Der wohl
hauptsächlich durch die "Hellraiser"-Filme bekannt gewordene
Horror-Autor Clive Barker veröffentlichte 1996 ein "A - Z of
Horror". In diesem höchst empfehlenswerten Werk widmet er sich nicht nur
realen und fiktiven Horrorgestalten wie Ed Gein oder Michael Myers sondern
auch dem Barock-Bildhauer Franz Xaver Messerschmidt. Er schrieb: "Wir
machen eine der unerfreulichsten Erfahrungen, wenn wir in ein menschliches
Gesicht blicken und dort dann völlige Verrücktheit sehen. Wahnsinn ist purer
und unverdünnter Horror (...) und bei den Charakterköpfen von Messerschmidt
kommt er am besten zum Ausdruck."
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Zunächst machte sich der 1736 in
Wiesenstein bei Geislingen geborene Franz Xaver Messerschmidt einen
Namen indem er an der kaiserlichen Akademie in Wien lehrte und dort
auch konventionelle Bildnisse von Kaiserin Maria Theresia oder Joseph
II anfertigte. Doch dann begann er an seinen Charakterköpfen zu
arbeiten und galt fortan als Sonderling. Er verwendete für seine
Büsten wechselnde Materialien wie Blei, Zinn-Kupfer-Legierung, Bronze
oder Wachs. Die letzten dieser knapp 50 Zerrbilder menschlicher
Eigenschaften wie "Zuverlässigkeit" oder "Verstopfung"
schuf der verarmte Künstler in Pressburg wo er 1783 verstarb. Augenzeugen
berichteten, dass seine Gesichtszüge vom vielen Grimassieren vor
dem Spiegel schon völlig zerschunden gewesen sein sollen.
Im Unteren Belvedere in Wien gab es schon immer einige von Messerschmidt
Werke zu bestaunen. Dort findet nun eine Ausstellung statt für die
erstmals aus aller Welt nahezu alle Charakterköpfe zusammenzutragen
wurden. Diese Werke wirken in ihrer Fratzenhaftigkeit niemals lächerlich,
fast immer erschreckend und erstaunlich modern. Der vorliegende
umfangreiche Katalog vermittelt einen sehr guten Eindruck von dieser
Ausstellung.
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