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Eine Frau steht ihren Mann

 

 

Autor:

Loki Schmidt im Gespräch mit Reinhold Beckmann

Titel:

Erzähl doch mal von früher

Originaltitel:

-

Umfang:

272 Seiten

Format:

Taschenbuch

Preis:

EUR 9,90

Verlag:

dtv

ISBN:

978-3423345767

Website:

www.dtv.de  



Zwei Jahre bevor sie am 1 November 2010 dort verstarb, hat Reinhold Beckmann Loki Schmidt einige Male in ihrem Haus im Hamburger Stadtteil Langenhorn besucht und sie interviewt. Gelegentlich stieß auch Helmut Schmidt auf eine Zigarettenlänge hinzu und die Aufzeichnungen dieser Gespräche wurden zu einem Bestseller, der jetzt auch als Taschenbuch vorliegt. Dass dies Buch so erfolgreich wurde, lag ganz gewiss nicht an Beckmanns Fragen, mit denen er sich selbst oftmals etwas penetrant als Person in den Vordergrund stellt oder beweisen möchte, wie gut er recherchiert hat.

 

    

 


Vielmehr sind es Lokis Antworten und auch ihre freundliche aber bestimmte Art (“Hier machen wir mal `nen Punkt!“) mit der sie Beckmann in seine Schranken weist, die “Erzähl doch mal von früher“ so lebendig machen. Sehr ausführlich schildert sie ihre Kindheit in ärmlichen Verhältnissen und das Aufkommen des Nationalsozialismus. So erwischte sich die junge Hannelore Glaser, als sie bei einem Besuch von Hitler in Hamburg Spalier stand, zu ihrer eigenen Schande dabei, dass sie den Arm zum “deutschen Gruß“ streckte. Ihr Vater tröstete sie später mit “Du brauchst Dich nicht zu schämen, Du bist einfach mitgerissen worden und nun vergiss es.

 

Doch so einfach ging das mit dem Vergessen nicht, denn es kam sogar so weit, dass Loki Glaser nach der Machtergreifung wegen ihrer asiatisch anmutenden Gesichtszüge nicht mehr jenes Gymnasium besuchen durfte, an dem sie Helmut Schmidt kennenlernte. Doch ein Brief ihrer Mutter, der ausnahmsweise mit “Heil Hitler“ unterschrieben war, ihre Beteiligung an einem (streng unpolitisch geführten) BDM-Orchester und der Klassenlehrer, der die Sache mit den Schädelmessungen nicht so richtig ernst nahm, die Maße ihrer Gesichtszüge aber – ganz im Gegensatz zum Profil eines blonden Mitschülers – als “rein arisch“ testierte, wendeten das Unheil von ihr ab. Auch die Hochzeit mit Helmut Schmid war 1942 nicht unproblematisch, denn dieser hatte einen jüdischen Großvater, den es zu verbergen galt.

 

Interessant sind auch die Passagen über den “deutschen Herbst“. Als es zu den Terroranschlägen der RAF und der Schleyer-Entführung kam, versprachen sich Loki und Helmut Schmidt im Falle einer Entführung des jeweils anderen, nicht auf die Forderungen von Terroristen einzugehen und legten dies auch schriftlich nieder. Bezüglich des alles andere als freundlichen Verhältnisses der Schmidts zu Willy Brandt, hätte Beckmann ruhig noch etwas nachbohren können, anstatt das Thema Rainer Barzel so breit zu treten. Doch in Anbetracht des geringen Umfanges des Büchleins gewinnt der Leser einen sehr lebendigen Eindruck einer Frau, die in schweren Zeiten nicht nur neben ihrem Mann sondern auch selbst ihren Mann stand.

 

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