Wer einen
temporeichen, vor Action strotzenden, fesselnden Krimi sucht ... dem
empfehle ich etwas anderes. Wer jedoch bereit ist sich gemächlich
auf die Lösung generations-übergreifender Geheimnisse einzulassen,
ist eingeladen weiter zu lesen, bzw. sollte die Bekanntschaft machen
mit Herrn Jørgensen.
Einen
Sommer lang wird Kriminalassistent Ansgar Jørgensen von Kopenhagen
auf die sehr ruhige und gemütliche Insel Lilleø versetzt, auf der
es laut seinem Vorgesetzten Malte Hansen seit 200 Jahren kein Verbrechen
gab. Ziel der Versetzung ist “eine sozialtechnische Assimilationsschulung
zur Stärkung der Orientierungsleistung wahrnehmungsgeographischer
Akkomodationsprozesse" – dahinter steckt, geschickt verpackt
von Psychologen, die Hoffnung der Polizei, jungen ambitionierten
Mitarbeitern, das Landleben etwas schmackhafter zu machen.
Jørgensen
ergibt sich in sein Schicksal und seine Aufgabe das polizeiliche
Archiv auf Lilleø etwas aufzuräumen. Er lernt Land und
Leute kennen und erforscht Flora und Fauna der kleinen Insel. Doch
schon recht bald findet sein Forscherdrang überall auf der
Insel kleine Ungereimtheiten, ungeklärte Todesfälle und
geheimnisvolle Geschichten über ein mysteriöses Schiff,
dass Anfang des Jahrhunderts in der nun trockengelegten Meeresbucht
in Seenot geriet. Anfangs belächelt, können die Bewohner
Lilleøs doch nicht umhin, die Ankunft des “Kommissars”
mit dem Tod des Schafbauers Hans Larsen in Verbindung zu bringen.
Als Leser ist man sich fast
bis zum Schluss nicht sicher ob Jørgensens Verbrechenssuche, die
mehr auf Intuition baut als auf Fakten, nicht nur ein Ausweg seiner
Fantasie aus der beschaulichen Weltordnung von Lilleø ist. Doch
dieser kleine Zweifel und die aufmerksame und liebenswerte Beschreibung
der Insel und alles was darauf lebt, macht dieses Werk lesen – und
schenkenswert und man gräbt sich weiter durch die mit Tieren und
Pflanzen betitelte Kapitel.
Mit "Die Instrumente des
Herrn Jørgensen" führen einen die Gebrüder
Precht auf eine intelligente, aufmerksame und liebevolle Reise des
Insellebens, der Natur, die Kunst der Archivierung, Mystik, Fantasie
und der Wahrheitssuche.
Zuerst erschienen unter dem Titel
"Das Schiff im Noor", wurde diese überarbeitete
Fassung erst möglich durch Richard David Prechts Erfolg mit dem
Philosophiebuch "Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?".
Eigentlich schade, dass es einer Empfehlung von Elke Heidenreich
bedarf um gute Bücher bekannt zu machen.
Turner
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