Josef
Haslingers Roman "Opernball",
über einen Giftgasanschlag auf den Wiener Prominenten-Auftrieb, wurde
vom "Literarischen Quartett" über den grünen Klee gelobt.
Dabei wurde auch hervorgehoben, dass das Buch sowohl sprachlich als
auch als Thriller voll überzeugen kann. Der österreichische Autor
versteht es wirklich seine Leser von der ersten bis zur letzten Seite
auf die selbe Art zu fesseln, wie dies sonst nur bei den Büchern seiner
amerikanischen Kollegen Grisham oder King der Fall ist. Daher wurde
"Opernball" schließlich auch fürs Fernsehen verfilmt.
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Entsprechend
hoch sind natürlich die Erwartungen bei einem neuen Buch von Haslinger.
Der Auftakt seines neuen Werk "Das Vaterspiel" zeigt,
dass der Autor es immer noch versteht seinen Leser sofort in den
Bann zu ziehen. Die Hauptperson des Buches, die aufgrund ihres Rattengesichtes
von den meisten Mitmenschen einfach nur "Ratz" genannt
wird, erhält einen Anruf von seiner fast verloschenen ehemaligen
Flamme. Diese Mimi bittet Ratz nun um einen Gefallen und lädt ihn
hierzu nach New York ein. Nachdem sich sein Vater eine Geliebte
zulegte, hat Ratz damit begonnen aus seinem Hass ein "Vater
Vernichtungs"-Videospiel zu basteln und er hofft nun dieses
in New York vermarkten zu können.
Diese Handlungsebene ist jedoch nur der sehr dünne äußere Rahmen
des Buches. Ansonsten wird ausgiebig und sprunghaft in Rückblenden
von Ratzs Jugend erzählt. Ein weiterer Bestandteil sind die Erlebnisse
des litauischen Juden Jonas Shtrom, dessen Familie während des Zweiten
Weltkrieges komplett vernichtet wurde. Ende der fünfziger Jahre
glaubt Shtrom einen der Mörder in einem erfolgreichen amerikanischen
Geschäftsmann erkannt zu haben. Dieser taucht daraufhin in einem
Haus in der Nähe von New York unter. Da der vermeintliche Massenmörder
weitläufig mit Mimi verwandt ist, soll ihr Freund Ratz, der ihr
früher schon einmal aus Liebe die gesamte Wohnung renoviert hat,
ein absolut sicheres Versteck bauen.
Manchmal droht "Vaterspiel" in zu viele Einzelteile zu
zerfallen. Seltsamerweise erscheinen die eingestreuten Erlebnisberichte
von Jonas Shorts oft wie Fremdkörper, inmitten der sehr viel genauer
geschilderten Szenen aus Ratzs Jugend. Dieser Teil des Buches, für
den die nüchterne Form einer Zeugenaussage gewählt wurde, ist für
die eigentliche Story eher entbehrlich. Doch diese gerade in Haiders
Österreich natürlich unendlich aktuelle und wichtige Thematik wirkt
sogar ein wenig aufgesetzt, denn der innere Konflikt von Ratz, der
einen Nazi-Mörder versteckt um einer Frau, die er immer noch liebt,
zu gefallen, interessiert Haslinger nicht sonderlich. Es wirkt sogar
ein wenig so, als hätte er dem Buch kurz vor der Vollendung noch
einen deutlicheren antifaschistischen Kick geben wollen.
Der Handlungsbogen mit dem einst rebellischen
Vater, der als erfolgreicher sozialdemokratischer Politiker schließlich
immer mehr den Reizen des Mammons verfällt und sich dadurch zunehmend
von seiner Frau und seinem Sohn entfremdet, kann hingegen voll überzeugen.
Somit ist "Das Vaterspiel" ein zwar zwiespältiges, aber
unbedingt lesenswertes, Buch. Der Leser stößt inmitten einer wild
wuchernden Handlung immer wieder auf unglaublich gut gelungene Episoden.
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