"Wohin des
Weg´s, Hombré?" "Zuerst mal runter nach Wyoming, und dann mit ´n
paar Rindern wieder zurück nach Osten! Wenn du willst kannste bei dem Trail
mitmachen! Einen guten Mann können wir immer brauchen und ´n paar gute Bucks
gibt´s dafür auch noch!"
| |
 |
|
| |
So
harmlos fingen früher Western an, bis es zur ersten Auseinandersetzung
mit den Widrigkeiten des Wilden Westens kam. Der Leser konnte sich
bei der Lektüre ruhig im Zugabteil zurücklehnen, das Taschenbuch
war ja meist für die Dauer einer Zugfahrt am Bahnhofskiosk erstanden,
und sah kurz darauf vor dem geistigen Auge eine maskierte Bande
den Zugüberfall oder ähnliches proben. Der Held war meist einer
wie du und ich, und hoffte auf das große Glück der Erde, nicht auf
dem Rücken der Pferde, sondern mit dem geliebten Weib an seiner
Seite. Meistens bekam er sie dann auch, nach dem die Geliebte sich
erst einmal kurzzeitig in einen üblen Schurken verguckt hatte. Aber
die Joes oder Toms dieser Romane waren Männer wie Felsen, ehrlich,
loyal, mit einem goldenen Herz ausgestattet und selbst nach monatelangem
Ritt inklusive dreckschlucken, zwar rauhbauzige aber trotzdem formvollendete
Kavaliere. Die Autoren dieser Romane hießen Zane Grey oder Louis
L´Amour und waren selbst US-Amerikaner. Die Autoren der etwas einfacher
gestrickten Heftromane vom Bahnhofskiosk hatten deutsche Namen oder
amerikanisierte Pseudonyme, aber auch bei ihnen hatten die Joes
und Toms noch ihr Herz am richtigen Fleck.
Mitte der 70er Jahre des letzten
Jahrhunderts war damit zumindest teilweise Schluss. Das Herz der
Helden rutschte in die Hose. Bastei, der führende Romanhefte-Verlag
in Deutschland, machte den Vorreiter und startete seine LASSITER-Serie
mit angedeutetem Sex. In der Dosierung gerade immer soviel, dass
der Jugendschutz gewährleistet war. Offensichtlich hatte der Bastei-Verlag
damit einen Nerv bei seiner Zielgruppe getroffen, denn die LASSITER-Serie
hat es bis heute auf über 1500 Romane gebracht. Allerdings nicht
bei mir. Im Grunde meines Herzens bin ich wertkonservativ. LASSITER
hat wenig mit einem typischen Western zu tun. Diese Art von Soft-Sex-Schreibe
in Verbindung mit Schießerei könnte überall spielen.
Offensichtlich ist der LASSITER-Stoff für die entsprechende Klientel
heute nicht mehr heftig genug, denn seit einiger Zeit gibt es aus
dem Hause Bastei ein Produkt namens REDLIGHT RANCH. Und das liest
sich dann folgendermaßen. Die Einleitung zur Szene sparen wir uns,
sie ist sowieso völlig austauschbar, und kommen gleich zum Wesentlichen
- "Sie lutschte, saugte und schmatzte, dass es eine Freude
war, und es bereitete ihr selbst Spaß und Wonne, zu spüren, wie
sein Glied noch immer mehr zwischen ihren feuchten prallen Lippen
anschwoll. Denn es bewies ihr, wie gut sie es machte, dass sie diesen
Mann, der jedes Girl in ganz Lincoln haben konnte, immer noch erregte.
Und sie war diesem Mann auch absolut hörig. Sie kaute sanft auf
seinem Schaft herum, liebkoste die Eichel mit ihrer Zunge und saugte
das Blut in seinen dicken Liebesknüppel. Auch ihm gefiel es, doch
er wollte mehr. Kurz, bevor der heiße Liebessaft aus ihm herausgeschossen
wäre, zog er Celine wieder hoch und..." - und so weiter und
so fort. Die REDLIGHT RANCH ist eben ein Bordell und alle Huren
die dort tätig sind, machen es selbstverständlich immer gerne und
willig. Muss man sowas haben? Nicht wirklich! Eine Porno-DVD brächte
es als Onaniervorlage sicher schneller auf den Punkt.
Damals, in der verwehten Vergangenheit meiner Jugend (seufz) lasen
sich Western so: "Ein guter Vorsatz war es, den der Revolvermann
Pecos-Jim hatte. Sein gefährliches Handwerk in der heißen Wüste
von Texas wollte er an den Nagel hängen. Ein neues Leben in Ruhe
beginnen, das war sein Wunsch. Aber es kann der Beste nicht in Frieden
leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Doch Jim steht!
Seine Tatkraft und Geschicklichkeit, sein Gefühl für Recht und Unrecht,
lassen ihn den Kampf gewinnen. An der Seite einer geliebten Frau,
unterstützt von seinen Freunden, die ihm in allem beistehen, findet
er schließlich seine Lebensaufgabe, die ihm Glück und Zufriedenheit
schenkt."
Das Genre des Westerns spezifiziert sich dadurch, dass es eben Heimatromane
sind. Also wenn schon Fluchtwelten bei einer Zugfahrt, dann an der
Seite vom Alp-Öhi der Rocky Mountains, dem alten Pecos-Jim. Ganz
weit weg von irgendwelchen Liebessaftpfützen einer Rotlicht-Ranch,
die es im Westen der USA des ausgehenden 19. Jahrhunderts nie gegeben
hat.
Well, Countryroads, take me home, to the place, where I belong,
West-Virginia....
G. N.
"Redlight
Ranch" bei ebay kaufen, hier anklicken
Bei
AMAZON Bücher bestellen, hier anklicken
|