Aviator

Zwei Jahre nach seinem hart umkämpften Werk Gangs of New York legte Martin Scorsese 2004 einen kaum weniger ambitionierten Film nach. Diesmal geht es um den geheimnisvollen Milliardär Howard Hughes (1905 – 1976), der von der Fliegerei und dem Hollywood-Kino (sowie den zugehörigen weiblichen Stars) gleichermaßen besessen war.

Scorsese konzentriert sich auf die Zeit zwischen 1930 und 1950, die optisch am meisten hergibt. Hughes Jugend wird nur kurz angerissen und schon kurz danach befindet sich der Zuschauer mitten in den aufwändigen Dreharbeiten zum Kriegsdrama Hell’s Angels. Hughes setzte eine gewaltige Armada von Flugzeugen ein und stellte die Luftkämpfe des Ersten Weltkrieges filmisch nach. Als das Werk nach jahrelangen Dreharbeiten endlich fertiggestellt war, kam der Tonfilm dazwischen und Hughes ließ alles noch mal drehen. 

Weiter geht es in Aviator mit Hughes Beziehungen zu Hollywood-Stars wie Katherine Hepburn (Cate Blanchett) und Ava Gardner (Kate Beckinsdale), den halsbrecherischen Flugexperimenten, Hughes Kampf mit der Airline Pan Am um die internationalen Flugrechte und seine Flucht in die völlige Isolation.  

Auch ein dreistündiger Film kann einer komplexen Person wie Hughes nicht gerecht werden. Scorsese gelang eher ein Film über die Epoche in der Hughes lebte als ein Film über Hughes. Leonardo DiCaprio überzeugt in der Titelrolle durch Wandlungsfähigkeit. Cate Blanchett spielt die einzige Frau, die Hughes Paroli bieten konnte. Ihre Katherine Hepburn wirkt zunächst eher wie eine Karikatur, gewinnt erst im Verlauf des Filmes an Profil.

Während Scorsese zuvor bei Gangs of New York noch fast ganz auf Spezialeffekte verzichtete, kommt diesmal kaum eine Szene zumindest ohne farbliche Verzerrungen aus. Aviator ist in seinen Details und beeindruckenden Einzelepisoden sehr viel besser gelungen als im großen Ganzen. Dennoch handelt es sich um einen mutigen und kühnen Film, der in manchen Momenten scheitert, dadurch zugleich aber auch seiner Hauptfigur gerecht wird.

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Gangs of New York

Im März 2001 hatte Martin Scorsese sein Opus Gangs of New York abgedreht. Vor mehr als 30 Jahren hatte er erstmals das gleichnamige Sachbuch von Herbert Asbury gelesen und sich fest vorgenommen einen Film daraus zu machen. Im September 2001 führte er eine knapp vierstündige Schnittfassung vor und nach dem Anschlag am 11. September unterzog er seinen Film einer „neuerlichen strengen Prüfung“.

Wahrscheinlich hat es dem Film gut getan noch ein wenig zu reifen. Direkt nach dem 11. September hätte die US-Bevölkerung Bilder von konkurrierenden New Yorker Feuerwehrmännern, die sich um Hydranten prügeln und von einem Kanonenhagel, den die US-amerikanische Marine mitten in die Stadt feuert, unweigerlich in den falschen Hals bekommen. Als der Film in die Kinos kam verwundern gewisse Sequenzen, doch sie schmerzen nicht mehr.

Zunächst sieht es so aus, als wenn Scorsese einmal mehr von den Methoden des Gangstertums und von der Entstehung der Mafia erzählt. Die Geschichte wirkt dabei auch allzu vertraut. Im Jahre 1850 tötet in New York ein sehr böser egozentrischer Bandenführer (brillant: Daniel Day-Lewis als Bill the Butcher) einen etwas milderen religiös motivierten Bandenführer (Liam Neeson). Der Sohn des Opfers (Leonardo DiCaprio) schwört Rache, verfällt aber zunächst dem dunklen Charme des Bösewichts. Zwischen beiden Männern steht dann natürlich auch noch mit Cameron Diaz als trickreiche Taschendiebin eine Frau.



