Seit rund drei
Jahren grassiert ein Virus durch die deutsche Buchverlagslandschaft - der
sogenannte Debut-Roman. Erstlingswerke in der Überzahl von jungen, attraktiv
anzusehenden Autorinnen. Frauen machen sich eben gut in den diversen Talk-Shows
neben den Altherren-Moderatoren. Da dürfen sie dann auch immer ihre in lustig
bunte Pappe gebundenen Debuts in die Kamera halten und gelegentlich auch mal ein
paar (immer wieder lustige) Wörter wie "Ficken" sagen. Dies erinnert
konsumententechnisch an den alten Joghurette-Werbespot: "Nachts stehe ich
manchmal auf und hole mir einen Debut-Roman aus dem Kühlschrank. Aber leicht
muss er schmecken!" Und sie "schmecken" extrem dünn, die meisten
dieser Debut-Romane, denn zu erzählen haben die Debutantinnen nämlich wenig
bis gar nichts, das aber breit ausgewalzt.
| |
 |
|
| |
Der
Debut-Roman-Virus hat jetzt offensichtlich auch den Eichborn-Verlag
erfasst. Immerhin hat der Roman-Stoff schon seit 22 Jahren in der
nur 30jährigen Autorin Nika Bertram gegärt, wie es so schön im Werbezettel
des Verlages heißt. Auch das die Autorin nichts vom "gewöhnlichen"
realistischen Erzählen hält und dabei so eigen ist, dass man das
Buch jetzt einen Monolithen in der Literatur nennen muss, steht
da. Die Jung-Autorin ergänzt dann noch mit dem flockigen Statement:
"Ich komme aus der Hochliteratur und klaue mir die besten Motive
aus Science Fiction und Horror. Was ich mache ist Genre-Fucking."
Welche Hochliteratur hat Frau Bertram denn vor ihrem Erstling veröffentlicht?,
fragt man sich da naiv und ist gespannt, was da 22 Jahre in ihr
gegärt hat.
Comic-Zeichnerin Nadine wird
in einer ominösen Zelle festgehalten, und soll "zu ihrem eigenen
Besten" die Geschichte ihres Lebens niederschreiben. Allerdings
ohne Bilder, quasi eine Strafe für die Zeichnerin. Dann beginnt
Nadine bzw. die Autorin zu erzählen, sprich mit dem Genre-Fucking
bzw. eigentlich dem Genre-Hopping (wenn wir schon bei neudeutschen
Wortschöpfungen sind). Nadine die Comic-Zeichnerin erinnert sich
an ihre Verwandlungsphantasien in Meeresgetier, an ihre immer irgendwie
gemütsschweren lesbischen Beziehungen, an ihren Halbbruder einen
Computer-Freak, an die Erlebnisse mit dem Vater der sich schließlich
erhängte, an ihre Versuche sich als Zwischenwesen, weder Fisch noch
Fleisch, heimisch zu fühlen in dieser technischen Welt, in der alles
austauschbar geworden ist. Sogar die Wahl des Geschlechts. Durchsetzt
wird das Ganze mit Zitaten aus diversen Songtexten und Schwarz/Weiß
- Illustrationen der Berliner Comic-Zeichnerin Lilian Mousli.
Nach der Lektüre fragt man sich, was das Ganze sollte? Wo ist das
Neue und Unbekannte an diesem Roman? Abgesehen von den mal mehr,
mal weniger gelungenen Ausflügen in die sogenannte Trivialliteratur.
Versatzstücke ergeben nun mal keine Story, schon gar keine monolithisch
aus einem Block gehauene. Wenn man einen guten Horror- oder SF-Roman,
oder einen guten Comic lesen will, kann man sich sortenrein eindecken.
Da braucht´s kein Genre-Geficke. Keine Frage, als Jungautorin und
Gewinnerin des 1. Bonner Blumentopf Preises für innovative Literatur
soll und muss sich Frau Bertram in der Schreibkunst üben. Nur, muss
man so ein Erstlingswerk auch gleich veröffentlichen? Sollte die
Autorin nicht vorher auch selbstkritische Distanz gegenüber der
eigenen Schreibe eingeübt haben? Mit zwei bis drei Romanen erstmal
für die Schublade?
Anscheinend nicht. Aber, um beim Fucking-Wortschatz zu bleiben -
Who gives a fuckin´ shit?! In einigen Jahren wird sich herausstellen,
wer von den Debutantinnen noch auf dem Buchmarkt übrig geblieben
ist. Wir hingegen lesen bis dahin dann doch lieber die besseren
Bücher aus dem Eichborn-Verlag. In unserem Zone-Archiv werden Sie
da fündig.
G. N.
Dieses
BUCH bei AMAZON bestellen, hier anklicken
Bei
ebay Bücher kaufen, hier anklicken
|