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Offene Türen?

 

 

Autor:

Peter Angst

Titel:

Nein diesen Kuchen ess ich nicht - Ein Erziehungsroman

Originaltitel:

-

Umfang:

120 Seiten

Format:

Paperback

Preis:

EUR 16,50

Verlag:

Zytglogge

ISBN:

3729606832

Website:

www.zytglogge.ch



Soll man es originell im Angesicht sinkender Geburtenraten nennen? Oder sinnreich in Zeiten steigender Jugendkriminalität, Vernachlässigung und psychischer Erkrankungen? Was auch immer, die Welt wird neuerdings wieder beglückt mit Werken eines Genres, das ich für – gottseidank – ausgestorben hielt: Der Erziehungsroman ist wieder da!

 

    

 

Ein hohes Ziel hat sich der Autor Peter Angst gesetzt: Anhand des fiktiven Till Güegg will er Eltern das Innenleben problematischer Jugendlicher von heute aufzeigen und Verständnis dafür schaffen. Und das Buch liest sich recht flott und einsichtig. Allein – darin sehe ich den größten Mangel des Buches - Nichts darin ist mir neu. Vielleicht bin ich mit 30 Jahren noch zu jung, aber – so helfe mir Pestalozzi – ich verstehe die Jugend von heute! Das Buch beweist mir, dass sich die grundlegenden Dinge NIE ändern: Jedes Kind litt schon immer, wenn sich die Eltern trennen. Autoritätskonflikte, Perspektivlosigkeit, Liebeswirren, - ja zum Kuckuck, wozu lese ich mir das alles durch?

 

An wen, so frage ich mich, richtet sich dieses Buch? Goldfische mit einem drei Sekunden Gedächtnis? Der Autor scheint zu glauben, dass alle Eltern sich an ihre Jugend nicht erinnern KÖNNEN. Fakt ist, dass sie sich meist nicht erinnern WOLLEN, weil das würde bedeuten Zeit und Energie in die Erziehung zu stecken, wozu sie nach der Arbeit allerdings meist zu kaputt sind. Diejenigen hingegen, die tatsächlich so viel Mühe aufbringen, Bücher zum Thema zu lesen, brauchen letztlich die Bücher nicht, weil sie sowieso auf dem rechten Weg sind. Das kann also das Zielpublikum nicht sein...

 

Aber für junge Erwachsene aus intakten Familien ist das Buch recht lesenswert. Sich in die Psyche weniger Begünstigter zu versetzen, kann den Blick für die Probleme anderer Leute, schärfen. Es sind die Details am Rande, die zeigen, dass der Autor das Buch immerhin mit viel Mühe und Liebe verfasst hat. Wie etwa der  Himbeerkuchen, der sich wie ein roter – eher wohl rosa – Faden durch das Buch zieht. Jedes Schlüsselerlebnis des jungen Till hat mit diesem Kuchen zu tun, wie es scheint. Und das Buch endet genau da, als Till erkennt, dass das gar nicht wichtig ist und ihm der symbolträchtige Kuchen wieder schmeckt.

 

Fazit: Ein nettes (wenn auch wenig scharfsinniges) Buch über das Erwachsenwerden, wie wir es letztlich alle bis zum Überdruss kennen.

Samar Ertsey

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