Anfangs ist dem Film deutlich anzumerken, dass Scorsese Kürzungen vorgenommen hat, manche Übergänge wirken holperig, während die Musikuntermalung oft etwas unpassend und penetrant erscheint. Doch die grandiosen Bilder und die unglaublich detailverliebte Ausstattung entschädigen mehr als reichlich. Das Ende überrascht wirklich und macht den Film doch noch zu einem Meisterwerk: Die beiden feindlichen Gangs wollen sich gerade eine weitere wüste Straßenschlacht liefern. Plötzlich marschiert die US-Army auf und schlägt mit brutaler Gewalt (die deutlich heftiger ausfällt als alles was der Film zuvor zeigte) einen gleichzeitig stattfindenden Aufstand gegen die allgemeine Wehrpflicht nieder.

In der Tat erhoben sich 1863 mehr als 70.000 New Yorker und wollten nicht an den Fronten des amerikanischen Bürgerkrieges sterben. Dieses blutige Ereignis setzt der Film in erschütternde Bilder um, die noch lange nachwirken. Gangs of New York mag seine Schwächen haben, aber schon die Tatsache, dass Scorsese bei der Erstellung seiner Endfassung nicht einknickte verdient Respekt. Dadurch wurde sein Film zu einer (leider wohl allgemeingültigen) Parabel auf die gnadenlose Funktionsweise unserer Gesellschaft.

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Shutter Island

2010 spielt Leonardo DiCaprio nach Gangs of New York, Aviator und Departed, bereits seine vierte Hauptrolle in einem Film von Martin Scorsese. Da die Romanvorlage zu Shutter Island auch noch vom Mystic River-Autor Dennis Lehane stammt, sind die Erwartungen recht hoch. Anfangs gelingt es Scorsese und DiCaprio beträchtliche Spannung aufzubauen.

Im Jahre 1954 reist der US-Marshall Teddy Daniels auf das auf einer abgelegenen Insel vor der Küste von Boston gelegenen Gefängnisinsel Shutter Island. Dort ist eine geisteskranke Mörderin entflohen. Der ärztliche Leiter Dr. Cawley (Ben Kingsley) und das Wachpersonal verhalten sich nicht sonderlich kooperativ.

Doch nicht nur die Zustände auf Shutter Island sondern auch die im Dachstübchen von Teddy Daniels sind mehr als befremdlich. Der Marshall leidet nicht nur schwer am Tod seiner Frau, sondern wird auch noch immer wieder von drastischen Erinnerungen an die Befreiung eines Konzentrationslagers heimgesucht, an der er als Soldat teilnahm.

Formal ist Shutter Island vor allem was die Ausstattung und die Kameraarbeit betrifft durchaus interessant. Doch die immer wieder reichlich penetrant eingestreuten Rückblenden lassen kaum Spannung aufkommen und das Ende des Films ist eher blödsinnig als überraschend.

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Departed – Unter Feinden

2006 erzählt nicht von der italienischen Mafia in New York, sondern von den irischen “Gangs of Boston“. Daher wird der Part, den ansonsten höchstwahrscheinlich Robert De Niro übernommen hätte, von Jack Nicholson verkörpert. Departed – Unter Feinden schildert zwar etliche nicht ganz unkomplizierte Verwicklungen und Beziehungen, doch das Grundgerüst der Story ist eher simpel.

Dem Undercover-Cop Billy Costigan (Leonardo DiCaprio) gelingt es in die Bande des völlig unberechenbaren Unterweltbosses Frank Costello (Nicholson) aufgenommen zu werden. Sein Polizei-Kollege Colin Sullivan (Matt Damon) hingegen steht im Sold von Costello und versucht mit allen Mitteln die Identität des Verräters in dessen Reihen aufzudecken. Außerdem haben Costigan und Sullivan auch noch ein Faible für die ohnehin auf Problemfälle spezialisierte Psychologin Madolyn (Vera Farmiga).

In der Regel sind es eher Fernost-Horrorfilme wie The Ring oder The Grudge die von Hollywood recycelt werden. Doch jetzt hat es auch den Hongkong-Thriller Infernal Affairs erwischt. Angeblich hat Autor William Monahan (Königreich der Himmel) sich diesen Film gar nicht erst angesehen, sondern zum Verfassen seines Drehbuchs lediglich eine Übersetzung des chinesischen Original-Skriptes benutzt. Das US-Remake lässt sich sehr viel mehr Zeit die Charaktere einzuführen, während in Infernal Affairs die Figuren flach blieben und die Geschichte gnaden- und atemlos vorangetrieben wurde. Monahan verpasste der Story zudem noch ein etwas moralischeres aber nicht minder blutiges Finale. Das solide Hongkong-Grundgerüst wurde noch mit zusätzlichen Story-Elementen ausgeschmückt und ergänzt um interessante Nebenfiguren, für die sehr interessante Darsteller verpflichtet werden konnten.

