Die Königskinder
von Parros, die Zwillinge Rinda und Remus, entkommen nur knapp einem
furchtbaren Massaker durch eine grausame Invasionsarmee an ihrer Familie
und fliehen in die finsteren und gefährlichen Dämonenwälder. Doch
die Mordsschergen, die Mongaul, sind ihnen dicht auf den Fersen und
holen die beiden 14jährigen rasch ein. Es wäre um die Kinder geschehen,
wäre nicht aus dem Dunkel des Waldes ein geheimnisvoller, halbnackter
Waldmensch mit einer Leopardenmaske und zwischen die Verfolgten und
ihre Häscher getreten.
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Der
unheimliche Kämpfer macht im Alleingang den gesamten Kampftrupp
nieder. Die verängstigten Kinder wollen erst fliehen, denn wer kann
wissen, ob der grausame Krieger nicht sie selbst als nächste Opfer
seines Blutdurstes betrachtet? Doch die seherisch begabte Rinda
fasst Zutrauen zu dem merkwürdigen und offenbar verletzten Geschöpf,
und so freunden sich die drei Ausgestoßenen an. Der Leopardenkrieger
hat jegliche Erinnerung um seine Vergangenheit und Identität verloren
und nur der Name "Guin“ scheint ihm geblieben zu sein. Die
unheimlich anzusehende Leopardenmaske lässt sich trotz verzweifelter
Bemühungen der Gefährten nicht abnehmen – selbst Guin kennt sein
eigenes, wahres Gesicht nicht.
Der Übermacht ihrer Feinde sind
die drei Kameraden nicht gewachsen – sie landen in den Kerkern
des unsagbar bösen “Schwarzen Grafen“ Vanon. Dort
treffen sie den Söldner Istavan und das Mädchen Suni,
die die kleine Gemeinschaft bald vergrößern. Gemeinsam
planen sie die Flucht aus der Festung Stafolos, doch die kleine
Gruppe ahnt noch nichts vom wahren Ausmaß der finsteren Pläne
des Grafen...
Die japanische Journalistin und Literaturkritikerin Kaoru Kurimoto
nahm Ende der 70er Jahre ein ehrgeiziges schriftstellerisches Projekt
in Angriff: ihre monumentale Fantasy-Saga um den geheimnisvollen
Krieger mit der Leopardenmaske Guin war auf nicht weniger als 100
Bände angelegt. Mehr als ein Vierteljahrhundert ist nun ins
Land gezogen – und woran wohl nur wenige geglaubt haben, ist
längst Realität geworden: in Japan sind mittlerweile 97
Bände erschienen, die zahlreichen Sonderbände mit Stories
um Nebencharaktere und andere Handlungsstränge noch gar nicht
mitgerechnet. Die Guin-Saga ist damit zweifellos die umfangreichste
Fantasy-Saga aller Zeiten. In Japan sowieso längst Kult und
regelmäßig auf den japanischen Bestsellerlisten zu finden,
war die Guin-Saga außerhalb Japans leider doch relativ unbekannt.
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Spät, aber doch, kommt sie nun auch
in deutscher Übersetzung. Ein Wermutstropfen ist natürlich, dass
man offenbar aus dem Amerikanischen und nicht aus dem Original übersetzt
hat. Solche –leider nicht unübliche- “Ringübersetzungen“ kommen
nur selten der inhaltlichen Qualität zugute. Weiters hat man leider
auf die wunderschönen japanischen Originalcover (u.a. von “Final
Fantasy“-Designer Yoshitaka Amano) verzichtet und wartet dafür mit
in einem Pseudo- Mangastil sehr ungelenk gezeichneten Titelbildern
auf.
Aber genug der Kritik: Auch in der
deutschen Fassung ist Kurimotos ungemein spannende und actionreiche
Fantasy-Erzählung ein Meilenstein des Genres der “Heroic Fantasy“
und wird hoffentlich auch hierzulande viele Fans finden. “Im Auge
des Leoparden“ ist nur der Auftakt zu einem gewaltigen Epos, das
an Umfang und Spannung seinesgleichen sucht. Ein Pflichttitel für
jeden Freund der Fantasy und der japanischen Literatur! Der zweite
Band liegt auch schon vor (womit nur noch 98 Bücher fehlen).
Stefan Meduna
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