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Vatermörder


 
Autor: Josef Haslinger
Titel: Das Vaterspiel
Originaltitel: -
Umfang: 574 Seiten
Format: Taschenbuch
Preis: EUR 10,95
Verlag: S. Fischer
ISBN: 978-3596152575
Website: www.s-fischer.de


Josef Haslingers Roman "Opernball", über einen Giftgasanschlag auf den Wiener Prominenten-Auftrieb, wurde vom "Literarischen Quartett" über den grünen Klee gelobt. Dabei wurde auch hervorgehoben, dass das Buch sowohl sprachlich als auch als Thriller voll überzeugen kann. Der österreichische Autor versteht es wirklich seine Leser von der ersten bis zur letzten Seite auf die selbe Art zu fesseln, wie dies sonst nur bei den Büchern seiner amerikanischen Kollegen Grisham oder King der Fall ist. Daher wurde "Opernball" schließlich auch fürs Fernsehen verfilmt.
 
    
 

Entsprechend hoch sind natürlich die Erwartungen bei einem neuen Buch von Haslinger. Der Auftakt seines neuen Werk "Das Vaterspiel" zeigt, dass der Autor es immer noch versteht seinen Leser sofort in den Bann zu ziehen. Die Hauptperson des Buches, die aufgrund ihres Rattengesichtes von den meisten Mitmenschen einfach nur "Ratz" genannt wird, erhält einen Anruf von seiner fast verloschenen ehemaligen Flamme. Diese Mimi bittet Ratz nun um einen Gefallen und lädt ihn hierzu nach New York ein. Nachdem sich sein Vater eine Geliebte zulegte, hat Ratz damit begonnen aus seinem Hass ein "Vater Vernichtungs"-Videospiel zu basteln und er hofft nun dieses in New York vermarkten zu können.

Diese Handlungsebene ist jedoch nur der sehr dünne äußere Rahmen des Buches. Ansonsten wird ausgiebig und sprunghaft in Rückblenden von Ratzs Jugend erzählt. Ein weiterer Bestandteil sind die Erlebnisse des litauischen Juden Jonas Shtrom, dessen Familie während des Zweiten Weltkrieges komplett vernichtet wurde. Ende der fünfziger Jahre glaubt Shtrom einen der Mörder in einem erfolgreichen amerikanischen Geschäftsmann erkannt zu haben. Dieser taucht daraufhin in einem Haus in der Nähe von New York unter. Da der vermeintliche Massenmörder weitläufig mit Mimi verwandt ist, soll ihr Freund Ratz, der ihr früher schon einmal aus Liebe die gesamte Wohnung renoviert hat, ein absolut sicheres Versteck bauen.

Manchmal droht "Vaterspiel" in zu viele Einzelteile zu zerfallen. Seltsamerweise erscheinen die eingestreuten Erlebnisberichte von Jonas Shorts oft wie Fremdkörper, inmitten der sehr viel genauer geschilderten Szenen aus Ratzs Jugend. Dieser Teil des Buches, für den die nüchterne Form einer Zeugenaussage gewählt wurde, ist für die eigentliche Story eher entbehrlich. Doch diese gerade in Haiders Österreich natürlich unendlich aktuelle und wichtige Thematik wirkt sogar ein wenig aufgesetzt, denn der innere Konflikt von Ratz, der einen Nazi-Mörder versteckt um einer Frau, die er immer noch liebt, zu gefallen, interessiert Haslinger nicht sonderlich. Es wirkt sogar ein wenig so, als hätte er dem Buch kurz vor der Vollendung noch einen deutlicheren antifaschistischen Kick geben wollen.


Der Handlungsbogen mit dem einst rebellischen Vater, der als erfolgreicher sozialdemokratischer Politiker schließlich immer mehr den Reizen des Mammons verfällt und sich dadurch zunehmend von seiner Frau und seinem Sohn entfremdet, kann hingegen voll überzeugen. Somit ist "Das Vaterspiel" ein zwar zwiespältiges, aber unbedingt lesenswertes, Buch. Der Leser stößt inmitten einer wild wuchernden Handlung immer wieder auf unglaublich gut gelungene Episoden.

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