Michael Valentine Smith ist ein ganz normaler Mensch… äußerlich zumindest. Was ihn von all seinen Mitbürgern unterscheidet, ist die Tatsache, dass er auf dem Mars von Marsmenschen aufgezogen wurde. Als er von einem irdischen Raumschiff –mehr oder weniger als Gefangener- zur Erde zurück gebracht wird, hat er einiges worüber er sich wundern kann… er wird mit einer ihm völlig fremden Kultur konfrontiert.
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Die
Gattung Mensch ist schon eine ganz besonders verrückte Spezies.
Und doch, unter all den schrägen Vögeln findet Michael auch neue
Freunde wie den seltsamen Dr. Jubal. Er gründet die „Kirche aller
Welten“, die den Erdlingen marsianische Philosophie und Lebensart
beibringt. Dazu gehört auch die freie Liebe – die 60er Jahre können
beginnen. Doch es ist nicht leicht, ein Messias zu sein...
Wie einige andere "Meilensteine der Science Fiction“ (so der
Reihentitel) lag auch dieser Roman bislang bei Heyne nur in gekürzter
Form vor, nun darf sich der SF-Freund über eine komplette Fassung
innerhalb dieser Edition freuen. Dass berühmte Romane bei uns schändlich
gekürzt werden, war bis weit in die 90er beileibe keine Seltenheit,
besonders betroffen waren neben vielen SF-Romanen auch ganz massiv
die "Heyne Western Classics“ und Krimiklassiker wie z.B. jene
von Patricia Highsmith (Diogenes) oder Ed McBain (Ullstein). Im
Falle dieses Romans war der Verlag (die gekürzte Erstausgabe erschien
bei Heyne 1970) aber unschuldig, bereits der Originalroman war 1961
in den USA nur in verstümmelter Form erschienen. Erst 1991 – nach
Heinleins Tod- erschien in den USA dieser "Director’s Cut“.
Erwähnen sollte man noch, dass Heyne sich mit dem Werbeslogan "Erstmals
in der ungekürzten Originalfassung“ mit fremden Federn schmückt
– bei Bastei erschien die Komplettversion bereits 1996. Wer die
versäumt hat, sollte nun zugreifen. Es existiert auch eine E-book-Version,
die allerdings groteskerweise genau so viel kostet wie die Buchausgabe.
Ist
die "Langfassung“ jetzt wirklich besser als die alte Version?
Darüber könnte man jetzt lange streiten, deshalb lasse ich die Frage
wohl besser unbeantwortet. Auf jeden Fall hat sich das Werk auch
nach all den Jahren eine erstaunliche Frische bewahrt, auch wenn
man es natürlich im Kontext der Zeit, in der es entstanden ist betrachten
muss. Das von Heinlein satirisch betrachtete Amerika ist logischerweise
das Amerika der 60er, nichtsdestotrotz beweist Heinlein eine nahezu
prophetische Gabe, denn er nimmt immer wieder die Entwicklungen
der 70er und 80er vorweg. Erstaunlich (oder erschütternd?) ist aber,
wie viel dieser Gesellschaftskritik heute noch brandaktuell ist.
Heinleins unbeschwerter Sexismus fiele heutzutage wohl der unseligen
"political correctness“ zum Opfer, deshalb wirkt diese Zeitreise
in eine vorfeministische Ära ungemein erfrischend. Ich kann beileibe
nicht mit allen von Heinleins Büchern etwas anfangen, neben dem
grandiosen "Sternenkrieger“ ("Starship Troopers")
ist dieses aber eindeutig mein Favorit.
Fazit: Was soll man zu diesem Buch noch groß sagen? Mir liegt das Wort “Pflichtlektüre“ auf den Lippen, aber das klingt allzu sehr nach den verstaubten Schmökern, die uns in der Schule aufgezwungen wurden. Wer sich nur entfernt für phantastische Literatur interessiert, kommt an diesem Roman nicht vorbei. Auch nach all den Jahren ist Heinlein immer wieder für hitzige Kontroversen gut. Ein Kultklassiker von zeitloser Qualität.
Stefan
Meduna
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