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Südafrika ohne WM

Bücher von Andrew Brown

 

 



Es scheint die Aufregung und Begeisterung über die WM in Afrika ist abgeflaut. Viel wurde gebaut, organisiert, es wurde sich engagiert und viel präsentiert – und schönen Fußball gab es noch dazu. Über die nicht so schönen Seiten dieses Spektakels wurde eher nur kleinlaut berichtet, denn seien wir ehrlich, buntgemischte Fans mit Makarapas und Vuvuzelas machen mehr Spaß als die Situation wo keine Kameras sind. Bevor jedoch Afrika wieder Opfer des kollektiven Aufmerksamkeits-Defizit Syndroms wird, an dieser Stelle ein Paar Empfehlungen um Einblick in immer noch aktuelle Probleme Südafrikas zu bekommen..

 

    

 


"Schlaf ein mein Kind" (btb Verlag) ist Andrew Browns Deutschland Debüt – ein Krimi aus dem kleinen Ort Stellenbosch, Südafrika. Inspector Eberard Februarie – von seiner Familie verlassen und frisch vom Entzug – versucht in Stellenbosch wieder auf die Beine zu kommen. Der Ort verspricht auch eine gemächliche Zukunft, bis am Fluss Ufer die Leiche einer jungen Weißen gefunden wird. In einer Welt in der immer noch die Menschen zwischen Schwarz und Weiß aufgeteilt werden – ergeht es der Wahrheit auch nicht anders. Der Täter scheint schnell gefunden, ein illegaler Einwanderer aus Burundi, womit der Fall zur Zufriedenheit fast aller abgehakt scheint. Nur Xoliswa Nduku, Februaries resolute Kollegin, akzeptiert diese einfache Lösung nicht.

Die Sammlung von Wiegenliedern in einem Notizbuch der Ermordeten wird zum größten Hinweis.
In erster Linie ist "Schlaf ein mein Kind", durchaus ein klassischer Krimi, schön mit ein paar Twists und natürlich einem Inspektor in der Krise. Gleichzeitig wird jedoch auch eine ältere Geschichte erzählt, die schonungslos von der niederländischen Kolonialzeit berichtet. Die beschriebene Missachtung und Verachtung die Südafrikas Land und Menschen in dieser Zeit geschehen ist, ist fast unlesbar und Anfangs durchaus irritierend, scheint es doch von dem eigentlichen Plot abzulenken. Doch nach einigen Kapiteln verweben die eingeschobenen Wiegenlieder beide Plots zu einem Gebilde, das nicht schön, aber durchaus erhellend und spannend ist.

 

    

 

Mit "Würde" erschien danach Browns zweiter Roman in deutsch, auch beim btb Verlag. Wer sich ein Wiedersehen mit Februarie und Xoliswa erhofft wird bitter enttäuscht, doch auch hier greift Brown die Problematik und Ausweglosigkeit der Flüchtlinge innerhalb Afrikas wieder auf (der Englische Titel ist auch Refuge).
Als der Anwalt Richard Calloway den Fall des russischen Geschäftsmanns übernimmt, der angeblich einen kleinen Jungen überfahren hat, gerät seine triste doch heile Welt ins Wanken. Zeugen verschwinden, Polizisten bessern geschickt ihr Gehalt auf, das organisierte Verbrechen profitiert (auch davon) und in diesem Sumpf versucht eine Nigerianische Familie neu anzufangen. Brown zeigt geschickt, das die Frage der Würde keine Frage der Position innerhalb der etablierten Hackordnung ist.

Diese Geschichten sind keine leichte Kost, aber sie sind echt, was sicherlich Browns Erfahrungen als Aktivist in der United Democratic Front und seiner Arbeit als Anwalt und Reservepolizist zu verdanken ist.

Turner

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