Martin Scorsese setzte als Hauptdarsteller nach Gangs of New York und Aviator zum dritten Mal Leonardo DiCaprio ein. Auch Matt Damon geht voll in seiner Rolle auf. Ebenso glaubhaft wie realitätsnah agiert er als angepasst wirkender Karriere-Cop, der jedoch von der Unterwelt ferngesteuert wird. Jack Nicholson bringt seine diesmal völlig passenden unberechenbaren Mätzchen gewinnbringend ins große Ganze ein. Markante Momente haben auch Martin Sheen und Mark Wahlberg als guter (väterlicher) und böser (aber moralisch intakter) Cop. Auch der bullige britische Darsteller Ray Winstone (Sexy Beast) hinterlässt in seinen kurzen Auftritten als Sullivans rohe rechte Hand Mr. French einen bleibenden Eindruck.

Auf der Tonspur passiert ebenfalls so einiges. Während Howard Shores Soundtrack eher unauffällig bleibt, überzeugt auch diesmal Scorseses pointierter Einsatz von Songs. Zu hören sind einmal mehr die Stones, aber bei romantischeren Momenten auch Pink Floyd und wenn die irische Mafia ausrückt kraftvoller Folk Rock. Nicht unerwähnt bleiben soll auch die Leistung von Kameramann Michael Ballhaus, der hier zum sechsten Mal mit Scorsese zusammenarbeitet. Seine grünlich-grauen Bilder lassen thematisch passend zugleich an TV-Doku und Film Noir denken.

Doch all dies wäre nichts ohne Scorseses meisterliche Bildsprache. Dies zeigt sich vor allen in intimeren Momenten, etwa, wenn Vera Farmiga langsam merkt, dass ihr Freund Colin sie belügt und ein düsteres Geheimnis hat. Eine ebenso knisternde Spannung verbreitet ein Telefonat zwischen Damon und DiCaprio, bei dem beide nicht miteinander reden aber ganz genau wissen wen sie jeweils am anderen Ende der Leitung haben. Departed ist eine gute Stunde (und zwar eine wirklich gute Stunde!) länger als Infernal Affairs und es ist unglaublich was ein wirklich guter Regisseur alles aus einer nur bedingt originellen Geschichte rausholen kann!

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Die Discounter

In Hamburg-Altona leitet Thorsten (Marc Hosemann) seit 20 Jahren den Supermarkt Feinkost Kolinski. Mehr schlecht als recht gelingt es ihm, seine meist jugendlichen Angestellten zu motivieren. Auch sein Ansehen bei Sabine Kolinski, die noch zwei weitere Filialen in Hamburg betreibt, ist auf dem Nullpunkt angelangst. Daher greift Thorsten zu allerlei dreckigen Tricks um seinen Job zu behalten…

Es ist jedoch keine durchgehende Geschichte, die in dieser Amazon-Prime-Produktion erzählt wird. Hauptsächlich geht es um das Zwischenmenschliche, denn das Team von Kolinski fühlt sich entweder zueinander hingezogen oder voneinander angeekelt. In Szene gesetzt ist das Ganze in Form einer fiktiven Reportage mit kurzen Interview-Statements.

Der nicht allzu fähige Thorsten ist dabei eine Art Discount-Version von Stromberg und die vielen Fremdschäm-Momente erinnern an die Serie Jerks.. Deren Hauptdarsteller Fahri Jadim absolviert einen Gastauftritt als Fahri Jadim und auch Christian Ulmen steht kurz bei Feinkost Kolinski herum. Die Serie wurden von Ulmens Firma Pyjama Pictures produziert.

Die Zwillinge Emil und Oskar Belton sowie Bruno Alexander, der Darsteller des Feinkost-Kolinski-Novizen Titus, drehten die komplette Serie an 23 Tagen in einem ehemaligen Aldi-Markt in Hamburg. Mit der Hilfe von engagierten (Selbst?) Darstellern gelingt dem Regie-Trio das Kunststück, sowohl großartige Peinlichkeiten als gelegentlich auch anrührende Momente zu präsentieren.

Die zehnte und letzte Episode ist ein sympathisch in Szene gesetztes Making Of. Zuvor endete die erste Staffel mit einem Betriebsfest, das “20 Jahre Thorstens Markt“ feiert und bei dem kein Auge, aber auch kein Abstinenzler, trocken bleibt. Eine zweite Staffel ist gerade in Produktion. Es bleibt spannend. Wird Pina, die Thorsten schätzt, weil er trotz aller Totalausfälle das Team zusammenhält, tatsächlich die neue Filialleiterin bei Kolinski in Altona wird.

