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"Wenn man von der Erde aus drei Monate lang geraden Weges
nach der Sonne geht und dann in derselben Richtung noch drei Monate
lang über die Sonne hinaus, so kommt man an einen Stern, welcher
Sitara heißt …“
Mit diesen Worten begann Karl May seine Selbstbiographie “Mein Leben
und Streben“, und mit einer Reise nach Sitara beginnt auch dieser
Roman aus dem Alterswerk Mays. Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef
Omar weilen zu Gast bei der weisen Kurdin Marah Durimeh, der Fürstin
dieses mysteriösen “Landes der Sternenblumen“. Eine Mission sendet
die Gefährten zum „Mir von Dschinnistan“, doch der lange und beschwerliche
Weg führt durch das Herrschaftsgebiet des gefährlichen “Mir von
Ardistan“ und durch den Wald von Märdistan mit seiner Geisterschmiede.
Kara und Halef sehen sich Herausforderungen gegenüber, die noch
nie zuvor ein Mensch bestehen musste, denn diese Reise führt in
Gebiete, die weitgehend unerforscht sind – direkt ins Land der
Menschheitsseele.
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Erstmals 1907 in Fortsetzungen im “Deutschen Hausschatz“ erschienen,
erfuhr dieser Roman 1909 für die erste Buchausgabe im Fehsenfeld
Verlag tiefgreifende Bearbeitungen von der Hand des Autors selbst,
u.a. massive Kürzungen und inhaltliche Änderungen. Folgten die
im Laufe der Zeit bei verschiedenen Verlagen erschienenen Buchausgaben
in der Regel der Fehsenfeld-Ausgabe (ungeachtet weiterer redaktioneller
Bearbeitungen), so wurde auch bereits der Hausschatz-Text als
“ungekürzte Urfassung“ im Reprint als Buch herausgegeben. Der
Karl-May –Verlag wartet nun mit dieser Neuausgabe mit einer besonderen
Überraschung für Sammler auf: nachgedruckt wird hier nämlich erstmals
die Original-Manuskriptfassung Mays (die sich im Besitz des KMV
befindet und eines der wenigen erhalten gebliebenen Originale
ist). Selbst der Autor persönlich verwendete 1909 für seine Neubearbeitung
des Stoffes den Zeitschriftentext, diese Erstveröffentlichung
des Manuskripts macht also wohl nicht nur Literaturwissenschaftlern
Freude.
Von den im Verlagstext angekündigten umfangreichen Anhängen (von May-Experte Nr.1, Hans Wollschläger, der bereits 1959 die erste Vergleichslesung dieses Romans vornahm) ist leider im ersten Band absolut nichts zu finden, die sind wohl erst dem zweiten Band (geplant für 2006) vorbehalten, Details zu Entstehungsgeschichte und Unterschiede zwischen Manuskript und Hausschatz-Fassung können hier also leider noch nicht besprochen werden.
Fazit: Eine bibliophil aufbereitete Ausgabe des Urtextes
eines der bedeutendsten Werke Karl Mays. Wird Karl Mays Alterswerk
von den Fans wegen der teilweisen Schwülstigkeit einiger Romane
eher kritisch beäugt, so hat May mit "Ardistan und Dschinnistan“
doch ein –meist verkanntes- Meisterwerk der deutschen Literatur
vorgelegt. Mays liebenswürdiger Humor lässt uns von Gemütsmenschen
und sogar Gemütspferden erfahren, und wie immer lernen wir gar
seltsame Charaktere kennen und freuen uns, einmal mehr mit Kara
Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar auf die Reise in ferne –und doch
vielleicht diesmal so nahe- Gefilde zu gehen.
Stefan Meduna
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