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Wie schon die Bände 82, 83 und 85
der “Gesammelten Werke“ wartet auch der nunmehr 86. Band nicht
mit Erzählungen, sondern mit einer Materialiensammlung mit
Schriften von, über und an den Dichter Karl May auf und bietet
damit dem Interessierten weitere Grundlagen zur „May-Forschung“.
Bekannterweise bestanden die legendären grün-goldenen May-Bände
über lange Jahrzehnte aus teilweise sehr stark vom Verlag
überarbeiteten Texten, die oft nicht mehr sehr viel mit der
Originalfassung aus Mays Hand zu tun hatten. Als besonders skurriles
Beispiel sei etwa Band 45 “Szepter und Hammer“ genannt, in dem
einer der Hauptcharaktere des Originalromans in der Fassung des
Karl-May-Verlages erst gar nicht vorkommt, sondern kurzerhand
für in einer Irrenanstalt verstorben erklärt wird.
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Nachdem die Werke Mays bei der Jugend, über die längste
Zeit das Hauptzielpublikum dieser Ausgabe, leider heutzutage stark
an Beliebtheit und Bekanntheit eingebüsst haben, besinnt
sich der KMV nun auf die erwachsenen May-Fans, die seit langem
eine originalgetreue Veröffentlichung der Erzählungen
des Meisters fordern.
So kam es in letzter Zeit zu einer teilweisen “Rückbearbeitung“
der Bände 1-9, 19, 26, 27, 30, 36-38, 48, 49, 65 und 72,
sowie zu teilweise neuen Titelbildern und einer Erweiterung der
Edition nach Band 74 (der lange Zeit den Abschluss bildete) durch
neue Bände. So positiv dieser Schritt auch sein mag, so unzureichend
ist er auch: immer noch beinhalten zahlreiche Bände krass
entstellte Textfassungen, die für eine literaturwissenschaftliche
Betrachtung wertlos sind. Besser wäre gewesen, die “Gesammelten
Werke“ komplett mit neuer Nummerierung und originalgetreuen, ungekürzten
Texten herauszugeben. So bleibt dieser Versuch einer Aufwertung
der GW nur eine halbherzige Angelegenheit. Schade um die verpasste
Chance.
Der vorliegende Band “Meine dankbaren Leser“ enthält
den Text einer Broschüre aus dem Jahre 1902 mit dem Titel
“Karl May als Erzieher – Die Wahrheit über Karl May, von
einem dankbaren May-Leser“, verfasst pikanterweise von Karl May
selbst, sowie den ungekürzten Nachdruck von 70 Leserbriefen
an May aus seinem Nachlass (teilweise als Faksimile).
Fazit: für Literaturwissenschaftler, hartgesottene
May-Fans und zeitgeschichtlich Interessierte bietet der 86. Band
der GW einmal mehr interessante Einblicke in das Schaffen des
Autors und in das Seelenleben seiner Leser. Inwieweit die Aufnahme
von knapp 300 Seiten Leserbriefe, die naturgemäß nicht
von Mays Hand stammen, in die “Gesammelten Werke“ Sinn macht,
sei einmal dahingestellt. Ob der Durchschnittsleser, auf den diese
Edition über lange Zeit zugeschnitten war, über diese
verlegerische Entscheidung sonderlich dankbar sein wird, darf
jedenfalls bezweifelt werden. Dennoch hoffen wir auf viele weitere
Bände mit interessanten Funden aus den Archiven des Karl-May-Verlags.
Stefan Meduna
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