Italien
im Jahre 2052 ist kein schöner Ort: es herrschen Chaos und Anarchie,
weite Teile Mitteleuropas sind nach einem Anschlag atomar verseucht
und unbewohnbar. Grausame Kämpfe sind an der Tagesordnung. Deutschland
ist eine einzige verstrahlte Todeszone, und Österreich ist aus der
EU ausgetreten (gute Idee, aber reichlich spät) und geht
wieder eigene Wege.
Die
junge italienische Biologin Domenica Ligrina erhält in Rom einen
brisanten Auftrag: auf einer Zeitreise zurück ins 15. Jahrhundert
soll sie im 21.Jahrhundert bereits ausgestorbene Pflanzen und Samenarten
sammeln, um die verstrahlten Gebiete zu “renaturalisieren“. Domenica
ist fasziniert von diesem Vorhaben, nicht zuletzt, weil sie sie
sich immer schon für den im 15. Jahrhundert lebenden Philosophen
und Kirchenfürsten Nikolaus Cusanus interessiert hat.
Deutschland im 15. Jahrhundert: der Kardinal Nikolaus Cusanus erfährt von seinen Untergebenen von einer höchst seltsamen Frau, die Cusanus und seine Gedanken sehr gut zu kennen scheint. Selbst solche, von denen sie unmöglich wissen konnte. Cusanus ist von diesem Mysterium fasziniert, ein Gespräch mit dieser Frau würde sicherlich sehr aufschlussreich sein – schade nur, dass dieses nicht mehr möglich ist, weil besagte Frau mittlerweile als Hexe gefoltert und hingerichtet wurde.
Wolfgang
Jeschke (geb. 1936) ist den deutschen SF- und Fantasyfans wahrlich
kein Unbekannter –von 1973 bis 2001 war er Herausgeber der renommierten
Heyne Science Fiction und Fantasy – Reihe, in der über die Jahre
zahllose Meisterwerke der Genres veröffentlicht wurden. Auch als
preisgekrönter SF-Autor ist er längst kein Unbekannter mehr – hoch
waren nun natürlich die Erwartungen seiner Leser bezüglich des “Cusanus-Spiels“,
ein Roman, an dem Jeschke acht Jahre lang arbeitete. Diese Erwartungen
kann das Buch beim besten Willen nicht erfüllen – der Leser quält
sich mühselig durch verwirrende Handlungsstränge und ausschweifende
Beschreibungen der bösen Zukunftswelt über Domenicas Beziehungskisten
bis hin zu langatmigen philosophischen Ausritten, zu der Zeitreise
kommt es –man hat es schon nicht mehr erwartet- nach 568 Seiten,
und die ist nach ein paar Seiten schon wieder vorbei. Den Leser
zu langweilen ist wohl die Todsünde jeden Autors – und so bleibt
nur noch zu sagen: Jeschkes angekündigtes “Opus Magnum“ ist “Das
Cusanus-Spiel“ leider sicherlich nicht geworden.
Stefan
Meduna
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