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Hack/Slash

Cassandra Hack ist familiär vorbelastet, leicht hätte auch aus ihr ein Serialkiller bzw. Slasher werden können. Ihre Mutter hatte derart ausgeprägte Schutzinstinkte, dass sie als Köchin der Schulkantine alle Jungs vergiftete, der ihre introvertierte Tochter verspotteten und daher den Slasher-Nickname “The Lunch Lady“ bekam. Nachdem Cassie ihre Mutter umbrachte, verbündete sie sich mit dem missgestalteten aber sanftmütigen Hünen Vlad und begann die Jagd auf durchgeknallte Schlitzer…

Inspiriert von unzähligen Slasher-Filmen wie Halloween, Freitag der 13. oder Scream, aber auch vom ironischen Grundton der TV-Serie Buffy erzählt Tim Seeley in Hack/Slash mit viel Liebe zum Horror-Genre spannende Geschichten über ein interessantes Underdog-Helden-Duo.

Bestens unterstützt wird Seely von den italienischen Zeichnern Stefano Casselli und Federica Manfred, sowie der äußerst plastischen Kolorierung von Sunder Raj und Davide Amici. Dieser liebevoll aufgemachte Sammelband enthält neben den ersten drei Abenteuern von Cassie und Vlad auch noch einen umfangreichen Anhang mit Skizzen und Täterprofilen.

Ein besonderes Vergnügen ist die dritte Story Das Comic-Messen-Massaker. Hier verschlägt es Cassy und Vlad auf eine Comic Convention. Sie können jedoch nicht verhindern, dass die Autoren Steve Niles und Robert Kirkman, die mit 30 Days of Night und The Walking Dead den Horrorcomic wieder salonfähig machten, bestialisch von einem fanatischen Fanboy ermordet werden.

Dabei ist auch zu erfahren, dass der klobige Vlad ein großer Fan des kleinen niedlichen Comic-Eichhörnchens Chippy Chipmunk ist. Es bleibt zu hoffen, dass Vlad es verkraftet, wenn der Zeichner Skottie Young – inspiriert durch Cassie – auf einem Hack/Slash– Variantcover diese Figur in Chippy the Slasher Slayer verwandelt.

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John Grisham: Der Verdächtige

John Grisham ließ in Der Polizist den Anwalt Jake Brigance aus seinem 1989 entstandenen Erstlingswerk Die Jury zurückkehren und setzte den Buchhändler Bruce Cable sowohl in Das Original als auch in Das Manuskript als Hauptfigur ein. Im Nachwort zu Der Verdächtige schreibt Grisham, dass er viel an Lacy Stoltz aus Bestechung gedacht hat und “sie immer gerne nochmal in ein Abnteuer schicken wollte.“

Die ledige Anwältin arbeitet in Florida bei einer unterbudgetierten Rechtsaufsichtsbehörde, die die dortigen Justiz-Organe kontrollieren soll. Nachdem Lacy in Bestechung gegen eine Richterin ermittelte, die auf der Lohnliste einer geheimnisvollen kriminellen Organisation stehen soll, bekam sie es in Der Verdächtige mit einem “serien-mordenden Richter“ zu tun.

Mit der Figur des seine Opfer immer mit einem Nylonseil und einem Seemannsknoten ermordenden Ross Bannick verlässt Grisham das Genre des gut recherchierten oft eine soziale Botschaft vermittelnden Gerichtsthrillers. Spätestens, wenn klar wird, dass Richter Bannick teilweise mehrere Jahrzehnte wartet, bis er jemanden tötet, der ihm einst Ärger bereitet hat, betritt der Bestseller-Autor das mythologische Reich von hochintelligenten Serial-Killern wie Hannibal Lecter oder Norman Bates.

Der Spannung tut so manches Klischee jedoch keinen Abbruch. Neben Lacy Stoltz steht mit Jeri Crosby eine weitere starke Frauenfigur im Zentrum des Buchs. Jeris Vater wurde vor 20 Jahren von Ross Bannick ermordet und seitdem versucht seine Tochter gerichtsfeste Beweise gegen den Richter zu finden. Grisham gelang wieder ein äußerst mitreißender Roman, dessen Geschichte nicht immer glaubwürdig ist. Doch wer sich darauf einlässt, dem wird ein Finale geboten, in dem beide Hauptfiguren ganz oben auf The Judge’s List (so der Originaltitel) stehen, das an Hochspannung alles in den Schatten stellt, was Grisham bisher geschrieben hat.

