London im Jahr 1895 vor den Weihnachtsfeiertagen: Emily Radley erhält einen Brief in einer dringlichen Angelegenheit von ihrem Schwager Thomas Pitt, dem uns wohlbekannten Inspektor von Scotland Yard: Susannah Ross, die in Irland lebende Tante von Emily und Pitts Frau Charlotte, liegt im Sterben. Da Charlotte Pitt erkrankt ist und dem Ruf der Tante nicht folgen kann bittet Thomas Emily, die Reise an ihrer Stelle zu unternehmen. Emily ist ganz glücklich, dem großstädtischen Weihnachtstrubel und ihrer Familie eine Zeitlang entfliehen zu können. Sie willigt ein und reist nach Connemara an der irischen Küste, wo Susannah in dem Dorf Oughterard lebt.
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Emily
hat ihre Tante seit Kindheitstagen nicht mehr gesehen, freundet
sich aber rasch mit der Todkranken und den für Iren doch relativ
umgänglichen Dorfbewohnern an. Trotzdem ist etwas merkwürdig in
dem Dorf, auch wenn Emily nicht genau sagen kann, was es ist. Es
scheint eine angsterfüllte Atmosphäre über Oughterard zu liegen.
Als ein schrecklicher Sturm ein Schiff an der Küste zerschellen
lässt und der einzige Überlebende des Unglücks, Daniel, in Susannahs
und Emilys Haus Unterschlupf findet, holt eine finstere Vergangenheit
das Dorf wieder ein. Jahre zuvor hatte bereits ein Schiffbrüchiger
in Oughterard Zuflucht gefunden, wurde aber bald darauf unter ungeklärten
Umständen ermordet. Und Emily muss im Zuge ihrer Nachforschungen
erfahren, dass das bei weitem nicht das einzige schreckliche Geheimnis
dieses Dorfes ist… Bald schwebt auch sie selbst in tödlicher Gefahr.
So mancher Krimiautor bringt seine Lebenserfahrung als Anwalt, Kriminalist
oder ähnlichem in seine Romane ein. Anne Perry ist zweifellos
besonders prädestiniert für derlei Moritaten: sie wurde
in ihrer Jugend selbst als Mörderin verurteilt. Die Hintergründe
der von ihr und ihrer Freundin begangenen Tat dienten bereits zweimal
als Grundlage für einen Film: 1994 für Peter Jacksons
"Heavenly Creatures" (mit Kate Winslet in der
Rolle der Juliet Hulme, so Perrys richtiger Name) und 2009 für
"Anne Perry-Interiors", einer Dokumentation.
Perry kam für den ebenso grausamen wie sinnlosen Mord mit fünf
Jahren mehr als nur glimpflich davon, und wurde schließlich
als Schriftstellerin reich und berühmt. Gerechtigkeit gibt’s,
so scheint es, nur im Roman.
Fazit:
Dass diesmal nicht Thomas Pitt im Mittelpunkt der Handlung steht,
sondern seine Schwägerin Emily, ist ein ebenso interessanter
erzählerischer Schachzug wie die komplette Handlung in eine
dörfliche Abgeschiedenheit zu verlegen. Litten Perrys letzte
Romane zuweilen unter einigen Längen, ist Der Weihnachtsfluch
wieder ein rundum gelungenes blutgetränktes (Weihnachts-)Fest
für Krimifreunde.
Stefan
Meduna
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