Manche
halten multiple Persönlichkeitsstörungen für eine Erfindung
der Psychiatrie. In der einschlägigen Literatur wird sie als
eine Form der Schizophrenie verzeichnet. Wer auch immer hierbei Recht
hat, schon seit Stevensons "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" ist
es ein ergiebiges Roman-Thema.
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Andrew,
die Hauptfigur in Matt Ruffs neuem Roman, wird gleichzeitig von
vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten gesteuert. Andrew
ist sich seinen unterschiedlichen Charakteren aber immer bewusst,
hat ihnen in seiner Seele sogar ein gemütliches Haus eingerichtet.
Auch Andrews Umwelt kommt eigentlich, bis auf diverse Probleme bei
seinen Jobs, gut mit seinen stark differenten Wesenszügen klar.
Alles könnte in Andrews Leben eigentlich ganz erträglich
sein, bis er eines Tages an seinem neuen Arbeitsplatz auf Penny
trifft. Im Gegensatz zu Andrew leidet Penny sehr unter ihrer multiplen
Persönlichkeitsstörung, denn sie weiß nie, wann
und wie lange sie sich in einer ihr fremden Rolle befindet. Katalysator
in dieser Dreiecksgeschichte ist Julie, die Chefin einer kleinen
Firma in der eine neue Software für virtuelle Realitäten
entwickelt werden soll.
Ein spannendes, lustiges aber auch trauriges switchen zwischen den
Realitäten entsteht. Der PC-Spieler, der sein "Haus",
den Computer dazu benützt um in andere Rollen zu schlüpfen,
unterscheidet sich oft nicht mehr von der "Realität"
eines Schizophrenen, der unter einer Persönlichkeitsstörung
leidet. Matt Ruff gelingt es, wie auch schon in seinen früheren
Romanen, uns mit seinen Figuren mitleben zu lassen. Sie werden für
den Leser zur Realität. Er wendet dabei ähnliche schreibtechnische
Kniffe an, wie Stephen King in seinen besten Romanen. Und wie King
"versteckt" auch Ruff eine tiefgreifendere Message in
seiner Story, die Aufklärung über den eigentlichen Grund
von multipler Persönlichkeitsstörung - den sexuellen Missbrauch
im Kindes- und Jugendalter.
Interessantes
Detail am Rande - für die Covergestaltung übernahm DTV nicht das
Titelbild der Hardcover-Originalausgabe des Hanser-Verlages, sondern
ließ vom Illustrator Gabriel Nemeth eine neue Interpretation fertigen.
Gabriel Nemeth gestaltete auch schon das Cover von Matt Ruffs Roman
"G.A.S - Die Trilogie der Stadtwerke" (Hanser & DTV).
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