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Willkommen in Siegheilskirchen

Dieser vom erfahrenen spanischen Animator Santiago López Jover und dem bayerischen Regisseur Marcus H. Rosenmüller (Wer früher stirbt, ist länger tot) Film in Szene gesetzte Film lief in Österreich unter dem sehr viel passenderen Titel Rotzbub. In Deutschland kommt der Trickfilm jetzt als Willkommen in Siegheilskirchen in die Kinos.

Geboten wird ein faszinierender Exkurs durch die von schrillen Charakteren bevölkerte Bilderwelt von Manfred Deix. Die Produktion des Animationsfilms begann bereits 2013 und der drei Jahre später verstorbene österreichische Cartoonist war an der Konzeption beteiligt.

Die Geschichte spielt 1967 in einer österreichischen Kleinstadt, die nicht ohne Grund Siegheilskirchen heißt. Die Männer, die in dem Kaff das Sagen haben, sind Nationalsozialisten geblieben. Trotzdem eröffnet dort der Hippie Poldi das Café Espresso Jersey und mischt den kleinstädtischen Mief etwas auf.

Ein kleiner Junge, der von allen Rotzbub genannt wird und über großes Zeichentalent verfügt, bringt auf einem gewaltigen Wandgemälde den Ekel über seine Mitbürger zum Ausdruck und gewinnt das Herz des Roma-Mädchens Mariolina.

Bei einem Budget von circa sechs Millionen Euro sollte der Zuschauer keine Pixar-Qualität erwarten. Doch wer sich auf den Filmeinlässt, wird reich belohnt. Es werden nicht nur Deix-Karikaturen glaubhaft in Bewegung zu gesetzt, sondern zugleich wird auch eine ebenso komische wie anrührende Geschichte über das Erwachsenwerden erzählt.

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BRZRKR

Es ist kein Wunder, dass dieser Band bei Cross Cult erscheint, denn dort wurde bereits ein 48-seitiges Büchlein mit dem aussagekräftigen Titel If Keanu were your Boyfriend: Der Mann, der Mythos, der Wow! veröffentlicht.

Normalausgabe mit Cover von Dan Mora

Geboten wird “zum Teil Biografie, zum Teil verträumte Erzählung“ mit bedeutenden Weisheiten von Keanu Reeves, wie “Life is good when you have a good sandwich.“ Wer so einen Quatsch herausbringt, wird sich natürlich auch schleunigst um die Rechte eines Comics bemühen, an dem der Wow höchstpersönlich als Autor beteiligt war.

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Es ist erstaunlich, was für Wellen es schlägt, wenn sich ein Hollywood-Star, dazu herablässt einen Comic zu schreiben. Zwar hat Keanu dies nicht ganz alleine gemacht, sondern als Co-Writer wurde ihm ein erfahrener Comic-Macher zur Seite gestellt.

Normalausgabe mit Cover von Dan Mora

Matt Kindt war bereits als Autor, aber teilweise auch als Zeichner für Dark Horse, Valiant und DC tätig. Es ist völlig unklar, wieviel Input bei BRZRKR von Keanu Reeves stammt. Möglicherweise kam von ihm wenig mehr, als die Erlaubnis den Titelhelden mit seinen Gesichtszügen auszustatten.

Second-Printing-Cover von Ron Garney

Doch dies auch auf Variantcover von Lee Bermejo, Dan Mora, Jonboy Meyers, Ron Garney oder Rafael Grampá gefeierte Ereignis genügte, um das im März 2021 bei Boom! Studios veröffentlichte Heft BRZRKR # 1 mit 650.000 verkauften Exemplaren zum Comic-Bestseller dieses Jahrtausends zu machen.

Die Story hingegen dürfte kaum etwas zu dieser Erfolgsgeschichte beigetragen haben, denn das erste Heft zeigt trotz des verdoppelten Umfangs von 43 Seiten wenig mehr als ein von Ron Garney immerhin recht mitreißend in Szene gesetztes Gemetzel. Der Mann mit dem Gesicht von Keanu veranstaltet und überlebt dabei ein Blutbad in einem Land, in dem Spanisch gesprochen wird.

