser sicher: die "alten Hasen“ stecken den Großteil der zeitgenössischen SF-Autoren auch posthum noch locker in die Tasche. Ein aus heutiger Sicht mitunter unfreiwillig komisches Kapitel der SF-Geschichte stellen die damals wie Pilze aus dem Boden schießenden SF-Clubs dar (oft von namhaften Autoren gegründet), die zuweilen etwas sektiererisch anmuteten und unter diktatorischen Clubleitern sowie zahlreichen stutenbissigen Selbstdarstellern unter den Mitgliedern zu leiden hatten. Abspaltungen und sich von den abgespalteten Clubs abspaltende Clubs waren die Folge. Übelwollenden Gerüchten zufolge hat sich im sogenannten Fandom da bis heute nicht viel geändert, auch wenn der "Krieg der Sterne“ heutzutage mehr übers Internet läuft. Galle streift diese skurrilen Begebenheiten im Fan-Milieu nobel nur am Rande und legt seinen Schwerpunkt dankenswerterweise auf die Publikationsgeschichte der SF.

Die Etablierung des preisgünstigen Taschenbuchs auf dem Buchmarkt gab der Science Fiction einen neuen Schub, Reihen wie z.B. die Heyne Science Fiction und Fantasy (ab 1960, als eigenständige Reihe ab 1964) bestehen bis zum heutigen Tag. Aber auch viele andere wichtige Publikationen aus jenen Tagen werden in Wort und Bild vorgestellt. Ein weiteres Kapitel widmet sich ausführlich dem SF-Film der 50er und 60er Jahre. Mehr ins Detail zu gehen würde den Rahmen dieser Kurzrezension sprengen, ausführliche Inhaltsangaben finden sich auf der Homepage des Verlags.

Fazit: Ein weiteres von der Literaturwissenschaft sträflich vernachlässigtes Kapitel der deutschen populärkulturellen Publizistik wird erstmals ausführlich und ebenso kenntnisreich wie unterhaltsam beleuchtet. Heinz J. Galle ist einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Volksliteratur, ihm und nicht zuletzt dem umtriebigen Verleger Dieter von Reeken verdanken wir mittlerweile eine Vielzahl liebevoller Publikationen mit und über phantastische Erzählungen. Das vorliegende Buch fügt sich hier nahtlos ein – es ist einfach ein grundlegendes und reich bebildertes Werk zum Thema, an dem kein Interessierter vorbeikommt. Darüber hinaus handelt es sich um eine jederzeit amüsante Lektüre und nicht zuletzt um eine nostalgische Zeitreise – womit sich der Kreis wieder schließt. Ad astra!

Stefan Meduna

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