Anfang
der achtziger Jahre schrieb ein bis dato unbekannter, Endzwanzigjähriger
ein Buch, das die Horrorliteraturszene veränderte und für einigen
Aufruhr sorgte. Der Mann war Joe R. Lansdale und das Buch hieß “Act
Of Love“. In dem Buch geht es um den so genannten Houston
Hacker, der in dem Viertel Fifth Ward sein Unwesen treibt
und um einen schwarzen Polizeibeamten, der ihn jagt und die Sache
etwas persönlich nimmt.
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Joe
R. Lansdale ist ein unglaublich vielseitiger Autor. Sein Schaffen
umspannt die Genres Horror, Western, Drama und Heimatroman, wobei
zu betonen ist, dass seine Heimat Texas ist und die meisten seiner
Bücher auch dort spielen. Außerdem hat er nicht nur Romane und Kurzgeschichten
geschrieben, sondern auch Drehbücher. Eine seiner gelungensten Werkverfilmungen
ist wohl "Bubba Ho-Tep"
mit Bruce Campbell als Elvis im Altersheim, der gegen eine Mumie
kämpft.
Lansdale scheut sich nicht davor, Gewalt darzustellen, setzt trotzdem
Humor ein und kennt keine Grenzen (die meisten seiner Geschichten
vermischen mehrere Genres). Obwohl Lansdale schon mindestens so
lange schreibt, wie seine Kollegen Jack Ketchum und Richard Laymon,
wird er hierzulande erst gerade entdeckt. Im Golkonda Verlag erscheinen
derzeit mehrere Bücher von ihm, darunter “Kahlschlag“,
das zu seinem Hauptwerk zählt und sogar wohlwollende Kritiken bei
der Zeit bekam .
Eines
voraus: Der Mann kann schreiben. Und er wird immer besser darin.
Sein Erstlingswerk “Akt der Liebe“ wird allerdings überschätzt.
Das Buch, das unter der Reihe Heyne Hardcore erschienen
ist mag damals vielleicht drastisch gewesen sein, einige gute Stellen
haben und auch gelungene Charaktere (wie der schwarze, nicht sehr
attraktive ermittelnde Polizeibeamte), haut aber nach über dreißig
Jahren keinen wirklich mehr vom Hocker. Hat man doch alles schon
viel expliziter in jedem beliebigen heutigen Kinothriller gesehen.
Und Lansdales so typischer Humor, den er zu dem Zeitpunkt des Buches
wohl noch nicht entwickelt hatte, wäre bei dem Thema sowieso fehl
am Platz gewesen.
Bleibt
nur noch als Rechtfertigung zu sagen, dass es ein Erstlingswerk
ist, für sich ganz ordentlich und dass Lansdale später besseres
und bedeutenderes geschrieben hat und immer noch schreibt. (Bereits
in seinem Buch "Nightrunners" - erschienen ebenfalls
bei Heyne Hardcore unter dem Titel "Der Gott der
Klinge" -, das er kurz nach "Act Of Love"
geschrieben hat, zieht er in seiner typischen Manier vom Leder und
der Leser hat dabei einen Heidenspaß.)
Matthias
Schäfer
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