Als Schlusspointe wird noch verraten, dass der Supersoldat bereits seit achtzigtausend Jahren auf der Erde zugange ist. Der Auftakt von Kapitel 2 versucht noch einen draufzusetzten und erzählt wie die Mutter von BRZRKR ihren Sohn unbefleckt empfangen hat und schon nach zwei Monaten zur Welt brachte.

Doch damit haben Matt Kindt und Keanu Reeves ihr Pulver bereits verschossen, zumindest was die ersten vier (von insgesamt zwölf) US-Hefte betrifft, die Cross Cult in drei verschiedenen Editionen (darunter eine limitiere Ausgabe im Überformat von 22 x 32 cm) gebündelt und garniert mit einer aus 24 Covern bestehenden Galerie veröffentlicht.

Limitierte Ausgabe im Überformat mit Cover von Jonboy Meyers

Im weiteren Verlauf der Handlung werden – unter dem Motto “Who Wants to Life Forever“ – Ideen und Erzählstrukturen aus Russell Mulcahys unsterblichem Klassiker Highlander mit Christopher Lambert recycelt. Auch bei BRZRKR gibt es eine attraktive Wissenschaftlerin, die den Helden in der Gegenwart analysiert und dadurch wilde erzählerische Zeitsprünge auslöst.

In kleinen Portionen ist so zu erfahren, wie der Keanu-Charakter in kürzester Zeit zum Muskelprotz heranwuchs und seine Sippe im Alleingang und natürlich in blutigen Kämpfen gegen andere Steinzeit-Völker verteidigte. Die Spannung auf den weiteren Verlauf der vertraut wirkenden Geschichte hält sich in Grenzen.

Dennoch ist BRZRKR nicht nur als Comic ein Erfolg, sondern auch als Blaupause zur weiteren medialen Weiterverarbeitung. Netflix plant einen Film, natürlich mit Keanu in der Hauptrolle und auch eine Anime-Serie ist im Gespräch. Für das Kino ist das Franchise leider ungeeignet, denn es würde zu argen Verständnisproblemen an der Kasse führen, wenn jemand dort “Zwei Karten für BRZRKR!“ verlangt.  

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Kia Asamiya: Batman – Child of Dreams

Bereits 1966 entstand als Nebenprodukt zur TV-Serie mit Adam West ein Batman-Manga, bei dem sich Jiro Kuwata recht viele Freiheiten im Umgang mit dem Dunklen Ritter nahm.

Sehr viel werkgetreuer aber auch ambitionierter geriet 2001 ein Batman-Comic von Kia Asamiya (Silent Möbius), der zuvor bereits Star Wars – Episode I: Die dunkle Bedrohung als Manga adaptiert hatte. Asamiyas mehr als 300 Seiten umfassendes Epos Batman: Child of Dreams kann getrost als Graphic Novel bezeichnet werden.

Hauptfigur ist die junge Japanerin Yuuko Yagi, die ihren Landsleute den Einstieg in die Welt von Batman erleichtern soll. Die Reporterin reist nach Gotham und trifft dort nicht nur auf Batman – nicht zum ersten Mal, wie im Laufe der Geschichte zu erfahren ist -, sondern auch auf einige seiner Gegner, wie natürlich den Joker.

Die zweite Hälfte der Geschichte spielt in Tokyo. Dort werden Yuuko und Bruce Wayne mit den Machenschaften des zwielichtigen Besitzers eines mächtigen Pharmakonzerns konfrontiert, der zugleich ein großer Batman-Fan ist. Auch Catwoman spielt im Finale eine große Rolle, doch vieles ist ganz anders als es anfangs wirkte…

Gleich nach der japanischen Veröffentlichung präsentierte Panini den Batman-Manga in zwei Softcover-Ausgaben und jetzt folgt eine schön aufgemachte Hardcover-Gesamtausgabe. Diese enthält neben einigen Skizzen auch ein kurzes, aber sehr aufschlussreiches Interview mit Kia Asamiya. Hier ist zu erfahren, dass dieser bevor er sich auf den Job einließ, bereits Batman-Klassiker wie The Dark Knight Returns, Year One, Arkham Asylum, The Killing Joke oder The Long Halloween kannte.

Daher ist Child of Dreams sehr viel mehr, als der Versuch im Windschatten der Kinofilme eine Handvoll Yen zu verdienen. Kia Asamiya gelang ein auch heute noch mit Gewinn zu lesender Batman-Comic mit einem interessanten Look, irgendwo zwischen Manga und Tim Burton.

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