|
Die
Anfänge eines breiteren Spektrums an phantastischer Literatur in
Deutschland finden sich zwar bereits im 19. Jahrhundert, eine SF-Szene wie
in den USA und eine kommerziell "massentaugliche“ Verbreitung
utopischer Lesestoffe entwickelten sich erst in den 50er Jahren – mit
Leihbüchern, Romanheften und später auch im Taschenbuchformat. Trotz
unzähliger Sekundärpublikationen zur Science Fiction wurden die
Anfangsjahre des SF-Fandoms bislang recht stiefmütterlich behandelt, von
diversen Beiträgen in einschlägigen Fanzines einmal abgesehen gab es kaum
Fachliteratur zum Thema. Neben Rainer Eisfelds "Die Zukunft in der Tasche. Science Fiction und
SF-Fandom in der Bundesrepublik – Die Pionierjahre 1955-1960“
(ebenfalls bei DvR) meldet sich mit Heinz J. Galle ein weiterer
"Zeitzeuge“ zu Wort.
|
|
|

|
|
|
|
K. H.
Scheer, P. A. Müller, W.D. Rohr, Clark Darlton… auch viele jüngere Fans
bekommen bei Nennung dieser Namen aus dem deutschen „Golden Age“ leuchtende
Augen, denn durch zahlreiche Nachdrucke sind viele der "klassischen“
Autoren heute noch ein Begriff. Und der Vergleich macht den Leser sicher:
die "alten Hasen“ stecken den Großteil der zeitgenössischen SF-Autoren
auch posthum noch locker in die Tasche. Ein aus heutiger Sicht mitunter
unfreiwillig komisches Kapitel der SF-Geschichte stellen die damals wie
Pilze aus dem Boden schießenden SF-Clubs dar (oft von namhaften Autoren gegründet),
die zuweilen etwas sektiererisch anmuteten und unter diktatorischen
Clubleitern sowie zahlreichen stutenbissigen Selbstdarstellern unter den
Mitgliedern zu leiden hatten. Abspaltungen und sich von den abgespalteten
Clubs abspaltende Clubs waren die Folge. Übelwollenden Gerüchten zufolge
hat sich im sogenannten Fandom da bis heute nicht viel geändert, auch wenn
der "Krieg der Sterne“ heutzutage mehr übers Internet läuft. Galle
streift diese skurrilen Begebenheiten im Fan-Milieu nobel nur am Rande und
legt seinen Schwerpunkt dankenswerterweise auf die Publikationsgeschichte
der SF.
Die
Etablierung des preisgünstigen Taschenbuchs auf dem Buchmarkt gab der
Science Fiction einen neuen Schub, Reihen wie z.B. die Heyne Science Fiction und Fantasy
(ab 1960, als eigenständige Reihe ab 1964) bestehen bis zum heutigen Tag.
Aber auch viele andere wichtige Publikationen aus jenen Tagen werden in
Wort und Bild vorgestellt. Ein weiteres Kapitel widmet sich ausführlich dem
SF-Film der 50er und 60er Jahre. Mehr ins Detail zu gehen würde den Rahmen
dieser Kurzrezension sprengen, ausführliche Inhaltsangaben finden sich auf
der Homepage des Verlags.
Fazit:
Ein weiteres von der Literaturwissenschaft sträflich vernachlässigtes
Kapitel der deutschen populärkulturellen Publizistik wird erstmals
ausführlich und ebenso kenntnisreich wie unterhaltsam beleuchtet. Heinz J.
Galle ist einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Volksliteratur,
ihm und nicht zuletzt dem umtriebigen Verleger Dieter von Reeken verdanken
wir mittlerweile eine Vielzahl liebevoller Publikationen mit und über
phantastische Erzählungen. Das vorliegende Buch fügt sich hier nahtlos ein
– es ist einfach ein grundlegendes und reich bebildertes Werk zum Thema, an
dem kein Interessierter vorbeikommt. Darüber hinaus handelt es sich um eine
jederzeit amüsante Lektüre und nicht zuletzt um eine nostalgische Zeitreise
– womit sich der Kreis wieder schließt. Ad astra!
Stefan
Meduna
Dieses Buch bei AMAZON bestellen, hier anklicken
Science-Fiction-Literatur bei ebay
kaufen, hier anklicken
|