Toms Onkel
Friedrich ist Schiffskoch und als solcher weiß er eine Menge über
Klabautermänner zu erzählen. Echt wahre Geschichten. Für Menschen
die es noch nicht wissen sollten - jedes Schiff das unsere Weltmeere
bereist hat einen Klabautermann an Bord. Und nur dann, wenn der Klabautermann
auch an Bord bleibt, droht dem Schiff kein Unheil. Wehe dem Schiff
und seinen Passagieren, dass von seinem Klabautermann verlassen wird.
Aber
Onkel Friedrich, mit allen Wassern der Weltmeere gewaschen, weiß
wie man den Klabautermann an Bord behält. Natürlich mit Rum. Von
sehr guter Qualität sollte der Rum sein, keinesfalls Verschnitt,
und für jeden Klabauter leicht zugänglich. Also nicht in irgendwelchen
Schränken weggesperrt. Von der alten Titanic wissen wir heute, dass
dort der Rum immer weggesperrt war. Und zum letzten Abendessen wurde
an Bord bayrisches Bier ausgeschenkt. Wir wissen was aus der Titanic
geworden ist. Da war kein Klabauter mehr an Bord. So was kommt von
das.
Aber der Rezensent schweift schon
wieder ab. Was aber nur beweist, wie phantasieanregend die Erzählung
von Hermann Stange und Johann Kiefersauer ist. Besonders angetan
ist man vom Klabauter Hannes. Selbiger hat nämlich ein gewaltiges
Problem, denn auf hoher See kann er es nicht gut aushalten. Der
Hannes ist lieber an Land und hat sich in Onkel Friedrichs Haus
eingenistet. Dort stößt Tom auf ihn und keiner kann herzzerreißender
darum flehen, auch im Haus bleiben zu dürfen, als Klabauter Hannes.
"Bidde, darf ich bleiben?" säuselt er, weil schon eine
halbe Flasche Rum intus. Und nach einer kleinen Pause setzt er heftig
nach, mit: "Bidddddde..." Wer kann da schon "Nein!"
sagen? Und Kindern, denen man die Geschichte vorgelesen hat, übernehmen
dieses wirkungsvolle "BIDDDDDE?" sofort in ihren Wortschatz.
Da soll noch mal einer sagen, die heutige Jugend würde keine Höflichkeit
mehr an den Tag legen. Schöner kann man ja wohl wirklich nicht mehr
bitten.
Rundum gelungen vom Radio- und TV-Journalisten Hermann Stange erzählt
und detailreich von "Käptn Blaubär"-Zeichner Johann Kiefersauer
illustriert. Absolut einziger Kritikpunkt: Die tolle Geschichte
hört viel, viel zu schnell auf. Wir wollen wissen wie es weiterging
mit Tom, Onkel Friedrichs Spiegeleiern, Erna Wieses Tag- und Nachtbar,
dem Hannes und seinen ganzen Klabauterverwandten. BIDDE! BIDDDDDDDDE!
G. N.
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