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Western - Total abgehalftert


 
Autor: Stan Norton (Verlagspseudonym)
Titel: Redlight Ranch 19: Love Express
Originaltitel: -
Umfang: 66 Seiten, Titelbild: Sebastian Boada / Agentur Norma - Madrid
Format: Heftroman / Band 19
Preis: EUR (Deutschland) 1,35
Verlag: Bastei
Website: www.bastei.de  


"Wohin des Weg´s, Hombré?" "Zuerst mal runter nach Wyoming, und dann mit ´n paar Rindern wieder zurück nach Osten! Wenn du willst kannste bei dem Trail mitmachen! Einen guten Mann können wir immer brauchen und ´n paar gute Bucks gibt´s dafür auch noch!"
 
    
 

So harmlos fingen früher Western an, bis es zur ersten Auseinandersetzung mit den Widrigkeiten des Wilden Westens kam. Der Leser konnte sich bei der Lektüre ruhig im Zugabteil zurücklehnen, das Taschenbuch war ja meist für die Dauer einer Zugfahrt am Bahnhofskiosk erstanden, und sah kurz darauf vor dem geistigen Auge eine maskierte Bande den Zugüberfall oder ähnliches proben. Der Held war meist einer wie du und ich, und hoffte auf das große Glück der Erde, nicht auf dem Rücken der Pferde, sondern mit dem geliebten Weib an seiner Seite. Meistens bekam er sie dann auch, nach dem die Geliebte sich erst einmal kurzzeitig in einen üblen Schurken verguckt hatte. Aber die Joes oder Toms dieser Romane waren Männer wie Felsen, ehrlich, loyal, mit einem goldenen Herz ausgestattet und selbst nach monatelangem Ritt inklusive dreckschlucken, zwar rauhbauzige aber trotzdem formvollendete Kavaliere. Die Autoren dieser Romane hießen Zane Grey oder Louis L´Amour und waren selbst US-Amerikaner. Die Autoren der etwas einfacher gestrickten Heftromane vom Bahnhofskiosk hatten deutsche Namen oder amerikanisierte Pseudonyme, aber auch bei ihnen hatten die Joes und Toms noch ihr Herz am richtigen Fleck.

Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts war damit zumindest teilweise Schluss. Das Herz der Helden rutschte in die Hose. Bastei, der führende Romanhefte-Verlag in Deutschland, machte den Vorreiter und startete seine LASSITER-Serie mit angedeutetem Sex. In der Dosierung gerade immer soviel, dass der Jugendschutz gewährleistet war. Offensichtlich hatte der Bastei-Verlag damit einen Nerv bei seiner Zielgruppe getroffen, denn die LASSITER-Serie hat es bis heute auf über 1500 Romane gebracht. Allerdings nicht bei mir. Im Grunde meines Herzens bin ich wertkonservativ. LASSITER hat wenig mit einem typischen Western zu tun. Diese Art von Soft-Sex-Schreibe in Verbindung mit Schießerei könnte überall spielen.

Offensichtlich ist der LASSITER-Stoff für die entsprechende Klientel heute nicht mehr heftig genug, denn seit einiger Zeit gibt es aus dem Hause Bastei ein Produkt namens REDLIGHT RANCH. Und das liest sich dann folgendermaßen. Die Einleitung zur Szene sparen wir uns, sie ist sowieso völlig austauschbar, und kommen gleich zum Wesentlichen - "Sie lutschte, saugte und schmatzte, dass es eine Freude war, und es bereitete ihr selbst Spaß und Wonne, zu spüren, wie sein Glied noch immer mehr zwischen ihren feuchten prallen Lippen anschwoll. Denn es bewies ihr, wie gut sie es machte, dass sie diesen Mann, der jedes Girl in ganz Lincoln haben konnte, immer noch erregte. Und sie war diesem Mann auch absolut hörig. Sie kaute sanft auf seinem Schaft herum, liebkoste die Eichel mit ihrer Zunge und saugte das Blut in seinen dicken Liebesknüppel. Auch ihm gefiel es, doch er wollte mehr. Kurz, bevor der heiße Liebessaft aus ihm herausgeschossen wäre, zog er Celine wieder hoch und..." - und so weiter und so fort. Die REDLIGHT RANCH ist eben ein Bordell und alle Huren die dort tätig sind, machen es selbstverständlich immer gerne und willig. Muss man sowas haben? Nicht wirklich! Eine Porno-DVD brächte es als Onaniervorlage sicher schneller auf den Punkt.

Damals, in der verwehten Vergangenheit meiner Jugend (seufz) lasen sich Western so: "Ein guter Vorsatz war es, den der Revolvermann Pecos-Jim hatte. Sein gefährliches Handwerk in der heißen Wüste von Texas wollte er an den Nagel hängen. Ein neues Leben in Ruhe beginnen, das war sein Wunsch. Aber es kann der Beste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Doch Jim steht! Seine Tatkraft und Geschicklichkeit, sein Gefühl für Recht und Unrecht, lassen ihn den Kampf gewinnen. An der Seite einer geliebten Frau, unterstützt von seinen Freunden, die ihm in allem beistehen, findet er schließlich seine Lebensaufgabe, die ihm Glück und Zufriedenheit schenkt."

Das Genre des Westerns spezifiziert sich dadurch, dass es eben Heimatromane sind. Also wenn schon Fluchtwelten bei einer Zugfahrt, dann an der Seite vom Alp-Öhi der Rocky Mountains, dem alten Pecos-Jim. Ganz weit weg von irgendwelchen Liebessaftpfützen einer Rotlicht-Ranch, die es im Westen der USA des ausgehenden 19. Jahrhunderts nie gegeben hat.

Well, Countryroads, take me home, to the place, where I belong, West-Virginia....

G. N.

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