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Zwei Jahre bevor sie am 1 November 2010 dort verstarb, hat Reinhold
Beckmann Loki Schmidt einige Male in ihrem Haus im Hamburger Stadtteil
Langenhorn besucht und sie interviewt. Gelegentlich stieß auch
Helmut Schmidt auf eine Zigarettenlänge hinzu und die Aufzeichnungen
dieser Gespräche wurden zu einem Bestseller, der jetzt auch als
Taschenbuch vorliegt. Dass dies Buch so erfolgreich wurde, lag
ganz gewiss nicht an Beckmanns Fragen, mit denen er sich selbst
oftmals etwas penetrant als Person in den Vordergrund stellt oder
beweisen möchte, wie gut er recherchiert hat.
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Vielmehr
sind es Lokis Antworten und auch ihre freundliche aber bestimmte
Art (“Hier machen wir mal `nen Punkt!“) mit der sie Beckmann
in seine Schranken weist, die “Erzähl doch mal von früher“
so lebendig machen. Sehr ausführlich schildert sie ihre Kindheit
in ärmlichen Verhältnissen und das Aufkommen des Nationalsozialismus.
So erwischte sich die junge Hannelore Glaser, als sie bei einem
Besuch von Hitler in Hamburg Spalier stand, zu ihrer eigenen Schande
dabei, dass sie den Arm zum “deutschen Gruß“ streckte. Ihr Vater
tröstete sie später mit “Du brauchst Dich nicht zu schämen,
Du bist einfach mitgerissen worden und nun vergiss es.“
Doch so einfach ging das mit dem Vergessen nicht, denn
es kam sogar so weit, dass Loki Glaser nach der Machtergreifung
wegen ihrer asiatisch anmutenden Gesichtszüge nicht mehr jenes
Gymnasium besuchen durfte, an dem sie Helmut Schmidt kennenlernte.
Doch ein Brief ihrer Mutter, der ausnahmsweise mit “Heil Hitler“
unterschrieben war, ihre Beteiligung an einem (streng unpolitisch
geführten) BDM-Orchester und der Klassenlehrer, der die Sache
mit den Schädelmessungen nicht so richtig ernst nahm, die Maße
ihrer Gesichtszüge aber – ganz im Gegensatz zum Profil eines blonden
Mitschülers – als “rein arisch“ testierte, wendeten das Unheil
von ihr ab. Auch die Hochzeit mit Helmut Schmid war 1942 nicht
unproblematisch, denn dieser hatte einen jüdischen Großvater,
den es zu verbergen galt.
Interessant sind auch die Passagen über den “deutschen
Herbst“. Als es zu den Terroranschlägen der RAF und der Schleyer-Entführung
kam, versprachen sich Loki und Helmut Schmidt im Falle einer Entführung
des jeweils anderen, nicht auf die Forderungen von Terroristen
einzugehen und legten dies auch schriftlich nieder. Bezüglich
des alles andere als freundlichen Verhältnisses der Schmidts zu
Willy Brandt, hätte Beckmann ruhig noch etwas nachbohren können,
anstatt das Thema Rainer Barzel so breit zu treten. Doch in Anbetracht
des geringen Umfanges des Büchleins gewinnt der Leser einen sehr
lebendigen Eindruck einer Frau, die in schweren Zeiten nicht nur
neben ihrem Mann sondern auch selbst ihren Mann stand.
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