Endlich
kommt wieder echte Bewegung in den dahin dümpelnden Bereich der Filmzeitschriften.
Während Cinema mühsam den Trends hinterher hechelt, ist die
Konkurrenz oft wenig mehr als eine bebilderte Beilage zur Beilage-DVD
oder nur an einem sehr engen Spezialgebiet wie dem möglichst blutigen
Horrorfilm interessiert. Lediglich Freunde des speziellen Films werden
mit Splatting Image recht gut bedient, dies allerdings nur
viermal im Jahr.
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Doch
jetzt versucht die preisgekrönte britische Filmzeitschrift Empire
laut Vorwort “nach Australien und Russland“ auch den deutschen Markt
zu beglücken. Die Mischung der ersten Nummer kann mit exklusiven
Berichten zum Harry Potter – Finale oder zur actionreichen
Comicverfilmung R. E. D. mit Bruce Willis und Helen Mirren
durchaus überzeugen. Noch schöner ist jedoch der schrullige Humor,
der u. a. in allerlei kleinen Info-Boxen mit nerdigen Fachwissen
zum Ausdruck kommt. So ist zu erfahren, dass es nicht etwa von Harrison
Ford oder Sean Connery die meisten Lego-Figuren gibt, sondern
vom Charakterdarsteller Alfred Molina. Dieser ist sowohl als Doc
Ock aus “Spider-Man 2“
wie auch als Scheich Amar aus “Prince
of Persia“ und Satipo aus “Jäger
des verlorenen Schatzes“ käuflich zu erwerben.
Der wohl interessanteste Artikel beschäftigt sich mit “The Future
of the Movies“. Empire lud hierzu die drei (zumindest technisch)
innovativsten Filmemacher unserer Zeit ein: James Cameron, Steven
Spielberg und Robert Zemeckis. Mit “Der
Polarexpress“, “Die
Legende von Beowulf“ und “Disneys
Eine Weihnachtsgeschichte“ hat Zemeckis die meiste Erfahrung
damit die schauspielerischen Leistungen von Stars wie Tom Hanks,
Angelina Jolie oder Jim Carrey mit dem sogenannten “performance
capture“ auf ihre digitalisierten Ebenbilder zu übertragen. In “Die
Legende von Beowulf“ ließ er sogar den eher pummeligen Ray
Winstone zum hünenhaften Krieger mutieren. Auch bei James Camerons
“Avatar“ beschränkte
sich die Leistung der beteiligten Schauspieler nicht – wie ansonsten
meist im Trickfilm – darauf, dass sie ihre Stimme zur Verfügung
stellten. Sam Worthington und Sigourney Weaver steckten monatelang
in speziellen hautengen Anzügen und die schauspielerische Leistung
der zum blauhäutigen Alien verwandelten Zoë Saldaña wurde kaum gewürdigt.
Steven Spielberg hingegen arbeitet
gerade an einer Verfilmung von Hergés “Tim und Struppi“.
Der nach “Der Herr
der Ringe“ und “King
Kong“ zum “performance capture“-Veteran gewordene Andy
Serkis wird hier den Kapitän Haddock spielen. Seine Gestik und Mimik
steuert in Echtzeit eine computeranimierte Ligne Claire Figur. Spielberg
hält die Leistung von Serkis für vergleichbar mit der oscarprämierten
Darbietung von F. Murray Abraham, der in “Amadeus“, der
per Make-Up-Prothesen in den 90-jährigen Salieri verwandelt wurde.
Nach Meinung von Zemeckis, Cameron und Spielberg müssten Stars dank
“performance capture“ keine Angst mehr vor dem Altern haben. So
könnte dadurch Clint Eastwood getrost noch einen weiteren “Dirty
Harry“-Film drehen und selbst ein neunzigjähriger Harrison
Ford könnte als Indiana Jones auf den Kinoleinwänden herumturnen.
Auch Gender-Einschränkungen gäbe es nicht mehr und Meryl Streep
wäre bestimmt ein prima Abraham Lincoln.
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